Die Zukunft sieht gut aus

50 Jahre Musikschule. Wie ist sie heute aufgestellt, wie geht es in Zukunft weiter? Musikschulleiterin Christina Riedesel und Fachbereichsleiter Roman Harms im Gespräch mit Ralf Snurawa:

(Bild und Text von Ralf Snurawa)

Vor zehn Jahren habe manch ein Journalist, etwa beim SWR, von der Musikschule als Auslaufmodell geredet, hält Christina Riedesel fest, seit 1997 Leiterin der Crailsheimer Musikschule. Für die Kollegen eine wiederkehrende Bedrohung, und Befürchtungen, wie lange das Haus noch existiere, hätten die Runde gemacht.

Heute sei dies ganz anders. Die Existenz von Musikschulen werde in der Gesellschaft nicht mehr ständig hinterfragt. Zahllose Veröffentlichungen hätten die Wichtigkeit der musikalischen Erziehung unterstrichen. Selbst der neue Ministerpräsident Baden-Württembergs hatte in seiner Regierungserklärung eine durchgehende musikalische Erziehung von Kindern zwischen vier und zehn Jahren mit Hilfe der Musikschulen in Aussicht gestellt.

Das Land fördert die Musikschulen mit zehn Prozent der Kosten für das pädagogische Personal. Damit, so Christina Riedesel, sei man in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern gut dran. Allerdings habe die Förderung schon mal bis zu 20 Prozent betragen. Eine weitere Verlagerung der Kosten auf die Gemeinden bringe neue Risiken. Die Stadt Crailsheim biete bisher - auch was andere Gemeinden im Hohenlohischen angehe - sehr gute Unterstützung mit einem jährlichen Betrag von einer halben Million Euro. 50 Prozent der Kosten würden aber durch die meist von Eltern gezahlten Beiträge getragen.

In den Jahren zuvor waren Kosten für den Umbau des jetzigen Gebäudes für die Stadt hinzugekommen. Mit dem neuen Haus (das alte war nicht mehr renovierbar) hätten sich alle Kollegen erstmals ernst genommen gefühlt, so die Musikschulleiterin. Im neuen Gebäude finde jetzt auch mehr Austausch zwischen den Eltern der Schüler statt.

Das waren aber nicht die einzigen Veränderungen, die es in den letzten Jahrzehnten gab. Roman Harms bemerkt, dass Schüler aufgrund des fehlenden Musikunterrichts an den allgemein bildenden Schulen mittlerweile mit weniger Grundkenntnissen in der Musikschule beginnen. So habe es etwa bei den zwischen 9 und 15 Jahre alten "Swing Teens" welche gegeben, die nicht wussten, was ein Kanon sei.

Auch die Konzentrationsfähigkeit habe nachgelassen, ergänzt Riedesel. Dies sei in Gesprächen mit Kollegen immer wieder Thema, ebenso wie die Menge der Hausaufgaben, die man mitgeben könne. Änderungen gab es auch bei der Stückauswahl. So spielten inzwischen für jedes Instrument aktuelle Hits eine Rolle. Vor drei Jahren habe man - zu Keyboard- und Schlagzeugunterricht - auf die Tendenz zu mehr Popularmusik reagiert und einen Kollegen gefunden, der Unterricht für E-Gitarre gibt. Harms weist darauf hin, dass sich seither mehrere Bands wie "Gimme 5" oder "Bassman"s Running" gebildet hätten. Die Popularmusik müsse in Zukunft weiter ausgebaut werden, so Christina Riedesel, wie auch die Kooperation mit den allgemein bildenden Schulen. Bei der Tendenz zu Ganztagesschulen müssten die Musiklehrer mehr in die Schulen gehen. Schon heute unterrichten nur wenige Kollegen ausschließlich im dennoch völlig ausgebuchten Musikschulgebäude. Der Geburtenrückgang habe sich in der Crailsheimer Musikschule noch nicht niedergeschlagen, im Gegenteil: einige Schüler mussten sogar abgewiesen werden.

Die Zukunftsperspektive sei insgesamt gut, konstatiert die Musikschulleiterin. Zwar fürchte man sich vor 2011 und weiteren Sparmaßnahmen, aber die Hoffnung liege auf den Folgejahren. Institutsübergreifende Zusammenarbeit in der Stadt spiele darüber hinaus eine größere Rolle, etwa bei der Kinder- und Jugendkulturwoche. In der Öffentlichkeit sei man jedenfalls präsent: allein an 76 Veranstaltungen sei die Musikschule im vergangenen Jahr beteiligt gewesen.

Erfolgreich waren Schülerinnen und Schüler bei "Jugend musiziert", letztes Jahr mit einem zweiten und dritten Preis beim Bundeswettbewerb. Und der Konzertsaal im ehemaligen Kasino werde eifrig angenommen. Neben Konzerten und Proben werde er von der Waldorfschule über den Filmclub, KultiC und die Bürgerwache bis zu den Harmonia Swingers genutzt. RALF SNURAWA

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Die Musikschule der großen Kreisstadt Crailsheim ist eine Bildungseinrichtung als Ergänzung zu öffentlichen Schulen:

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