







Steuern und Gebühren sollen erhöht werden
Dass es schwierig werden würde, den Haushaltsplan der Stadt auch 2011 einigermaßen ins Lot zu bringen, hatte Finanzbürgermeister Harald Rilk immer wieder angedeutet. Jetzt legte er den Entwurf vor.
Die Verwaltung hat für den Haushaltsausgleich steigende Gebühren und Steuern eingeplant. Bürgermeister Harald Rilk sagte wörtlich:
„Um den Haushalt 2011 finanzieren zu können, konnten keine neuen Hochbaumaßnahmen aufgenommen werden. Es können nur begonnene Maßnahmen fortgesetzt werden. Die vom Baudezernat beantragten Unterhaltungsaufwendungen mussten um 640.000 € gekürzt werden und weitere Sparvorschläge aufgenommen werden. Dazu gehört auch die Zusammenlegung der Kindergärten in Triensbach und Tiefenbach oder die Streichung des Zuschusses für die Besamungskosten für Rinder und Schweine.
Die Sparvorschläge und Kürzungen im Ausgabenbereich reichen aber nicht aus, um den Haushalt finanzieren zu können. Damit ein genehmigungsfähiger Haushaltsentwurf überhaupt vorgelegt werden konnte, mussten auch einschneidende Änderungen auf der Einnahmeseite eingeplant werden. Eingeplant wurde eine Erhöhung der Grundsteuer um acht Prozent, die Anpassung der Gebühren im Bestattungsbereich, angestrebt ist ein Kostendeckungsgrad von 90 Prozent, eine Erhöhung der Parkgebühren für das Parken in der Tiefgarage und im Parkhaus Grabenstraße.
Trotzdem müssen zur Finanzierung des Haushaltes rund 12 Mio. € neue Schulden aufgenommen werden. Wir werden damit in den Jahren 2010 und 2011 mit Kreditaufnahmen von 21,4 Mio. € unsere bisherigen Schulden in einem Zeitraum von nur zwei Jahren verdoppeln. Dies wird die finanzielle Situation der Folgejahre deutlich einengen.
Im Haushalt spiegeln sich nur zwei große Maßnahmen wider. Die Sanierung der westlichen Innenstadt mit der Sanierung des Rathauses und die Erschließung des Gewerbeparks Roßfeld, die dringend notwendig ist, um für spätere Jahre durch den Verkauf der Grundstücke Refinanzierungsmittel zu erhalten.
Wir legen Ihnen einen Haushaltsplanentwurf vor, der die gesetzlichen Rahmenbedingungen gerade noch erfüllt. Sämtliche Investitionen müssen über Kredite finanziert werden. Dies muss ein Ausnahmezustand bleiben. In den kommenden Jahren wird es eine der Hauptaufgaben sein, die hohe Verschuldung zurückzuführen, um wieder Spielraum für neue Investitionen zu schaffen.”
OB Rudolf Michl zum Haushalt
Den Anforderungen an die Ausgabenbegrenzung sei man bei der Aufstellung des Etats ebenso nachgekommen wie den Grundsätzen der Einnahmebeschaffung.
„Keine der vorgeschlagenen Entscheidungen ist einfach und leicht zu verdauen”, betonte Oberbürgermeister Rudolf Michl in seiner ersten Haushaltsrede. „Aber die Verantwortung für die Zukunft der Stadt erfordert nachdrückliche Schritte. Und – wir werden den Einstieg in die Entschuldung unserer Stadt schaffen müssen, ohne zugleich unser kommunales Vermögen auf Verschleiß zu fahren.” Angemessene Ausgaben zum Erhalt bzw. zur Pflege von Straßen und Gebäuden über die Gefahrenvorsorge hinaus seien auch künftig notwendig. „Noch haben wir nicht den Weg einschlagen müssen besonders Liebgewonnenes abzuschaffen. Aber: Weder kann dies ausgeschlossen werden, noch werden wir uns größere Wünsche zumindest mittelfristig erfüllen können.”

Leidenschaftlich setzen sich Stadträte fürs schnelle Internet ein / Vorverträge entscheidend: Telekom will drei Millionen Euro investieren
Die Crailsheimer Bürger haben es selbst in der Hand, wie komfortabel sie telefonieren, im Internet surfen und – nur wenn sie wollen – auch über die Datenleitung exzellent mit Fernsehen bedient werden.
Die Stadt ist von der Telekom für ein Pilotprojekt ausgesucht worden, das andere Städte (wie Schwäbisch Hall) allzu gerne bei sich gehabt hätten. Es geht um den Ausbau der langsamen Datenleitungen zur „Glasfaser-Autobahn”. Außerdem erhalten die Crailsheimer Stadtteile, die bisher auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet werden mussten, jetzt überhaupt die Chance auf schnelle Datenleitungen.
Die Telekom wird drei Millionen Euro investieren: „Und Sie kostet das nichts!” betonte Hans Kraft, Chef der Niederlassung Region Südwest bei der Präsentation des VDSL-Projeks im Gemeinderat. Aber gebaut wird nur, wenn 2000 Besitzer eines Telefonanschlusses in diesen Tagen einen Vorvertrag für VDSL unterschreiben. Sie kassieren dafür sogar als Bestandskunden 60 Euro. Die Geld- und Gerätevorteile können sich bei einem Anbieterwechsel bis zu 250 Euro addieren.
Wer superschnelles VDSL jetzt oder in Zukunft nutzen möchte, muss den Vorvertrag unterschreiben. Das gilt auch für Bestandskunden der Telekom. Niemand ist gezwungen, das Komplett-Angebot mit Telefon, Internet und „Entertainement” (Fernsehen) zu buchen. Wer künftig im 07951-Netz viel schneller und komfortabler unterwegs sein will, zahlt für VDSL im Vergleich zum Telekom-DSL-Tarif Call & Surf nur gut fünf Euro mehr. Mit „Entertainment” sind es rund zehn Euro mehr.
„VDSL und DSL – das ist wie Tag und Nacht!”, betonte Helmut W. Rüeck im Gemeinderat. Der CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordnete ist seit kurzer Zeit VDSL-Nutzer – und schlicht begeistert von der Schnelligkeit. Ebenso leidenschaftlich wie Rüeck sprachen CDU-Stadtrat und Ortsvorsteher Friedrich Lober, Baubürgermeister Herbert Holl, Stadträtin Helga Hartleitner (SPD) von einer einmaligen Chance.
„Wenn das nicht kommt, werden die Teilorte am A... der Welt bleiben”, meinte Ortsvorsteher Basler – natürlich nur mit Blick aufs schnelle Internet. Viele Menschen sehen vielleicht erst in zwei, drei Jahren, was ein Glasfasernetz, sprich VDSL, bringt, meinte der CDU-Stadtrat Helmut Hasel. Er forderte auch die Unternehmen „händeringend” auf, diese Zukunftschance zu nutzen.
Die Teilorte können erstmals hoffen, schnelle Datenleitungen zu erhalten. Es werden 70 Kilometer Glasfaser verlegt und es wird modernste Technik installiert. Die Vorgärten bleiben unversehrt. Für Triensbach (Vorwahl 07954) werde man eine Lösung suchen, versprach Hans Kraft.
Die Telekom berät individuell (Telefon 482371) und kümmert sich darum, dass man beim Anbieterwechsel seine Rufnummer behält.

Gemeinderat stimmt Entwürfen zu
„Crailsheim – Türme an der Jagst” ist das Motiv und der Schriftzug, mit dem die Stadt an den Autobahnen auf sich aufmerksam machen möchte.
Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung den Entwurf von Gerhard Frank einstimmig befürwortet und dem Wirtschaftsförderer der Stadt. Dr. Jürgen Ludwig, freie Hand gegeben, sich um die Aufstellung an den Autobahnen Heilbronn-Nürnberg und Würzbürg-Ulm zu kümmern.
Bislang sind zwei Standorte westlich und östlich der Anschlussstelle Crailsheim an der A6 genehmigt. Bisher abgelehnt wurden Schilder an A7 in Fahrtrichtung Norden bei der Ausfahrt Fichtenau bzw. an der Ausfahrt Feuchtwangen-West in Richtung Süden. Dr. Ludwig hat aber Hoffnung, dass sich die Behörden noch bewegen.
Gemeinderat
Der Gemeinderat wollte im Stadtentwicklungsprozess (STEP) eine fünfte Planwerkstatt. Angeboten werden jedoch nur vier Workshops.
CDU-Stadtrat Uwe Berger fragte nun im Gemeinderat nach dem Warum und beharrte auf dem einstimmigen Beschluss.
Dem Sinn nach sei die Verwaltung dem Beschluss gefolgt. Man habe die vom Gemeinderat extra gewünschten Themen „Kultur und Freitzeit” als Schwerpunkte bei den Werkstätten 2 (Erholung in der Stadt) und 3 (Demographischer Wandel) untergebracht. Das erklärten einvernehmlich Oberbürgermeister Michl und Bürgermeister Holl. Man wolle erreichen, dass in den Werkstätten inhaltlich möglichst breit diskutiert werden kann, so dass Themen nicht durch Interessengruppen zu eng gefasst werden, so Holl. Auch angesichts der Tatsache, dass sich statt der 100 erwarteten Teilnehmer bisher nur 55 gemeldet haben, zeige, dass die Entscheidung durchaus richtig war. Bürgermeister Herbert Holl appellierte an die Bürger, sich intensiv an den Planwerkstätten zu beteiligen. Noch sind einige wenige Plätze in zwei der Workshops frei.
Rathaus und Stadträte uneins beim STW-Abschluss
Der Bäderbetrieb war wieder mit hohen Verlusten verbunden. Vereinbart ist nach dem alten Grundsatz „wer bestellt bezahlt”, dass die Stadt diesen Verlust bei den Stadtwerken ausgleicht. So bleibt’s auch 2009.
Finanzbürgermeister Harald Rilk und Oberbürgermeister Rudolf Michl (der Aufsichtsratsvorsitzender Stadtwerke ist) hatten in Einklang mit dem Aufsichtsrat der Stadtwerke vorgeschlagen, den Gewinn der STW aus dem Jahr 2009 in Höhe von 1,066 Mio. Euro der Gewinnrücklage zuzuführen (zu thesaurieren). Aber anders als vom Aufsichtsrat beschlossen, sollte die Stadt nicht die geforderten 800 000 Euro in die Kapitalrücklage der Stadtwerke überweisen. Bei den STW sollten unterm Strich aus dem Gewinn nur 105000 Euro bleiben, so der Vorschlag aus dem Rathaus, der mit der Geschäftsführung der Stadtwerke abgestimmt sei, so Michl.
Mit Entschiedenheit wiesen dies die Stadträte Norbert Berg (AWV), Wilfried Kraft (UGL), Gernot Mitsch (SPD) und Helmut W. Rüeck (CDU), die zugleich Aufsichtsräte der Stadtwerke sind, Gerhard Neidlein und Helmut Hasel (beide CDU) sowie Hermann Wagner (AWV) zurück. Das entspreche nicht dem Vertrag über die Bäderverluste. Wenn man hier eine Änderung herbeiführen wolle, müsse man überlegen, wo dauerhaft Ausgaben reduziert werden können. Einige Stadträte fühlten sich einfach nicht ausreichend informiert oder gar von der Verwaltung vorgeführt (Neidlein).
Kein Gehör fand Bürgermeister Rilk für seine pragmatische Linie: Der Gemeinder habe zu entscheiden, welches das „größere Übel” sei. Er zeigte auf, dass die Stadt ein zusätzliches Finanzierungsproblem bekomme und einen Kredit, anders als die Stadtwerke, nicht steuerlich geltend machen könne. Der städtische Haushalt sei an der Grenze der Genehmigungsfähigkeit. Verbindlichkeiten müssten dort aufgenommen werden, wo sie entstehen, hielt Norbert Berg entgegen. Der Grundsatz von Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit werde sonst verletzt, fügte Wilfried Kraft hinzu.
Mit klaren 20 Stimmen wurde der AWV-Antrag, es beim Beschluss des Aufsichtsrats zu belassen, angenommen. Dem Vorschlag Michl/Rilk folgten nur zehn Befürworter (inklusive OB).
Gemeinderat
Zur Beratung des Sportentwicklungsplanes 2010 wird der Schulbeirat einberufen. Folgende Stadträte sind Mitglieder: für die CDU Jens Zielosko (Brigitte König), für die SPD Gernot Mitsch (Helga Hartleitner), für die AWV Hermann Wagner (Jochen Lehner) und für die UGL Peter Gansky (Jutta Dickmanns-Kempf). Vorsitzender ist Erster Bürgermeister Harald Rilk. Mitglieder sind die Geschäftsführenden Schulleiter sowie Vertreter der Lehrer, Eltern, Schüler und Kirchen.
„Wir wollen die historischen Gemälde nutzen”, betonte Oberbürgermeister Rudolf Michl auf die Frage des AWV-Stadtrates Peter Bechtel, der die Markgrafen-Bilder im renovierten Ratssaal vermisst. Aber man wolle „erst einmal schauen, was passt”, so das Stadtoberhaupt weiter. Er wolle sich vorbehalten, was aus den Bildern der früheren Crailsheimer Regenten werde.
Er habe sich schon gewundert über den anklickbaren Link (vernetzter Hinweis) auf eine Esoterik-Seite auf der Homepage des Magischen Dreiecks. Solche Links müsse man vermeiden, meinte der AWV-Stadtrat Norbert Berg zum Auftakt der Fragerunde. Man werde den Hinweis entsprechend weitergeben, versicherte Oberbürgermeister Rudolf Michl.
Er sei froh, dass die Stadtverwaltung der Jugend das Vertrauen gegeben habe und dass alles gut gelaufen sei. Das erklärte der AWV-Stadtrat Nobert Berg im Blick auf die Diskussion, die im Vorfeld des Volksfestes um die Öffnungszeiten des Jugendzentrums geführt worden war.
Gelobt haben die Leute den Pendelbus zum Volksfest schon, betonte der Jagstheimer Ortsvorsteher und AWV-Stadtrat Kurt Meiser – „wenn er denn kam”. Vielfach sei er in Jagstheim schon so voll gewesen, dass die Leute nicht mehr einsteigen und eine weitere Stunde warten mussten. Auch CDU-Stadtrat Harald Gronbach kritisierte den Busverkehr: Die Benutzer fragten sich, warum eine Fahrt z. B. von Kirchberg zum Volksfest günstiger war als von Ingersheim. Oberbürgermeister Rudolf Michl sagte zu, dass man sich um diese Fragen kümmern werde.
Weitere Untersuchungen seien notwendig zur Frage, ob in Jagstheim künftig wieder ein Zug halten kann. Das erklärte Bürgermeister Herbert Holl auf eine Frage von Kurt Meiser (AWV). Und Oberbürgermeister Rudolf Michl fügte auf eine entsprechende Frage von AWV-Stadtrat Jochen Lehner hinzu, auch am Halt eines ICE in Ansbach sei die Stadt interessiert. „Wir sind dran.” Es wäre natürlich für Crailsheim günstig, wenn dieser schnelle Zug in Ansbach halten würde.
Am „Schandfleck” in Altenmünster, der schon mehrfach in der Fragestunde thematisiert worden war, tut sich etwas – „aus eigenem Antrieb”, wie Baubürgermeister Herbert Holl dem AWV-Stadtrat Werner Pikulski erklärte: „Es geht voran.”
Groß sei die Verärgerung bei den Lehrern im Schulzentrum, weil während der Sommerferien an der Großsporthalle „so gut wie gar nichts passiert ist”, sagte die UGL-Stadträtin Jutta Dickmanns-Kempf. Unumwunden gab Baubürgermeister Holl zu, dass es bei der Sanierung der Großsporthalle immer wieder Probleme gegeben habe – unter anderem mit dem Einbau neuer Notausgänge. „Das tut mir leid.” Bei einer solchen Sanierung gebe es aber viele Schnittstellen und Abhängigkeiten. Statt der geplanten Fertigstellung am 8. Oktober arbeite man jetzt auf einen Termin Ende November hin.
Er habe sich als Oberbürgermeister von Crailsheim zum Projekt Stuttgart 21 geäußert, erklärte Oberbürgermeister Michl auf eine entsprechende Frage des UGL-Stadtrates Wilfried Kraft. Michl hatte wie sein Oberbürgermeister-Kollege Hermann-Josef Pelgrim, Schwäbisch Hall S21 positiv bewertet. Beide SPD-Oberbürgermeister hatten ihre Zustimmung aber mit Forderungen verknüpft. Es bestehe die Sorge, dass Crailsheim wegen Stuttgart 21 weitere 30 Jahre auf einen neuen Bahnhof warten müsse, wird Michl in den Lokalzeitungen im Landkreis zitiert. Deshalb hat das Crailsheimer Stadtoberhaupt in dieser Sache (vor nun acht Wochen) an Bahnchef Rüdiger Grube persönlich geschrieben. Halls Oberbürgermeister Pelgrim will eine Anbindung ans Stadtbahnnetz.
Wegen der Busbeförderung beginnt der Unterricht an den Schulen versetzt, erklärte Bürgermeister Harald Rilk auf Frage von Stadtrat Friedrich Lober (CDU). Seine Fragen zu den seiner Ansicht nach schlechten Busverbindungen von Tiefenbach zu den Hirtenwiesen (nur mit Umsteigen) und zu Fahrpreisfragen erhält Lober die Antworten schriftlich.
Die im städtischen Etat eingeplanten Mittel für Straßenausbesserungen sind aufgebraucht. Daher können die Schlaglöcher in Feldwegen nicht mehr ausgebessert werden, erklärte Baubürgermeister Holl dem CDU-Stadtrat Harald Gronbach.
Zum Teil bereits nachbearbeitet sind die von Harald Gronbach monierten scharfen Kanten an den neuen Bordsteinen in der Ellwanger Straße, betonte Herbert Holl. Bei den ebenfalls angesprochenen Bepflanzungen auf Verkehrsinseln achte man auf ein freies Sichtfeld.

Sanierung des Rathauses wieder größte Einzelinvestition / Etatvolumen sinkt auf 91,4 Mio. Euro, Schulden steigen stark
„Der Haushalt 2011 ist geprägt durch die Nachwirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise.” Mit dieser Feststellung eröffnete Finanz-Bürgermeister Harald Rilk am Donnerstag seine Etat-Rede (wörtlich, nur unwesentlich gekürzt).
Die Talfahrt der öffentlichen Einnahmen scheint gestoppt. Der Einbruch insbesondere bei der Gewerbesteuer und dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer findet im laufenden Jahr 2010 offensichtlich einen Boden. Steuern und Zuweisungen steigen 2011 zwar durchgehend
(Gewerbesteuer +3 Mio. €, Einkommensteueranteil +350.000 €, FAG-Zuweisungen +560.000 €) aber sie sind noch weit weg vom Durchschnitt der letzten Jahre. Hinzu kommt, dass im Vergleich zum Vorjahr keine Rücklagen mehr vorhanden sind.
Haushalt der Verwaltung
Der Verwaltungshaushalt weist ein Volumen von 74.529.595 € auf und liegt
damit um rund 1,6 Mio. € unter dem Volumen des Vorjahres. Zieht man die inneren Verrechnungen und kalkulatorischen Kosten heraus, so liegt der Verwaltungshaushalt bei rund 58,4 Mio. €.
Langsame Erholung
Die Talsohle bei der Entwicklung der Gewerbesteuer ist durchschritten. 2010 lag der Planansatz bei 13 Mio. €. Für 2011 wurden 3 Mio. € mehr veranschlagt. Das Gewerbesteueraufkommen liegt aber noch weit unter dem der Jahre vor der Wirtschaftskrise mit 21 bis 23 Mio. €.
Das Aufkommen der Grundsteuer B liegt bei 3,9 Mio. € und damit um 300.000 € über dem Vorjahresansatz. Dem Gemeinderat wird zur Finanzierung des Haushaltes 2011 und der künftigen Haushalte eine Erhöhung der Grundsteuer A und der Grundsteuer B um jeweils 8 % bzw. 30 Hebesatzpunkte vorgeschlagen. Die Anpassung ist nicht nur zur Finanzierung des Haushaltes 2011 und der Folgejahre erforderlich, sondern auch eine Forderung des Regierungspräsidiums im Hinblick auf den Ausgleichstock. Die Ausgleichstockrichtlinien legen fest, dass eine Förderung seitens des Landes nur dann erfolgen kann, wenn die eigenen Einnahmemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Nachdem die umliegenden Gemeinden zum größten Teil höhere Hebesätze wie Crailsheim erheben, hat das Regierungspräsidium bereits beim letzten Ausgleichstockantrag angemahnt, die Grundsteuerhebesätze anzupassen.
Der Einkommensteueranteil steigt um rund 350.000 € auf 9,1 Mio. €. Die Finanzausgleichszuweisungen steigen um rund 560.000 € auf 8,6 Mio. €. Das Gebührenaufkommen steigt um rund 587.000 € auf rund 8 Mio. €.
Gebührenerhöhungen
Zur Finanzierung des Haushaltes sind mehrere Gebührenanpassungen eingeplant. Die wohl gravierendste ist die Anpassung der Bestattungsgebühren. Bisher hatte der Gemeinderat beschlossen, dass der Kostendeckungsgrad für das Bestattungswesen bei 70 % liegen soll. Die Verwaltung schlägt mit dem vorliegenden Haushalt vor, den Kostendeckungsgrad auf 90 % anzuheben. Ein Teil der Kommunen in Baden-Württemberg ist im Bestattungswesen bereits bei einem Kostendeckungsgrad von 100%.
Auch beim Bestattungswesen kommt hinzu, dass das Regierungspräsidium im Hinblick auf mögliche Ausgleichstockanträge eine Anpassung des Kostendeckungsgrades gefordert hat.
Kommunalpolitisch sicherlich mit Diskussionen verbunden, wird die vorgeschlagene und eingearbeitete deutliche Anpassung der Parkgebühren für die Tiefgarage im Rathaus und das Parkhaus Grabenstraße sein. Da im Bereich der beiden Parkhäuser bis heute keine Kostendeckung erreicht wird, wird der allgemeine Steuerzahler und damit auch der Steuerzahler, der selbst kein Fahrzeug besitzt, zur Finanzierung der Parkgebühren herangezogen. Im Hinblick auf die finanziell schwierige Lage der Stadt Crailsheim wurde deshalb eine deutliche Anpassung der Parkgebühren für die Parkhäuser vorgeschlagen.
Ausgaben für Verwaltung
Die Personalausgaben liegen bei 20,1 Mio. €. Sie steigen um 2,4 %. Die tarifliche Lohnerhöhung für die Tarifbeschäftigten beträgt für 2011 1,1 %. Hinzu kommt eine Einmalzahlung in Höhe von 240 € für jeden Tarifbeschäftigten. Der Tarifvertrag beinhaltet zudem eine Erhöhung des Leistungsentgeltes um 0,25 %. Hinzu kommen zum Teil deutliche Belastungen durch den neuen speziellen Tarifvertrag für den Sozial- und Erziehungsdienst. Mehr Personal ist für die Betreuung an Schulen und Kindertagesstätten, aber auch in anderen Bereichen, wie z. B. die bereits beschlossene befristete Stelle eines Stadtplaners für die Begleitung des STEP-Prozesses, eingeplant.
Der sächliche Verwaltungs- und Betriebsaufwand ohne kalkulatorische Kosten und innere Verrechnungen sinkt um rund 116.000 € auf rund 13,3 Mio. €. Während die Unterhaltungsaufwendungen gegenüber dem Vorjahr um rund 400.000 € gekürzt und die Bewirtschaftungskosten um rund 110.000 € gesenkt werden konnten, stehen vor allem bei den weiteren Verwaltungs- und Betriebsausgaben Mehraufwendungen mit 225.000 € und bei den Steuern und Geschäftsausgaben mit rund 145.000 € gegenüber. Bei den Steuern und Geschäftsausgaben sind die Mehrausgaben ausschließlich auf die Kosten für die Neukalkulation und Veranlagung der künftig gesplitteten Abwassergebühr zurückzuführen.
Bei den weiteren Verwaltungs- und Betriebsausgaben ist der Löwenanteil auf die gestiegenen Betriebskosten bei der Abwasserbeseitigung mit rund 110.000 € Mehrausgaben zurückzuführen. Hinzu kommen rund 60.000 € für die Betreuung der Kinder in den Kindertagesstätten und Schulen und rund 46.000 € Mehraufwendungen für den Bereich Wirtschaftsförderung.
Die geplanten 16 Mio. € Gewerbesteuer führen zu einer Umlage von rund 3 Mio. €. Für die Kreisumlage haben wir einen unveränderten Hebesatz unterstellt und dafür 10,8 Mio. € in den Haushalt eingestellt. Die Finanzausgleichsumlage beträgt rund 7,1 Mio. € und der Zinsaufwand steigt auf 1,5 Mio. €.
Info
Das Gesamtvolumen des Haushaltes 2010 liegt bei rund 91,4 Mio. €. Im vergangenen Jahr waren es 98,8 Mio. €. Auf den Verwaltungshaushalt entfallen rund 74,53 Mio. € und auf den Vermögenshaushalt rund 16,85 Mio. €.
Info
Der Verwaltungshaushalt kann dem Vermögenshaushalt rund 329.000 € zuführen. Diese Zuführungsrate reicht bei weitem nicht aus, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen oder die anstehenden Kredittilgungen zu finanzieren.
Verteilung der Investitionen
Dafür wird Geld investiert
Der Vermögensetat liegt bei rund 16.845.680 €.
Die Ausgaben verteilen sich wie folgt:
• 0,1 Mio. € Investitionsförderungen
• 1,0 Mio. € Grunderwerb
• 1,8 Mio. € Anschaffungen
• 2,3 Mio. € Kredittilgung
• 11,8 Mio. € für Baumaßnahmen
Prozentual ergibt sich folgende Verteilung:
• 69 % Baumaßnahmen
• 13,5 % für Tilgungen
• 11 % für Anschaffungen
• 6 % für Grunderwerb
• 0,5 % sonstige Ausgaben
Harald Rilk
Ich übergebe Ihnen das vorliegende Werk zur Beratung und Beschlussfassung, verbunden mit dem Dank an alle, die bei der Aufstellung des Werkes mitgewirkt haben, ganz besonders möchte ich mich bei Herrn Eisele, unserem Stadtkämmerer, bedanken. Ich wünsche Ihnen und uns, dass wir im Rahmen des Haushaltsplanverfahrens, aber auch sonst, die richtigen Weichen für die Zukunft der Stadt Crailsheim stellen und die, mit dieser Planung aufgeworfenen, offenen Fragen im Rahmen einer sachlichen Diskussion klären, um dann zu der richtigen Entscheidung zu kommen.
Oberbürgermeister Rudolf Michl setzt auf die Zukuft
„Der Ihnen vorgelegte Entwurf orientiert sich an den Anforderungen von heute und zeigt Verantwortung für das Morgen”, betonte Oberbürgermeister Rudolf Michl in seiner Etatrede (im Folgenden weiter in Auszügen).
Durch den Geldmangel gewinne man Zeit um nachzudenken. „Diesen Pfad sollten wir ohne Lamento und Aufgeregtheit nachdrücklich weiter gehen.” Hilfreich sei hier die Stadtentwicklung. Im Rahmen des STEP-Prozesses müsse man sich über die weitere Entwicklung der Stadt vergewissern und die perspektivischen Möglichkeiten im Auge behalten und ggf. planerisch und in weiteren Verfahrensschritten verdichten. Die anziehende Konjunktur gebe Hoffnung, neben der Haushaltskonsolidierung auch wieder neue Investitionen in den Blick heben zu können, nur eben nicht morgen. „Unser Vorteil sind die Firmen unserer Stadt; sie sind breiter als anderswo aufgestellt.”
„Das Einzige was wir sicher wissen, ist, dass unsere Rechtsaufsicht streng auf die Qualität unseres auf Kante genähten Haushaltsplanentwurfs schauen wird.”
Der „Hintergrund“ des Investitionshaushalts
Finanziert wird der Vermögenshaushalt wie folgt:
• Erschließungs- und Entwässerungsbeiträge
0,5 Mio. €
• Zuführung vom Verwaltungshaushalt 0,3 Mio. €
• Zuschüsse 2,2 Mio. €
• Veräußerungen 1,7 Mio. €
• Kredite 12,1 Mio. €
Stellt man den Nettoinvestitionskosten die notwendigen Kreditaufnahmen gegenüber, ergibt sich eine Kreditfinanzierung von rund 98,2 Prozent.
Der Schuldenstand steigt auf 47 Mio. € oder 1437 € pro Einwohner. Die Verschuldung verdoppelt sich gegenüber 2009 durch neue Kredite von 2010 und 2011 und liegt deutlich über der Verschuldung der letzten 20 Jahre.

Genannt sind nur Investitionen über einer viertel Million Euro.
Für den Bereich der Feuerwehr sind Anschaffungen in Höhe von 304.500 € vorgesehen. Es werden 110.000 € Zuschüsse erwartet.
Die Feuerwehr hatte wesentlich mehr Beschaffungen angemeldet, aber zugunsten der Anschaffung des Abrollbehälters Atemschutz die Bereitschaft erklärt, auf die anderen Anschaffungen im Haushaltsjahr 2011 zu verzichten und zeitlich zu verschieben. Der Abrollbehälter Atemschutz ist wichtiger Bestandteil der Einsatz- und Wechselladerkonzeption und letzte Anschaffung für diesen Bereich. Für die Beschaffung des Abrollbehälters Atemschutz wurden 275.000 € in den Haushalt eingestellt.
Der Abrollbehälter Atemschutz wird bei größeren Schadenslagen eingesetzt, bei denen Atemschutzgeräte in großer Zahl benötigt werden. Auf den Löschgruppenfahrzeugen der Kernstadt und der Außenabteilungen befinden sich vier bis sechs Atemschutzgeräte mit einer Verwendungszeit von ca. 20 Min. je Gerät. Bei größeren Einsätzen müssen daher relativ rasch und umfassend Ersatzgeräte bereitgestellt werden. In der Regel werden Atemschutzausrüstung und Strahlenschutzausrüstung gemeinsam auf dem Abrollbehälter verlastet. Auf eine Beschaffung und Beladung Strahlenschutz kann bei der Feuerwehr Crailsheim verzichtet werden. Diese befindet sich schon seit vielen Jahren auf dem Gerätewagen Umweltmessen und auf dem Gerätewagen Gefahrgut. Dadurch können Kosten in Größenordnung von 50.000 € eingespart werden. Durch die Verwendung von vorhandenem Einsatzgerät durch Umstrukturierung können nochmals 25.000 € eingespart werden.
Wesentliche Position im Rahmen der Sanierung der westlichen Innenstadt ist die Sanierung des Rathauses. Die Sanierung des Hauptbaues ist überwiegend abgeschlossen. Der Abbruch des Blezinger- und Karlstraßenbaues ist erfolgt. Im Jahr 2011 ist der Neubau als Ersatz für den Blezinger- und Karlstraßenbau vorgesehen. Die Förderrichtlinien des Konjunkturprogramms setzen uns hierbei sehr enge Zeitmaßstäbe. Das Vorhaben muss bis zum Herbst 2011 fertig gestellt und abgerechnet werden. Das wird eine Herkulesaufgabe und eine hohe Anforderung an das Baudezernat und die Stadt Crailsheim darstellen.
Für die Sanierung des Rathauses sind 5,18 Mio. € eingestellt; für den Neubau eine erste Rate mit 4,68 Mio. €. Für die weiteren Bauabschnitte wurden 500.000 € eingestellt. 450.000 € davon für die Sanierung des Amtshauses und 50.000 € Planungskosten für die Arkaden. Hinzu kommen 180.000 € für den Serverraum bzw. das Rechenzentrum der Stadt, 122.000 € für den Tiefbau, 81.500 € für Einrichtungen und 38.000 € für Sonstiges. An Zuschüssen erwarten wir 1.955.000 €. Bei der Stadt verbleibt zur Finanzierung ein Betrag von 3.646.500 €.
Für die Erschließung des Gewerbeparks Roßfeld sind 1,8 Mio. € für die Abwasserbeseitigung und 985.000 € für die Erschließung eingestellt. In den vergangenen Jahren wurde der Grunderwerb getätigt. Um die Gewerbeflächen verkaufen zu können und daraus Refinanzierungsmittel für die künftigen Haushaltsjahre zu erhalten, ist die Erschließung zwingend.
Für die Hauptkläranlage Crailsheim sind insgesamt Mittel in Höhe von 350.000 € eingestellt.
Der Abwasseranschluss von Erkenbrechtshausen an die Kläranlage Triensbach wird Aufwendungen in Höhe von 610.000 € verursachen und ist Bestandteil der mit dem Landkreis vereinbarten Abwasserkonzeption. Davon entfallen 430.000 € auf die Ortskanalisation, 120.000 € auf die Druckleitung und 60.000 € auf das Pumpwerk.
Im Rahmen des Konjunkturprogramms sind für den Kindergarten Kreuzberg weitere 760.000 € vorgesehen. Der Kindergarten wird im September in Betrieb gehen. Dort werden vier Regelkindergartengruppen eingerichtet. Zwei Gruppen kommen vom Kindergarten Kreuzbergstraße und zwei Gruppen vom Kindergarten Friedrich-Ebert-Straße. Der Kindergarten Friedrich-Ebert-Straße wird geschlossen. Im Kindergarten Kreuzbergstraße werden künftig zwei Krippengruppen eingerichtet, eine neue Gruppe und eine Gruppe kommt vom Kindergarten Betty-Essinger-Weg. Im Kindergarten Betty-Essinger-Weg wird dafür eine zusätzliche Ganztageskindergartengruppe eingerichtet. Für die weitere Planung im Finanzplanungszeitraum ist im Kindertagesstättenbereich der Bau eines viergruppigen Krippenhauses im Baugebiet Hirtenwiesen II vorgesehen. Die in der bisherigen Finanzplanung enthaltene Umsetzung des Ersatzbaues Kindergarten Altenmünster konnte finanziell im neuen Finanzplan nicht mehr dargestellt werden. Das Projekt wird insofern zeitlich verschoben werden müssen.
Für die Konversion sind Baukosten in Höhe von 620.000 € und für den Grunderwerb 145.000 € vorgesehen. An Grundstückserlösen werden 1.150.000 € erwartet. Ursprünglich waren vom Baudezernat noch weitere Mittel angemeldet worden. Im Hinblick auf die Finanzierbarkeit und die Höhe der vorgesehenen Kreditaufnahmen wurde ein Teil der Maßnahmen ins folgende Jahr verschoben. Auf den Bereich Hirtenwiesen II und Gewerbegebiet Hardt entfallen 250.000 €, auf den Fliegerhorst 240.000 € und auf Sonstiges 130.000 €.
Im Einzelnen sind dies:
– 200.000 € für ein Teilstück des Geh- und Radweges in der Ludwig-Erhard-Straße
– 170.000 € für den Straßenbau im Fliegerhorst
– jeweils 50.000 € für die Hausanschlüsse der Stadtwerke, für die Ausgleichsmaßnahmen im Fliegerhorst und für Wohnungsmodernisierungen
– 32.000 € für Honorare
– 28.000 € für allgemeine Planungskosten
– 20.000 € Planungskosten für den Fliegerhorst und
– 20.000 € für Sonstiges
Viele wichtige Vorhaben sind nicht in der Liste aufgeführt
Dem Haushaltsplan ist eine Finanzplanung beigelegt. Aus dem Haushalt 2011 ergeben sich aus den Verpflichtungen für die künftigen Jahre folgende Vorbelastungen:
• Sanierung Rathaus
1,9 Mio. €
• Sanierung westliche Innenstadt, Tiefbau 141000 €
• Konversion 243000 €
Im investiven Bereich ist für den zeitraum bis 2012 eine deutliche Zurückhaltung zu spüren. Wir haben versucht, die Schulden in diesem Zeitraum abzubauen. Aufgrund der bereits begonnenen und der zwingend notwendigen Maßnahmen konnte allerdings die Verschuldung nur auf rund 45 Mio.€ zurückgeführt werden. Im Wesentlichen sind dies:
• Konversion 8,5 Mio. €
• Sanierung Rathaus
1,9 Mio. €
• Gewerbepark Roßfeld
2,8 Mio. €
• Kindergärtenneubauten
1,6 Mio. €
• Schulgebäude 2,6 Mio. €
• Abwassermaßnahmen
2,8 Mio. €
• Anschaffungen 3,0 Mio. €
• Grunderwerb 2,4 Mio. €
• Baugebietserschließungen 1 Mio. €
• Flurbereinigung 0,6 Mio. €
• Sonstiges 0,6 Mio. €
Insgesamt sind dies
27,8 Mio. €.
Es stehen noch viele weitere notwendige Projekte auf der Vorhabensliste der Stadt Crailsheim, deren Finanzierung konnte aber nicht mehr dargestellt werden. Viel mehr werden wir in den nächsten Jahren bemüht sein müssen, die Verschuldung wieder abzubauen, um Spielraum für künftige Investitionen zu erlangen.
21. Oktober: Widerspruch gegen Gemeinderatsbeschluss
„Der Beschluss ist für die Stadt nachteilig und könnte auch rechtswidrig sein.” Damit begründet Bürgermeister Harald Rilk, warum die Stadtverwaltung gegen einen Gemeinderatsbeschluss Widerspruch einlegt.
Im Fall eines Widerspruchs ist spätestens drei Wochen nach der umstrittenen Beschlussfassung erneut über die Angelegenheit zu befinden ist. Die nächste reguläre Sitzung ist am 28. Oktober, eine Woche zu spät. Daher hat Erster Bürgermeister Rilk in Vertretung des im Urlaub weilenden Oberbürgermeisters Rudolf Michl die Sondersitzung für den 21. Oktober, 17 Uhr anberaumt. Seine Begründung mit unwesentlichen Kürzungen [...]:
Der Gemeinderats hat den Beschluss gefasst, den Jahresüberschuss in Höhe von 1.066.373,24 € den Stadtwerken zu belassen und gleichzeitig deren Bäderverlust in Höhe von 805.168,60 € auszugleichen. Die Verwaltung hatte empfohlen, vom Gewinn in Höhe von 1.066.373,24 € den Betrag von 805.168,60 € einzubehalten und mit der Übernahme des Bäderverlustes in Höhe von 805.168,60 € zu verrechnen. Der restliche Gewinn – 261.204,44 € – sollte den Stadtwerken verbleiben.
Im Haushalt der Stadt für 2010 war vorgesehen, den gesamten Gewinn der Stadtwerke aus 2009 einzubehalten. [...] Deshalb ist nur ein Betrag von 151.000 € eingestellt und begründet: „Aufgrund der deutlich schlechteren Haushaltslage der Stadt muss der Jahresüberschuss der Stadtwerke zur Konsolidierung des Haushalts herangezogen werden. Der Bäderverlust ist in voller Höhe auszugleichen.”
[Daher...] hätte der gesamte Gewinn in Höhe von 1.066.732,24 € einbehalten werden müssen. Vorgeschlagen wurde von der Stadtverwaltung jedoch nur ein Einbehalt von 805.168,60 €. Dieser Vorschlag trug dem Umstand Rechnung, den Stadtwerken zur Finanzierung weiterer Investitionen Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.
Der Beschluss des Gemeinderats entspricht nicht dem vom Gemeinderat beschlossenen Haushaltsplan für 2010. Da nur 151.000 € eingestellt sind, fehlen 654.000 €. [In dieser Höhe...] entsteht eine überplanmäßige Ausgabe. Der Beschluss führt dazu, dass sich die Kreditaufnahmen der Stadt um 805.168,60 € erhöhen. Bei den Stadtwerken führt der Beschluss dazu, dass sich deren Eigenkapital um 805.168,60 € erhöht. [...] Nur die Stadtwerke können Zinsaufwendungen steuerlich mindernd geltend machen. Die Stadt hat diese steuerrechtlichen Möglichkeiten nicht.
Der Stadt fehlen durch den Beschluss dringend benötigte Finanzierungsmittel. Zudem wäre der Beschluss gegenüber dem Vorschlag der Verwaltung steuerschädlich. Der Beschluss des Gemeinderats, sowohl den Gewinn bei den Stadtwerken zu belassen als auch die Bäderverluste zu übernehmen, ist deshalb für die Stadt nachteilig.
Der Beschluss könnte zudem gesetzeswidrig sein. Im Haushaltsplan 2010 ist [...] keine Überlassung des Gewinnes vorgesehen. Der Haushalt 2010 wurde so beschlossen. Es entsteht eine nicht unwesentliche Finanzierungslücke.
Zudem könnte die Gemeindeordnung verletzt sein. Überplanmäßige Ausgaben sind nur zulässig, wenn ein dringendes Bedürfnis besteht und eine Deckung gewährleistet ist oder wenn die Ausgabe unabweisbar ist und kein erheblicher Fehlbetrag entsteht. Nachdem es ausreichen würde, das Eigenkapital der Stadtwerke in dem Jahr aufzustocken, in dem es zur Finanzierung von Investitionen notwendig ist oder die Finanzlage des Unternehmens es erfordert, dürfte aktuell weder ein dringendes Bedürfnis vorliegen, noch die Ausgabe unabweisbar sein.
Der Geschäftsordnung des Gemeinderats entsprechend hätte dem Beschlussvorschlag zudem ein Deckungsvorschlag für die überplanmäßige Ausgabe in Höhe von rd. 654.000 € beigefügt werden müssen.
[Die Gemeindeordnung bestimmt...], dass die Gemeinde nur Kredite aufnehmen darf, wenn eine andere Finanzierung nicht möglich ist oder wirtschaftlich unzweckmäßig wäre. Der Stadt steht als Eigentümerin der Stadtwerke der Gewinn zu. Nach § 102 GemO soll der Stadt auch eine angemessene Verzinsung für ihr eingesetztes Kapital zufließen. Der Einbehalt des Gewinns hat Vorrang vor einer Kreditaufnahme.
Verwaltung und Gemeinderat unterstützen die Bestrebungen, in Ingersheim ein modellhaftes Bildungshaus einzurichten. Dort können dann Kinder sieben Jahre lang gemeinsam spielen und lernen.
Ziel der „Bildungshäuser”, die bislang an 33 Standorten im Land eingerichtet sind, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule. Im Mittelpunkt stehen die Kinder, die individuell gefördert werden. In altersgemischten Gruppen können die Drei- bis Zehnjährigen miteinander und voneinander lernen. Die Geschwister-Scholl-Schule biete beste Voraussetzungen für die bereits sehr gut funktionierende Kooperation mit dem Kindergarten „Traumkiste”.
Da in Ingersheim die Hauptschule aufgegeben wird, habe die GSS gute Chancen, eine der zusätzlichen 70 Schulen im Land zu werden, die das Modellprojekt Bildungshaus realisieren können. Die Gremien der Schule und des Kindergartens stehen hinter dem Antrag, der für beide Einrichtungen im personellen Bereich Vorteile bringt.
Mit dem Umzug der Konrad-Biesalski-Schule von Ingersheim auf den Sauerbrunnen sind auch die räumlichen Voraussetzungen gegeben. Sie strebt dort eine Integration der behinderten Schüler in die Hauptschule an.
Der CDU-Fraktionschef Gerhard Neidlein hat die Einrichtung eines Haushalts-Ausschusses mit zwölf Mitgliedern ins Gespräch gebracht. Die AWV werde darüber beraten, sagte Fraktionsvorsitzender Norbert Berg zu. Die AWV hatte ohne Erfolg einen Sparausschuss vorgeschlagen. Nicht erfreut zeigten sich der UGL-Fraktionvorsitzende Wilfried Kraft („das gibt wieder Herrschaftswissen”) und die SPD-Stadträtin Helga Hartleitner: „Da fehlt es an Transparenz.”
Gemeinderat genehmigt den weiteren Ausbau des Crailsheimer Weges
Nun kann auch das Albert-Schweitzer-Gymnasium ab dem nächsten Schuljahr den Ganztagesbetrieb aufnehmen. Der Gemeinderat hat bei einer Gegenstimme dem Antrag entsprochen.
Ziel des Landes und der Stadt ist es, das Netz der Ganztagesschulen flächendeckend und bedarfsorientiert auszubauen. Kinder können mit individuell zugeschnittenen Angeboten besser unterstützt werden. Auch die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird gefördert. Nach den Vorgaben des „Crailsheimer Weges” ist auch am Albert-Schweitzer-Gymnsium künftig eine halbe Stelle für Schulsozialarbeit eingeplant.
Alle Gremien des Albert-Schweitzer-Gymnasiums waren für die Einführung des Ganztagesbetriebs. Dabei ist noch zu klären, ob die Räume für die Ganztagesbetreuung vorhanden sind oder ob sie neu geschaffen werden müssen. Schul- und Finanzbürgermeister Harald Rilk betonte, dass man derzeit nicht von einem Neubau ausgehe. Aber mit Umbaukosten sei zu rechnen, erklärte er auf eine Frage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Gerhard Neidlein.
Eine Kostenstrukturanalyse regte AWV-Stadtrat Jochen Lehner zum Thema zentrale bzw. dezentrale Essensverpflegung an. An diesem Thema arbeite die Verwaltung bereits im Blick auf alle Schulen und Kindergärten, erklärte Harald Rilk.
Seine grundsätzliche Ablehnung der Ganztagesbetreuung erklärte UGL-Stadtrat Peter Gansky ein weiteres Mal. Das Ganztagesmodell geht seiner Ansicht nach zu Lasten der Familienbindung und helfe gerade nicht denen, für es gedacht sei.
„Das kommt den finanzschwachen Familien zugute”, betonte dagegen UGL-Fraktionschef Wilfried Kraft. Die Familien sollten anhand des Angebots frei entscheiden können, betonte CDU-Stadtrat Uwe Berger und seine Fraktionskollegin Brigitte König fügte hinzu: Mit dem Ganztagesbetrieb könne es gelingen, die aus dem G8-Modell stammenden Bildungsdefizite aufzuarbeiten und Kindern aus bildungsfernen Familien zu helfen. Der SPD-Stadtrat Gernot Mitsch ist überzeugt: „Das pädagogische Konzept könnte ein Erfolgsmodell werden.”
Die Gemeinderäte und Ortsvorsteher können ab Ende Oktober das Ratsinformationssystem nutzen und damit wichtige Unterlagen für ihre Arbeit dann auch papierlos nutzen. Die Einrichtung des Extranetzes hatte sich um gut ein halbes Jahr verzögert, weil die Einrichtung mit der „Aufmöbelung” des städtischen Internet-Auftrittes gekoppelt wurde. Die Möglichkeiten und Funktionen des der Verwaltung und dem Gemeinderat vorbehaltenen Extranetzes, werden in nichtöffentlicher Sitzung am 28. Oktober vorgestellt und die Zugangsdaten vergeben.
Eine neue Filiale der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim inklusive elf Parkplätze und ein kleines Baugebiet mit vier Doppelhäusern, zwei verbundenen Wohnhäusern und drei Einzelhäusern entsteht in Roßfeld anstelle des ehemaligen Möbelhauses Brumm. Der Gemeinderat hat jetzt einstimmig den Rechtsplan dazu abgesegnet. Im Baugebiet sind insgesamt 26 private und vier öffentliche Parkplätze möglich. Das ist nach Auffassung der Verwaltung ausreichend. Der Vorhabenträger führt die Erschließung auf eigene Rechnung durch. Die Straße wird öffentlich gewidmet.

Begradigt wird ein Teil der S-Kurve auf der Höhe zwischen Westgartshausen und Goldbch. Im Zuge der Flurbereinigung Westgartshausen wird dieses kurze Teilstück der 1,8 Kilometer langen Gemeindeverbindungsstraße ausgebaut. Da mit der Begradigung förderwürdige Vorteile verbunden sind (Abrücken der Heidefläche im westlichen Bereich, Verbesserung der Agrarstruktur und der Sicherheit des Schaftriebs) erhält die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 11 500 Euro. Der Gemeinderat hat die 80 000 Euro teuren Baumaßnahmen einstimmig gut geheißen. Diese „einmalige Chance”, so Ortsvorsteher Basler, wird 2013/14 realisiert.