Ja zu Etatschwerpunkten

Die Sprecher der vier Gemeinderatsfraktionen nahmen am letzten Donnerstag Stellung zum Etatentwurf der Verwaltung: (von links) Norbert Berg (AWV), Werner Gulden (CDU), Markus Schmidt (UGL) und Manfred David (SPD). Foto: Siewert

SPD, AWV und UGL fordern verbindliche Prioritätenliste / Sorge um Einnahmen


Der deutliche Akzent auf Bauinvestitionen im Haushaltsjahr 2009 wird von allen Fraktionen begrüßt. Sie unterstützen auch uneingeschränkt den Crailsheimer Weg.


Mit der bedarfsorientierten Ganztagesbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen  hat Crailsheim ein vorbildliches und attraktives Angebot gestartet, das in Zukunft eher ausgebaut als eingedampft werden soll, so die Auffassung der Fraktionsvorsitzenden Werner Gulden (CDU), Manfred David (SPD), Norbert Berg (AWV) und des Fraktionssprechers Markus Schmidt (UGL). In ihren Stellungnahmen zum im Dezember vorgelegten Etatentwurf 2009 kritisieren die SPD, die AWV und die UGL allerdings in scharfer Form, dass „das selbsternannte Kinderland Baden-Württemberg” die Kommunen bei der Finanzierung der Kinderbetreuung im Regen stehen lässt. Völlig unverständlich, so die Sprecher dieser drei Fraktionen, ist die Rüge, die das Regierungspräsidium kurz vor Weihnachten erteilte, weil Crailsheim beschlossen hat, für das dritte Kindergartenjahr keine Elternbeiträge zu erheben. Die Aufsichtsbehörde droht dafür mit weniger Förderung aus dem Ausgleichsstock und somit Verlust von Landesmitteln, auf die Crailsheim ganz sicher nicht verzichten kann.
Sorge um die künftigen Einnahmen haben – mit Blick auf die prognostizierte Wirtschaftskrise – vor allem die AWV und die UGL. Die CDU hofft, dass Crailsheim aufgrund seines gesunden Branchenmixes bei den Mittelstandsbetrieben vom Konjunktureinbruch nicht ganz so schlimm betroffen sein wird. Relativ optimistisch ist auch die SPD – zumindest mit Blick auf das Jahr 2009.


Uneingeschränkte Zustimmung findet die Bauinvestitionsliste der Verwaltung zumal – wie beim Umbau der ehemaligen Militärflächen (Konversion) und bei der Sanierung der Realschule am Karlsberg sowie der weiteren Verbesserung des Haupt­klärwerkes – sinnvolle Vorhaben fortgesetzt werden. Unaufschiebbar ist die Sanierung der Großsporthalle. Und auf breitem Einvernehmen ruht auch die Sanierung des Rathauses, die 2009 begonnen wird. Dass die Konjunkturprogramme von Bund und Land den Kommunen und speziell der Stadt Crailsheim etwas bringen könnten, wird zwar erhofft, aber die Erwartungen sind nicht allzu groß.


Die AWV wird auch im (Wahl-)Jahr 2009 vom Thema Stadthalle nicht lassen. Die SPD hat das Thema auch nicht „vergessen”, sieht aber im Moment andere wichtige Vorhaben. Die CDU warnt hingegen vor „visionären Illusionen”: Realitätsbezogenes Handeln sei das Gebot der Stunde. Die UGL ist in Sorge wegen immer neuer Schulden und in diesem Zusammenhang auch wegen einer neu aufflackernden Diskussion „um eine mögliche oder unmögliche Stadthalle”.


Info
Die Haushaltsplanberatungen gehen am 5. März in die  entscheidende Runde. In dieser Gemeinderatssitzung legt die Verwaltung ihre Stellung­nahme zu den Haushaltsreden und Anträgen vor. An diesem Tag soll auch der Haushalt verabschiedet werden.

 

 

 

Finanzsituation noch erfreulich gut

Alle Fraktionen sehen die Stadt auf dem richtigen Weg/UGL macht sich schon Sorgen um angekündigte neue Schulden

 

Das Budget hat erstmals über 100 Millionen Euro, die Einnahmen sprudeln – noch. So gut, wie 2009 ging es der Stadt noch nie, doch der Konjunkturhimmel verdunkelt sich. Vor diesem Hintergrund gaben die Fraktionen ihre Stellung­nahmen zum Etat ‘09 ab.

 

Man stehe vor einer grotesken Situation: Dank konsequenter Haushaltskonsolidierung und steigender Steuereinnahmen konnten Schulden abgebaut und Rücklagen angesammelt werden, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Gulden. „Crailsheim steht momentan noch sehr gut da!” Mit der Banken-, Finanz- und Weltwirtschaftskrise habe sich das Bild aber grundlegend verändert. Es gelte hellwach und kritisch zu sein, ohne in Jammern und Klagen zu verfallen. Vielmehr müssten zukunftsfähige Perspektiven entwickelt werden – und vielleicht profitiere Crailsheim von Konjunkturprogrammen.

Die CDU trägt die Schwerpunkte „Crailsheimer Weg, Bildung und Konversion” voll mit, auch wenn mit der bedarfsorientierten Ganztagesbetreuung steigende Personalausgaben verbunden sind. Dass der Crailsheimer Weg keine Selbstverständlichkeit sei, müsse von Eltern und Betreuern anerkannt werden. Er regte an, Firmen zu gewinnen, die sich mit qualifiziertem Personal am Kinderbetreuungsangebot beteiligen.
Erfreut sei die CDU über die Aufstockung der Mittel für Unterhaltungsmaßnahmen, da ein gewaltiger Nachholbedarf bestehe und rechtzeitige Investitionen teuere Folgeschäden vermeiden. Für die Rathaussanierung könnten Förderprogramme im energetischen Bereich interessant werden. Vorankommen solle die Stadt- und Dorf­ent­wick­lung mit Vorrang für die Reaktivierung innerörtlicher Flächen auch mit aktivem Eingriff in den Grundstücksmarkt. In den Stadtteilen (Beispiel Triensbach) sollen die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Attraktive Bauplätze mit kurzen Wegen zu den Arbeitsstellen und ein gutes Kinderbetreuungsangebot seien eine ausgezeichnete Werbung.
„Visionäre Diskussionen sind gelegentlich höchst spektakulär – realitätsbezogenes Handeln scheint aber das Gebot der Stunde zu sein”, gab Gulden abschließend auch im Blick auf das Kommunalwahljahr zu bedenken.

Der Haushalt 2009 nehme den Schwung der guten Vorjahre auf, betonte der SPD-Fraktionschef Manfred David. „Wir sind auf dem richtigen Weg – wenn sich auch gelegentlich uns die Frage stellt: auf wessen Weg?” David reklamierte für den Gemeinderat, im Rahmen der Haushaltsberatungen der Wegweiser zu sein. Er bedauerte, dass die Verwaltung eine lange Reihe von Themen der SPD nicht aufgreife: Verlängerung des Bahntunnels, Verbesserung am Alten Postweg, Entwicklung Jagstgartenweg und Nutzung der Jagstufer für Freizeit und Erholung, Sanierung des Jugendzentrums, des Volksfestplatzes, Torbogengebäude im Fliegerhorst, Sportanlagen des Lise-Meitner-Gymnasiums, Stadtmarketing und Stadtprospekt sowie Umfahrung Roßfeld. Jetzt liege zwar eine „Prioritätenliste”, aber „unkonkreter und unklarer geht es fast nicht”. Gleichzeitig würden Diskussionsforen geplant und Visionen angedacht. „Wir wollen konkre­te Planungen”, betonte David mit Blick auf Dinge, bei denen die SPD und eine Mehrheit des Gemeinderates Handlungsbedarf sehen. „Wir wollen kein Stadtentwicklungsprogramm und keine Überraschungseier”, sondern gemeinsam mit der Verwaltung praktische Stadtentwicklung.
Die SPD sieht die Stadt auf  dem richtigen Weg: bei der Konversion, bei der Rathaussanierung und bei der bedarfs­orientierten Ganztagesbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen (Crailsheimer Weg) und mit dem kostenlosen Kindergartenbesuch im dritten Jahr. In diesem Zusammenhang kritisierte David das Land massiv. Er  warf die Fragen auf: „Baden-Württemberg – ein kinderfreundliches Land? Frau von der Leyen (CDU) – nur eine Sonntagsrednerin?”
Die Stadthalle sei bei der SPD nicht vergessen, das Thema werde aber momentan von wichtigeren Projekten verdrängt. Im Blick auf die allgemeinen Wirtschaftsdaten erwartet die SPD für Crailsheim zwar auch Auswirkungen, aber wegen der besonderen wirtschaftlichen Struktur „ist es uns nicht bange um unsere Stadt.”

Deutliche Rückgänge bei der Gewerbesteuer erwartet der AWV-Fraktionsvorsitzende Norbert Berg aufgrund der Krise und gleichzeitig höhere Ausgaben bei den Umlagen in Folge der noch wirksamen guten Steuereinnahmen bei der Stadt. Die AWV trage alle Investitionen mit, kündige aber eine Diskussion zu den hohen Ausgaben der Verwaltung an. Der Crailsheimer Weg und die Ausgaben für Bildung und Jugend seien gut, hier fehle aber die finanzielle Unterstützung des Landes, kritisierte Berg. Es sei zwar verständlich, wenn versucht werde, aus Kostengründen immer mehr Initiativen auf ehrenamtliche Kräfte zu verlagern. „Deren Kräfte reichen auf Dauer nicht aus.”
Eine aktuelle Prioritätenlis­te habe die Verwaltung – trotz wiederholter Aufforderung aus dem Gemeinderat – nicht vorgelegt. Die der AWV wichtigen Themen Stadthalle und Aussegnungshalle auf dem Hauptfriedhof würden von der Verwaltung nicht aufgegriffen, bemängelte Norbert Berg. Aus der mittelfristigen Finanzplanung ergeben sich gar, dass die Verwaltung vom Bau einer Stadthalle „still und heimlich zu verabschieden versucht: Das werden wir jedoch nicht hinnehmen.” Deshalb beantrage die AWV jetzt eine finanzielle Machbarkeitsstudie für die Errichtung einer Stadthalle, deren Bau (ab 2012) die heimische Wirtschaft unterstütze.

Den Weg in eine massive Neuverschuldung sieht die UGL im Haushaltsplan 2009 vorgezeichnet. Der ab 2006 von 42,8 Mio. auf aktuell 26 Mio. Euro erfreulich abgebaute Schuldenstand werde Ende des Jahres auf 30,6 steigen und 2012 schon wieder bei 41,4 Millionen Euro ankommen. Dabei seien bisher nicht eingeplante Investitionen und die Folgen der Krise nicht eingerechnet, erklärte der UGL-Sprecher Markus Schmidt: „Unserer Fraktion bereitet diese Entwicklung große Sorge.” Er warnte eindringlich: „Die Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse sollte allerdings nicht ausschließlich auf Kos­ten von nachfolgenden Generationen erfolgen.” Einig zeigte er sich mit Finanzbürgermeister Ha­rald Rilk: Die Entwicklung müsse genau beobachtet und gegebenenfalls müsse nachjustiert werden.
Unstrittig und unumgänglich seien die  2009 einvernehmlich geplanten Investitionen. Beim Rathaus und der Großsporthalle sollten energieeffiziente Techniken zum Einsatz kommen und erneuerbare Energien berücksichtigt werden. Beim Crailsheimer Weg dürfe nicht nur Betreuung, es müsse auch Förderung geboten werden. Massiv kritisierte auch Markus Schmidt hier das Land.
Dringend seien eine Halle auf dem Kreuzberg, Außen­sportan­la­gen beim Lise-Meitner-Gymnasium, ein Ersatz für die Jahnhalle, die Kistenwiesenhalle und für die Halle in Jagstheim. Schmidt bedauerte das Fehlen einer verbindlichen Prioritätenliste: Verantwortliches Handeln sehe anders aus, so Schmidt. Der Ausbau des Stadtbusverkehrs muss nach Ansicht der UGL auch in den Stadtteilen weiter vorankommen.  

 

 

Anträge der CDU

Werner Gulden (CDU)
  •  Neuordnungskonzepte in Stadtteilen umsetzen, mit Ortsvorstehern brachliegende Grundstücke prüfen und erwerben
  • baurechtliche Voraussetzungen in Stadtteilen schaffen (z. B. Triensbach)
  • Neubau zweigruppiger Kindergarten mit zwölf Krippenplätzen an der Sporthalle Ingersheim   600000 Euro
  • Planungsrate Sporthalle Jagstheim  5000 Euro

 

 

Manfred David (SPD)

Anträge der SPD

  • Planung Kreuzung Beuerlbacher-/Schillerstraße mit Abbiegespur oder Kreisverkehr  10000 Euro
  • Goethe-/Worthingtonstraße: Planung bedarfsgerechte Ampel oder Kreisverkehr  5000 Euro
  • Ausbau Bahnhof/Alter Postweg und Verlängerung Bahntunnel
    Bericht bis 30. Juni
  • Neuordnungskonzept / Ausbau Fronbergstraße
    Planungsrate  5000 Euro
  • Volksfestplatz
    Planungsrate  5000 Euro
  • Bühne/Konzertmuschel im Spitalpark   50000 Euro
  • Jagstaue: Umgestaltung zu Naherholungsgebiet
    Planungsrate  10000 Euro

 

 

Anträge der AWV

Norbert Berg (AWV)

Bis spätestens 31. Mai ‘09

  • Machbarkeitsstudie zur Finanzierung des Stadthauses mit Bauziel 2012
  • Überarbeitung der Prioritätenliste

 

 

 

 

Fragen der Bürger

Fallteich: Eine Verlängerung der Rechtsabbiege­spur von der Nordwest­umgehung in die B290 Richtung Crailsheim wird geprüft, sicherte Oberbürgermeister Andreas Raab als Antwort einer Bürgerfrage zu Beginn der letzten Gemeinderatssitzung zu.

 

 

Eberlgelände: „Kein erbaulicher Anblick” erklärte Baubürgermeister Herbert Holl auf die Frage, ob für das Grundstück an der Tiefenbacher Straße eine Entwicklungsplanung vorgesehen sei und ob dort nicht Parkplätze einer an der Haller Straße ansässigen Firma angelegt werden könnten. Holl will dazu Gespräche führen.

 

 

Eisweiher: Der Bauhof hat die Anlage, die nach dem Amtsantritt von Baubürgermeister Holl reaktiviert wurde, im Auge. Aber es werde auch auf die Eigen­initiative der Benutzer gesetzt, so Holl. Die von einem Bürger angemahnte Aufstellung von Bänke stehe auf der Liste.

 

 

Kreuzung: Die Kreuzung am Ehrenfriedhof ist in den Verkehrsspitzenzeiten ein Problem, erklärte Bau­bürger­meister Holl auf eine entsprechende Bürgerfrage. Die Verwaltung stelle dazu derzeit weitere Überlegungen an.

 

 

„Potthässlich” – diese Einschätzung teilt Baubürgermeister Holl im Blick auf die Gabionen (Steinkörbe) in der Langen Straße mit. Er bat bei der Beurteilung der Neugestaltung um Geduld, bis die Beleuchtung (die Lieferung verzögerte sich) installiert, die Poller und Blumenkübel zwischen den Gabionen und Bänke an den dann auch bewachsenen Steinkörben aufgestellt sind.

 

 

Schlaglöcher,... tiefe Pfützen und überhängende Äste im Zug von Radwegen bemängelte ein Bürger. Bekannte „Hindernisse” würden beseitigt, aber der Bauhof könne nicht überall gleichzeitig sein, so Bürgermeister Holl.

 

 

Trutenbachallee: Der Weg in der Trutenbachaue soll mit einem Belag befestigt werden, bestätigte Baubürgermeister Holl auf den Hinweis eines Bürgers, dass dort wegen der Wurzelaufbrüche ein Schotterweg sinnvoll wäre. Das Problem sei bekannt, so Holl, und bei der Sanierung des Weges werde aus diesem Grund im Wurzelbereich Pflaster verlegt. Die Befestigung des Weges sei aber grundsätzlich richtig. ks

 

 

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