Musikerehrung

Für unvergessliche Momente ausgezeichnet

Das Trompetenensemble leitete den Abend der Musikerehrung ein.

Zum siebten Mal hat die Stadt Crailsheim verdiente Musikerinnen und Musiker für ihre Leistungen ausgezeichnet. Im vollbesetzten Ratssaal genossen die Gäste nicht nur wunderbare Musikspiele, sondern applaudierten auch für die Geehrten, die im vergangenen Jahr wieder herausragendes geleistet haben.

„Talent, Hingabe und großes Engagement – das alles besitzen die Menschen, die wir heute auszeichnen möchten“, befand Barbara Kochendörfer, als sie mit warmen Worten vergangene Woche die Gäste im Ratssaal im Rathaus zur siebten Musikerehrung begrüßte. Seit 2015 würdigt die Stadt Crailsheim, einst initiiert durch Musikdirektor Franz Matysiak, der an diesem Abend leider krankheitsbedingt fehlte, und der damaligen Musikschuldirektorin Christina Riedesel, verdiente Musikerinnen und Musiker für ihre Leistungen im vergangenen Jahr. Sie alle würden den Namen Crailsheims in die Welt hinaustragen und damit Werbung für ihre Heimat machen, lobte die heutige Musikschulleiterin Kochendörfer.

Crailsheims musikalische Gegenwart und Zukunft. Eine beeindruckende Zahl an Musikerinnen und Musikern wurden für ihr Engagement und ihre Leistungen geehrt.

Ähnlich sah dies auch Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, der die Ehrungen vornahm. „Ihr Engagement und Ihre Hingabe zur Musik bereichern nicht nur unser kulturelles Leben, sondern schaffen auch unvergessliche Momente der Freude und Inspiration für uns alle“, wandte er sich an die Anwesenden

Trompeter dominieren die Wettbewerbe
Jahr für Jahr darf die Stadt sich über erfolgreiche Teilnahmen am Nachwuchswettbewerb „Jugend musiziert“ freuen. „Dieser erhöht die Popularität musikalischer Bildungsangebote, weckt Neugier und Interesse, und motiviert Kinder und Jugendliche, sich mit Musik zu beschäftigen, gemeinsam zu musizieren und mit Fleiß besonders künstlerische Leistungen zu erreichen“, fasste Kochendörfer die Impulsfunktion zusammen. Von der Regionalebene geht es weiter zum Landeswettbewerb und für die besonders Erfolgreichen weiter zum Bundeswettbewerb.

Frieder Scherer (Mitte) wurde als Musiker des Jahres ausgezeichnet.

Béla Dierolf aus der Gesangsklasse von Maria Pizzuto nahm am Regionalwettbewerb in Schwäbisch Hall in der Altersgruppe Ib teil. Er wurde von Lilli Krieger am Klavier begleitet und erreichte sensationelle 24 von 25 möglichen Punkten. Das Trompetentrio Milo Kern, Hannes Schmidt und Leander Lemke aus der Klasse von Thomas Groß, es sollte nicht die einzige Auszeichnung für Künstler unter der Leitung von Groß bleiben, nahm nach einer sehr erfolgreichen Teilnahme beim Regionalwettbewerb in der Altersgruppe II mit 23 Punkten am Landeswettbewerb teil und erreichte dort einen 2. Preis. Thomas Groß formierte auch ein Ensemble für die Altersgruppe IV. Sein Trompetenquintett mit Paul Ziegler, Dan Fredekind, Johanna Matysiak, Max Stoll und Anna Kottysch erspielte sich mit fabelhaften 24 von 25 Punkten im Regionalwettbewerb ein Ticket zum Landeswettbewerb in Künzelsau und erhielt dort einen 2. Preis.

In der Altersgruppe III trat das Trompetenquartett aus der Klasse von Thomas Groß mit Paul Ziegler, Milo Kern, Jan Bader und Lea Bielesch an. Sowohl im Regionalwettbewerb als auch im Landeswettbewerb erreichte das Quartett jeweils 24 Punkte und durfte zum Bundeswettbewerb nach Zwickau fahren, wo sie den dritten Preis schafften. Bei den Senioren des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ in der Altersgruppe VI gab es ebenfalls einen fantastischen Durchmarsch von Thomas Groß erfolgreichstem Ensemble. Sein Quartett mit Marc Fabri, Patrick Wolf, Ian Probst und Robin Probst wurde sowohl im Regional- als auch im Landeswettbewerb mit der Höchstpunktzahl geadelt und erreichte beim Bundeswettbewerb 24 Punkte und einen ersten Preis.

Das Trompeterensemble hat nicht nur den Preis des Ensemble des Jahres gewonnen. Sondern in all den Jahren des gemeinsamen Probens und der Auftritte ist auch eine enge Freundschaft entstanden.

Geld gesammelt für den guten Zweck
In der Kategorie „Ehrungen für besondere musikalische Aktivitäten in Schulen“ durften sich die Bläserklassen der Eichendorffschule über die Auszeichnung freuen. Sie hatten im März 2023 ein Benefizkonzert zugunsten schulischer Einrichtungen im Erdbebengebiet der Türkei gespielt. Rund 350 Gäste waren damals gekommen und sorgten für einen Spendenregen von 7.835 Euro, die nach Antakya gingen. Die Freude war groß bei den Schülerinnen und Schülern, als ihr Name verlesen wurde. Wie toll ihr Spiel ist, davon konnten sich die Gäste des Abends auch selbst überzeugen, da die Bläserklasse 6 unter der Leitung von Hannah Martens und der Organisation von Luise Wolf Teil des musikalischen Rahmenprogramms war.

Ebenfalls nominiert waren die Fachschaft Musik des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, die jedes Jahr das große Weihnachtskonzert der Schule in der Johanneskirche durchführt und immer wieder für begeisternde Konzertabende sorgt. Vorbildlich ist auch das Bläserklassenprojekt der Leonhard-Sachs-Schule in Kooperation mit der Bürgerwache und der Musikschule. Hier werden die Kinder der dritten und vierten Klasse instrumental unterrichtet und gleichzeitig in die Nachwuchsarbeit der Bürgerwache integriert. Auch sie traten im Rahmen der Musikerehrung auf.

Ein Camp mit Zukunft
Erstmals fand im Jahr 2023 das „Ethno Spring Camp“ in Crailsheim statt. Es richtete sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene und verfolgte das Ziel, durch gemeinsames Singen und Musizieren einander näherzukommen, das Selbstbewusstsein zu stärken und unabhängig der Lebenssituationen einen Zugang zu Musik zu ermöglichen. Egal, mit welchem musikalischen Niveau: die Freude an der Musik stand im Vordergrund. Mit einem Instrument oder mit der Stimme – es konnten alle beim ersten Ethno Musik Spring Camp dabei sein. Und genau das befand die Jury als herausragend, weshalb das Projekt, das von Eva Bader, Samuel Pereira, Jacinta Pereira und Jonas Rönnefarth umgesetzt wurde, in der Kategorie „Aktivitäten mit Nachhaltigkeit, Integration oder auch Inklusion“ gewann.

Ein „Oscar“ für Frieder Scherer
Höhepunkte des Abends waren wieder die Sonderpreise, die weniger aufgrund von Einzelleistungen in einem Jahr vergeben wurden, sondern eher für ihr dauerhaftes herausragendes Wirken. Den Anfang machte Laudator Jürgen Wünsche, der die Musikerin bzw. den Musiker des Jahres präsentieren durfte. Er hatte fast das Gefühl, bei den Oscars in Los Angeles zu stehen, als er die Bühne betrat. Und seine Rede war ähnlich hollywoodreif, als er den Spannungsbogen langsam aufbaute: „Er ist ein Multitalent, spielt Klarinette genauso wie Saxophon, ist Flötist, leidenschaftlicher Jazz-Musiker und ein Crailsheimer Urgestein. Ob Stadtkapelle oder Fränkische Familie, er engagiert sich überall und hat dabei auch immer den passenden Witz auf der Zunge“. Die Rede war von Frieder Scherer, der bereits kurz zuvor gemeinsam mit Rupert Herrmann das Publikum verzaubert hatte. Dieser war von der Auszeichnung überrascht und ergriffen zugleich. Vor genau 55 Jahren habe er einst seinen ersten Auftritt im Ratssaal gehabt und nun stehe er mit der Auszeichnung oben auf der Bühne. Seit dem Stadtfeiertag 2023 lebe er wieder in Crailsheim, was stets seine Heimat war. „Diese Ehrung nun ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, dankte er der Jury und fügte einige mahnende Worte an den Nachwuchs an: „Nehmt die Musik mit, egal wohin ihr geht. Denn sie dient euch als Türöffner für vieles.“

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer dankte für die vielen unvergesslichen Momente durch die Musik.

Musik bedeutet Freundschaft
Wer bei „Jugend musiziert“ so durchmarschiert und einen Preis nach dem anderen abräumt – und das in einer erschreckenden Regelmäßigkeit über Jahre hinweg –, den dürfte es auch nicht wundern, wenn sein Name erneut aufgerufen wird. Und so war es wenig verwunderlich, als Laudator Michael Kranz von der Blaskapelle Onolzheim das Trompetenensemble unter der Leitung von Thomas Groß zum Ensemble des Jahres ehrte. Was als Jugendprojekt begann, in dem sich die Teilnehmer anfangs kaum kannten, ist heute zu einer engen Freundschaft geworden, die auch vor gemeinsamen Urlauben nicht halt mache. Und auch wenn aufgrund des Studiums gemeinsame Proben seltener geworden sind, sei die Freude immer groß, wenn das Ensemble zusammen auf die Bühne treten darf. So sah das auch Marc Fabri, einer der gewürdigten Trompetenkünstler, der allerdings den Applaus gleich an Groß weiterreichte. „Er hat uns gezeigt, wo es langgeht. Vielen Dank Thomas für die Freundschaft, die mit uns entstanden ist. Jedem wünsche ich so einen Thomas an die Seite.“

Frieder Scherer und Rupert Herrmann begeisterten mit ihrem Spiel.

Lebenswerk-Auszeichnung für eine stets Heimatverbundene
Und so blieb nur noch eine Kategorie übrig: die Auszeichnung für das Lebenswerk. „Jemanden dafür zu ehren, ist immer besonders. Und auch immer etwas seltsam, wenn jemand noch immer auf dem Höhepunkt seiner bzw. ihrer künstlerischen Kreativität steht“, leitete Barbara Kochendörfer ein, ehe sie an den letztjährig Geehrten Hans-Hermann Lohrer übergab. Der Laudator machte es kurz: der Preis für das Lebenswerk ging an Sabine Meyer. Sie gilt als weltbeste Klarinettistin, spielte als Solisten bereits bei 300 Orchestern und hat Auftritte in ganz Europa, Nord- und Südamerika sowie Israel und Japan. Und doch ist die gebürtige Onolzheimerin durch und durch ein Familienmensch. Für sie und ihren Mann war es eine Selbstverständlichkeit, zweimal im Monat nach Crailsheim zu kommen, um sich um ihre Mutter zu kümmern. Die achtfache Klassik Echo-Gewinnerin begann ihre musikalische Reise mit drei Jahren am Akkordeon, erkannte aber sehr schnell, dass die Klarinette ihr Freund wird. „Sie hat Instrumente wie das Bassetthorn und die Bassettklarinette wiederbelebt und war zudem neben ihrer Solokarriere rund 30 Jahre lang Professorin an der Musikhochschule in Lübeck“, führte Lohrer aus. Sabine Meyer konnte die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen, bedankte sich dafür aber in einer Videobotschaft, in der sie auch betonte, ihrer Heimat, der Stadt Crailsheim und vor allem Onolzheim, immer verbunden gewesen zu sein.

„Musik ist eine Quelle der Freunde, Inspiration und Verbindung, unabhängig von Alter, Herkunft oder Hintergrund, die uns in besonderer Weise bereichert und zusammenbringt“, fasste Grimmer am Ende der zweistündigen Veranstaltung diese zusammen und verabschiedete die Gäste in den gemütlichen Teil des Abends.

(Erstellt am 26. März 2024)