Crailsheim ist auf einem guten Weg

Ein hervorragendes Potenzial steckt in der Innenstadt und in den Grünzügen der Jagst und des Trutenbachs. Diese „Schätze“ müssen entdeckt und gehoben werden. Luftbild: Peer Hahn

Wichtige Weichenstellungen für die Wirtschaft und den Einzelhandel / Konkrete Überlegungen zum Grünkonzept

 

Es geht Schlag auf Schlag: Ende 2010 stellten Bürger die Ergebnisse der Planwerkstätten im STEP-Prozess vor. In der ersten Sitzung des neuen Jahres folgte die GMA mit den flankierenden Konzepten für den Wirtschaftsstandort und den Einzelhandel.


Crailsheim ist insgesamt auf einem guten Weg – und wenn alle an einem Strang ziehen, bietet der Wirtschaftsstandort auch in der Zukunft hervorragende Arbeitsplätze, attraktives Wohnen, sehr gute Bildungseinrichtungen und ein modernes Einzelhandelsangebot. Außerdem ist die Jagst ein Edelstein, der nach einer feinfühligen „Bearbeitung“ seinen Charme voll entfalten wird. Auf diesen Nenner lassen sich die Kernaussagen der Analysen und Konzepte bringen, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentiert und mit klaren Handlungsanweisungen an die Stadtverwaltung gebilligt wurden. Beim Wirtschaftsstandortkonzept enthielten sich die UGL-Mitglieder, weil sie die Flächenentwicklungen nicht für gut halten. Beim Einzelhandelskonzept gab es aus der CDU ebenfalls eine Enthaltung. Beschlossen wurden für die künftige Entwicklung des Einzelhandels die Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs und die „Crailsheimer Liste“. Sie legt konkret die Sortimente fest, die nur in dem klar definierten zentralen Versorgungsbereich Innenstadt zugelassen, aber im sonstigen Stadtgebiet ausgeschlossen sind. Die von den Stadträten abgesegnete Sortimentsdifferenzierung listet zudem die nicht-zentrenrelevanten Sortimente auf. Auf Empfehlung der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), Ludwigsburg, beschloss der Gemeinderat, dass die Bereiche Nahrungsund Genussmittel detailliert untersucht werden. Standort- und Stadtmarketing müssen verstärkt und als Einheit gesehen werden, raten die Autoren der beiden Studien der sehr renommierten GMA. Ziel ist, Crailsheim als „Marke“ zu etablieren, betonte Dr. Stefan Leuninger bei der Erläuterung der Standortanalyse. Er regte einen Wirtschaftsbeirat und ein Unternehmer-Forum ebenso an wie einen „Handwerkerhof“ im Gewerbepark Roßfeld, ein Dienstleistungs-, Technologie- und Gründerzentrum für die Region Crailsheim, Kooperationen mit Hochschulen und Fachhochschulen und den Ausbau Crailsheims als Tagungsstandort und „Unternehmertreff“. Wenn das alles geschultert werden soll, darf auch eine personelle Verstärkung kein Tabu bleiben, so Leuningers Empfehlung im Klartext, zumal sein Kollege Stefan Wolf „Citymarketing“ als unabdingbar einstuft. „Bei einer Bewerbung für eine ,kleine’ Landesgartenschau hätte Crailsheim zu 99 Prozent den Zuschlag erhalten“, ist sich Johann Senner sicher, dessen Büro „Planstatt“ das Grünkonzept Jagst erarbeitet hat. Im Frühjahr sollen die Mitglieder der STEP-Planwerkstatt und die Gemeinderäte zu Spaziergängen an der Jagst eingeladen werden, um zu sehen, was machbar ist. Johann Senner gab einige Fingerzeige auf gut ausgestattete Förderprogramme. Auch Baubürgermeister Herbert Holl geht davon aus, dass schon in absehbarer Zeit von den Ideen etwas konkret umgesetzt werden kann.

 

 

 

„Erinnerung darf niemals enden“

Oberbürgermeister Rudolf Michl, Foto: stv

Schweigeminute zum Gedenken an Opfer der Nazis


Mit einer Schweigeminute gedachte der Gemeinderat zu Beginn der Sitzung der Opfer des Nationalsozialismus. Oberbürgermeister Rudolf Michl hatte zuvor folgende Rede gehalten:


Der Gemeinderat tagt selten an besonderen Tagen, heute ist so ein Tag. Viele von Ihnen werden sich noch an die Proklamation von Bundespräsident Roman Herzog 1996 erinnern. Er erklärte den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Symbolhaft für den Terror der Nazidiktatur steht das Konzentrationslager Auschwitz, das am 27. Januar 1945 befreit wurde und in dem vor allem solche Menschen litten, die in der Zeit des Nationalsozialismus planmäßig ermordet wurden oder noch vernichtet werden sollten. Die Erinnerung, sagte Herzog, dürfe nicht enden; sie müsse auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es sei deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie solle Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken. Der 27. Januar ist auch seit 2005 der weltweite Holocaust-Gedenktag, einer Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen folgend. „Bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst“ (5. Mose 4,9). Die Aufforderung „Erinnere dich!“ ist auch ein biblischer Ruf. Der Gedenktag 27. Januar ist somit auch für alle Christen ein besonderer Tag, aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir alle sollten uns bewusst machen, wer die Opfer waren: Vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, Christen, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

 

 

 

 

Rilk ist landesweit Spitze

Sparkassen-Experten bestätigen

 

Großes Lob aus berufenem Mund erhielt Finanzbürgermeister Harald Rilk in der jüngsten Gemeinderatssitzung: Die Konditionen, zu denen er Kredite einkaufte, sind landesweit Spitze.


Klaus Belzner, Bereichsleiter der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, erläuterte zunächst das bundesweite Projekt „Kommunale Verschuldungsdiagnose“, das die Sparkassen und Landesbanken angeboten hatten. Im „Ländle“ beteiligten sich 70 der 1036 Kommunen. Rainer Duffner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärte, dass Crailsheim für seine Investitionskredite durchschnittlich 3,29 Prozent Festzins bezahle und damit landesweit am besten dastehe. Duffner und seine Kollegin Stefanie Kölmel warben im Gemeinderat für ein mit der Sparkasse bzw. LBBW vereinbartes aktives Zinsmanagement mit Zinssicherungsgeschäften. So könne die Kommune ohne Risiko Geld sparen. Einige Stadträte sahen sich mit dem Thema überfordert. Beratung sei ja in Ordnung, aber eine Kreditberatung habe nicht auf der Tagesordnung gestanden und sei daher „befremdlich“, meinte Hermann Wagner (AWV). Finanzbürgermeister Rilk will dem Gemeinderat in Kürze darlegen, in welcher Form er gesicherte Kredite aufnehmen möchte – immerhin elf Mio. Euro. 

 

 

Standort hat viel Potential

Da geht was: Die Firma groninger gehört zu den Crailsheimer Unternehmen, die in den vergangenen Monaten und Jahren in beachtlichem Umfang erweitert haben bzw. erweitern. Der aktuelle groninger-Neubau ist nur ein Beispiel dafür, dass einheimische Firmen darauf angewiesen sind, sich am Standort weiterentwickeln zu können und dafür Flächen benötigen. In der jüngeren Vergangenheit haben außerdem folgende Firmen ihre Standorte total umgebaut und/oder erweitert: Voith Turbo, Procter & Gamble Lager und Distributionscenter Süd, Bosch, Schubert, das Automobilforum Stegmaier & Büeck (Toyota-Erweiterung), Bürger, CDS, Vogelmann, R.Weiss, HBC-radiomatic (components), Schüttler, Landmaschinen Ohr, Elektrotechnik Ziegler, und Terex konzentriert seine Fertigung und Entwicklung in Crailsheim. Das Milchwerk ist momentan mitten in einer weiteren Neubauphase. Außerdem hat es Neuansiedlungen gegeben: Lasertechnik Deeg, die Media Group und der Neubau des Druckzentrums Hohenlohe-Ostalb ist in vollem Gang. Auch in der Innenstadt gibt es Neues: C&A, KBK Fashion Store, die Parfümerie akzente und die Volksbank Hohenlohe eG sind hinzugekommen. ks / Foto: Siewert

Entwicklungsleitlinien und Impulsprojekte


Crailsheim hat als Wirtschaftszentrum in der Region eine herausragende Bedeutung und zudem als Standort eine glänzende Zukunftsperspektive. Der Wille ist da, die vorhandenen Potentiale zu entwickeln und zu nutzen.


Die Autoren einer Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung zum Wirtschaftsstandort Crailsheim bescheinigen der drittgrößten Stadt in der Region ein exzellentes wirtschaftliches Fundament mit einem vielfältigen innovativen Unternehmensmix aus Einzelhandel, Handwerk, Gewerbe und Industrie. Die vorbildlichen Investitionen der Unternehmen in ihre eigenen Strukturen lassen den Schluss zu, dass Crailsheim auch in der Zukunft ein bedeutendes Wirtschaftszentrum in der Region sein wird, erklärte Dr. Stefan Leuninger (GMA). Die Hände in den Schoß zu legen, wäre allerdings falsch, denn es gibt genügend Ansätze, den Standort Crailsheim insgesamt zu stärken. Auf der Grundlage einer Stärken/Schwächen-Analyse, vieler Unternehmens- und Expertengespräche sowie zweier Workshops mit Firmeninhabern und Unternehmenslenkern hat die GMA Entwicklungsleitlinien und Impulsprojekte ausgearbeitet. Die Profilierung des Wirtschaftsstandortes kann nicht allein bei der Stadt liegen. Gleichzeitig sind die Unternehmen, das Gewerbe und der Handel im Boot, machte Dr. Leuninger klar. Die Stadt soll auch in der Region eine aktive Rolle übernehmen, regionale Projekte fördern „und nicht nur mitschwimmen.“ Crailsheim verfügt über besondere unternehmerische Kernkompetenzen, stellt die GMA fest. Das gilt insbesondere für die Nahrungsmittelindustrie und den Bereich Hygieneartikel (Procter & Gamble), den Sonder- und Verpackungsmaschinenbau mit ihren teilweise im Weltmarkt führenden Unternehmen. „Crailsheim ist ein international ausgerichteter Industriestandort“, so Dr. Leuninger. Entscheidend sind die Entwicklungsmöglichkeit der Betriebe –„Wirtschaft braucht Platz!” – sowie eine intensive Betreuung im Rathaus und persönlichen Kontakt. Für eine Standortprofilierung kämen ein Handwerkerhof sowie ein Dienstleistungs- und Gründerzentrum infrage. Für Distribution und Dienstleistung sollte es Ansiedlungsmöglichkeiten geben. Vorhandene Ansätze wie die Automeile sollten vorangebracht werden. Denkbar wäre auch eine Handwerkermeile. Arbeits- und Führungskräfte sowie junge Familien sollten Crailsheim als attraktive Stadt, als leistungsfähigen und zukunftsorientierten Standort erleben. Im Sinne einer „Produktentwicklung“ sei ein aktives Stadtmarketing, das weit über die Organisation von Veranstaltungen und Events hinausgehe, erforderlich. Ziel ist, „Crailsheim“ als Marke zu etablieren. In diesen Prozess eingebunden seien die privaten und privatwirtschaftlichen Interessen und Initiativen. Stadtmarketing richtet sich allerdings nicht nur nach außen: Auch die „Nabelschau“ ist wichtig, und „dass wir selbst gut über uns reden”, wie Bürgermeister Herbert Holl auch mit Blick auf den Einzelhandel betonte. Das vorhandene Schul- und Ausbildungsangebot sowie der „Crailsheimer Weg“ als Modell der Ganztagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen und an Schulen seien sehr gute Grundlagen. Am Leitbild eines „Campus Crailsheim“ solle man festhalten. Gezielt müssten die „weichen“ Standortfaktoren entwickelt werden. Dazu zählen die Bereiche Sport, Landschaftund Naherholung sowie Kultur. Neben einer Veranstaltungshalle brauche die Stadt auch mehr Hotelbetten, um auch als Tagungsort für die ansässigen international tätigen Unternehmen interessant zu sein. Damit dies alles besser ineinander greift, empfiehlt die GMA einen Wirtschaftsbeirat, ein Wirtschaftsgespräch bzw. ein Wirtschaftsforum im Jahresturnus. „Allerdings ist zu betonen“, so die GMA, „dass neue, zusätzliche Aufgaben mit diesen Qualitätsanforderungen weitere Ressourcen personeller Art notwendig machen.“ Das heißt im Klartext: Mit den vorhandenen eineinhalb Stellen in der Wirtschaftsförderung wird es auf Dauer nicht getan sein. 

 

 

 

Sachverstand gefragt

Gespräche mit Unternehmern sollen regelmäßig stattfinden. Foto: Siewert

Impulsprojekte vorgestellt / Wirtschaftsbeirat ein wichtiges Instrument

 

Mit Impulsprojekten startet die Wirtschafts- und Strukturentwicklung in eine konkrete Phase. Wichtigstes Instrument wird ein begleitender Wirtschaftsbeirat. Einmal im Jahr soll zudem ein Unternehmer-Forum organisiert werden.

 

Im Wirtschaftsbeirat wird ein Querschnitt der ortsansässigen Unternehmen vertreten sein. In diesem Beirat, der die Verwaltung und den Gemeinderat begleitet, sollen alle Fragen der Wirtschaftsförderung und der Stadtentwicklung besprochen werden. Noch im ersten Halbjahr ist das erste Unternehmer Forumgeplant, um die Themen auf eine breite Basis zu stellen und zu signalisieren, dass in Crailsheim „an einem Strang gezogen wird.“ Gezielt sollen kleine und mittlere Betriebe gefördert und dafür das Projekt Handwerkerhof in die Wege geleitet werden. Für die Bereiche Maschinenbau, Ernährung, Logistik, Energie- und Resourceneffizienz sowie Materialwirtschaft ist ein integriertes Dienstleistungs- und Gründerzentrum das Ziel. Der „Campus Crailsheim“ braucht den „Weg des langen Atems“, formulierte Dr. Stefan Leuninger die Strategie. Mit (Fach-)Hochschulen und Berufsakademien könnten Kooperationen beginnen: Vorlesungen können im Gründerzentrum zielgerichtet für den Bedarf der hiesigen Industrie angeboten, Forschungsgruppen und Doktoranden für hiesige Betriebe tätig werden. Für den Campus und für das Projekt „Tagungsort und Unternehmertreff Crailsheim“ soll es Projektteams geben. Der Aufbau einer Stadtmarketing-Organisation mit haupt- und ehrenamtlichen Strukturen sowie die Einbindung des ganzheitlichen Stadtmarketings in den STEP-Prozess sollen 2011 angegangen werden. Wohnort- und Standortmarketing sollten von einer Stelle betrieben werden. Das Projekt „Aktives Standortmanagement“ soll die Innenstadtentwicklung begleiten. Es geht u. a. um Leerstände und marktgerechte Flächen für den Einzelhandel, um Servicequalität und Kundenorientierung der Betriebe. Das Innenstadtmanagement wird als Teil des Stadtmarketings verstanden. Oberbürgermeister Michl und die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat begrüßten die stärkere Einbindung der Wirtschaft in den Stadtentwicklungsprozess in Form des Beirats und des Unternehmer-Forums. Auch die Workshops sollten beibehalten und die Ziele sollen kontinuierlich überprüft werden. Die GMA-Ideen seien gut, aber mit Blick in die Kasse in naher Zukunft nicht machbar, kritisierte UGL-Stadträtin Jutta Dickmanns-Kempf. Überhaupt nicht einverstanden sei die UGL mit der These „Wirtschaft braucht Platz“. Jedes Unternehmen, das erweitern wolle, solle natürlich Flächen bekommen, erklärte UGL-Chef Wilfried Kraft. Aber immer mehr neues Land zu verbrauchen, sei nicht vertretbar. Die Entwicklung der „weichen Standortfaktoren“, wozu auch die Kultur gehört, werde im STEP-Prozess gebündelt und sei nicht vorrangig Thema der Standort-Entwicklung, erklärte Dr. Leuninger dem SPD-Stadtrat Gernot Mitsch.

 

 

 

Wohnpark statt Autos

An der Zufahrt zur Innenstadt entsteht auf dem Gelände des Autohauses Schneider ein attraktiver Wohnpark. An der Bahnhofstraße ist auch Einzelhandel vorgesehen. Der Bebauungsplan wurde jetzt aufgestellt und ausgelegt. Foto: Siewert

Bebauungsplan für das Projekt an Bahnhofstraße / Vermarktung läuft bereits


Eine bedeutende Aufwertung erfährt nicht nur die Bahnhofstraße, sondern die gesamte Innenstadt mit dem Wohnpark an der Bahnhofstraße. Der Bebauungsplan wurde jetzt aufgestellt, die Vermarktung läuft schon.


„Hätte ich jetzt schon eine Wohnung kaufen können, obwohl das Projekt erst jetzt im Gemeinderat beschlossen wird?“ fragte UGL-Stadtrat Peter Gansky und fand das schon „ein bisschen merkwürdig”. Baubürgermeister Herbert Holl verwies auf das Risiko, das allein der Vermarkter trage, wenn er schon vor Abschluss des Rechtsverfahrens in den Verkauf gehe. Das sei aber bei solchen Bauvorhaben durchaus nicht unüblich. Beim Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss enthielt sich nur Stadtrat Gansky der Stimme. Auf jeden Fall ist es der Stadtverwaltung schon lange ein Anliegen, auf dem innenstadtnahen, exponierten Gelände an der Bahnhofstraße eine neue Nutzung zu erreichen. Das Autohaus Schneider hat vor, in den Westen der Stadt umzusiedeln. Der im Juli 2010 auf den Weg gebrachte Bebauungsplan „Nördliche Bahnhofstraße, Mittlerer Teil“ sieht eine attrative Wohnbebauung und Einzelhandel vor. Das bislang weitgehend „versiegelte“ Areal wird mit Grünzonen durchzogen. Es entsteht eine Tiefgarage, die aber auch begrünt wird. Entlang der Bahnhofstraße wird ein Kerngebiet festgelegt. Der rückwärtige Bereich wird als allgemeines Wohngebiet festgesetzt. Auf dem 8600 Quadratmeter großen Areal plant das Spielbacher Unternehmen Ströbel 60 Wohnungen, Gewerbeflächen und einen groß zügigen Grünbereich (2400 Quadratmeter). Die Gebäude sind sowohl an der Bahnhofstraße wie im Wohnbereich dreistockig (plus ein zurückgesetztes Penthouse). Die moderne Architektur mit klaren Strukturen, viel Glas und ausgeprägter Optik will spannende Akzente setzen. Die Zufahrt zur Jagstaue ist und bleibt im Eigentum der Stadt, und der während des Volksfestes dort eingerichtete Parkplatz kann weiter genutzt werden. Auch der Zugang zum Jagstweg bleibt damit erhalten, erklärte Baubürgermeister Holl dem AWVFraktionsvorsitzenden Norbert
Berg. Die Grünbereiche bleiben weitgehend erhalten. Zur Lärmbelastung, die von der Bahnhofstraße ausgeht, wird eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Das hat der Investor zugesagt. 

 

 

 

Neubau für Tiere wird abgesichert

Wenn die Landesförderung zugesagt wird, könnte der Neubau des Tierheims schon in diesem Jahr beginnen. Archivfoto: Butz

Ausfallbürgschaft in Höhe von 240 000 Euro von der Stadt


Der dringend notwendige Neubau des Tierheims ist wieder ein Stück vorangekommen. Einstimmig waren die Stadträte dafür, das Vorhaben mit einer Ausfallbürgschaft zu sichern.


Das Gebäude im Steinbruchweg ist seit Jahren in einem „baulich bedenklichen Zustand“, so die Sitzungsvorlage der Verwaltung. Eine Sanierung rechnet sich nicht, ein Abbruch und Neubau inklusive einer Quarantänestation für Hunde und Katzen ist der Weg, den der Tierschutzverein Crailsheim–Tierheim e. V. noch im laufenden Jahr gehen möchte. Die Stadt hat bereits das Gelände erworben und mit einem Erbpachtvertrag an den Verein übertragen. Jetzt wird sie auch noch eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 240 000 Euro übernehmen. Die Kosten für das Tierheim summieren sich auf knapp 590 000 Euro. Vom Land sind Fördermittel in Höhe von 33 300 Euro für den Neubau und 22100 für die Quarantänestation eingeplant. Die Gemeinden des Altkreises Crailsheim geben nach der Finanzplanung 33 300 Euro für den Neubau. Der Eigenanteil und die Eigenleistungen des Tierschutzvereins werden mit 211000 Euro angegeben. Die Kredite in Höhe von 290 000 Euro werden durch die Ausfallbürgschaft und Anlagen des Vereins gesichert. 

 

 

 

Die Tiefgarage wird saniert

Gemeinderat

Mit dem nächsten Sanierungsabschnitt in der Tiefgarage unter dem Schweinemarktplatz hat der Gemeinderat die Gmünder Firma Schwemle für 116 800 Euro beauftragt. Erste Sanierungen fanden 2008/09 statt, weitere Abschnitte folgen; kalkulierte Kosten insgesamt 560 000 Euro. 

 

 

Zuschuss für Vogel-Volieren

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat einstimmig einen Zuschuss an den „Verein der Vogelliebhaber und Züchter, Vogel- und Tierpark Crailsheim e. V., Vogelfreunde Villa“ abgesegnet. Der Verein erhält demnach knapp 3300 Euro – 50 Prozent der Gesamtkosten – für den Abbruch und Neubau von Vogel-Volieren an der Villa.

 

 

Parkverbot beantragt

Gemeinderat

Auf der Onolzheimer Hauptstraße soll künftig ein Parkverbot gelten. Das hat der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Neidlein für den Abschnitt zwischen der Brücke des Maulachbachs bis zum Aspenweg beantragt. Neidlein stellte den Antrag zum Schluss der letzten Gemeinderatssitzung.

 

 

Historisches und Akten im Neubau

Gemeinderat


Der Gemeinderat hat einstimmig die Planungen für die Unterbringung der historischen Unterlagen des Stadtarchivs und für die verschiedenen Akten der Verwaltung beschlossen.


Die verschiedenen Archive bzw. Registraturen werden in Räumen im Neubau an der Karlstraße untergebracht. Dabei werden zum Teil vorhandene Rollregistraturanlagen wieder verwendet, so dass sich die Kosten im Rahmen halten. Insgesamt sind rund 112 000 Euro eingeplant. Das Stadtarchiv erhält im Untergeschoss des Neubaus einen neuen, 141 Quadratmeter großen Magazinraum. Die wertvollen Archivalien, die zum Teil auf verschiedene Außenlager verteilt sind und dessen Hauptbestand in der Neubauphase im Schloss lagern, werden nun an einer Stelle zusammengeführt. Das spart Fahrwege und -zeiten. Im neuen Magazin stehen rund 1450 laufende Meter in einer Rollregistratur zur Verfügung. In dieser Anlage ist eine Reserve von 170 Metern enthalten. Die Zentralregistratur der Stadt, früher im Erdgeschoss des Bletzinger-/Karlstraßenbaus hat einen Umfang von 450 laufenden Metern. Dazu kommen die Bauakten mit 550 laufenden Metern und die Statik-Akten mit 270 laufenden Metern. Dies alles soll in einem Kellerraum im Untergeschoss des Neubaus eingelagert werden. Dafür müssen z. T. neue Rollschränke angeschafft werden. Aus Kostengründen bleibt man bei der Hängeregistratur, da für die Stehregistratur allein die neuen Ordner mit fast 50 000 Euro zu Buche schlagen. Hinzu käme der Personalaufwand für das Umsortieren der Akten: zu teuer sagt die Verwaltung. Falls der Platz im neuen Registraturraum nicht ausreicht, steht im Dachgeschoss des Neubaus eine Reservefläche zur Verfügung. Auch die Kassenakten, immerhin 250 laufende Meter, werden im Neubau eingelagert – allerdings im Dachgeschoss. Jede Abteilung erhält in unmittelbarer Nähe einen kleinen Archivraum mit 20 Quadratmetern. Für die Abteilungsregistratur Baumanagement reichen 20 Quadratmeter bei weitem nicht. Für diese Registratur ist im zweiten Obergeschoss ein Raum mit 210 laufenden Metern eingeplant. Für weitere 70 Meter können ein weiterer kleiner Raum im zweiten Obergeschoss sowie ein Raum im Dachgeschoss des Neubaus genutzt werden. Die Planug und Ausschreibung der Registraturanlagen wurde für 10 000 Euro dem sehr erfahrenen Büro Hüttmann + Partner, Stuttgart übertragen. ks

 

 

Magnete erwünscht

In der Innenstadt steckt noch viel ungenutztes Flächenpotenzial – nicht nur im Schloss und dessen Umgebung (Gefängnis, Feuerwache) sondern auch in den kleinstrukturierten und damit für Ansiedlungen ungeeigneten Flächen. Archivfoto: Siewert

Einzelhandelskonzept Crailsheim zeigt viele Entwicklungschancen auf


Ein Einzelhandelsstandort, der sich nicht weiterentwickelt, ist über kurz oder lang „weg von Fenster”. Das ist keine neue Erkenntnis. Trotzdem müssen sich alle Beteiligten bewusst machen: „Handel ist Wandel”. Das erklärte Diplom-Geograf Stefan Wolf, einer der Projektleiter der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung, als er unlängst im Gemeinderat das Einzelhandelskonzept für Crailsheim vorstellte. In dieser Studie, der eine umfangreiche Bestandsanalyse zugrunde liegt, wird aufgezeigt, wo die Stärken der Crailsheimer Einkaufsstadt liegen und wo es Entwicklungschancen gibt. Außerdem werden die Rahmenbedingungen, die die Stadt verbessern kann, genannt. Mit dieser Studie hat Crailsheim erstmals eine ganz hervorragende und nachhaltige Grundlage für die entscheidenden Fragen zur Einkaufsstadt der Zukunft, die im Rahmen des STEP-Prozesses, aber auch in der täglichen Praxis und bei Entscheidungen im Gemeinderat beantwortet werden müssen. Darauf machte Baubürgermeister Herbert Holl aufmerksam. Oberbürgermeister Rudolf Michl war anfänglich skeptisch, wie er offen zugab, ob ein solches Einzelhandelskonzept überhaupt funktionieren kann. Er hat sich aber vom Nutzen der „Crailsheimer Liste” und der Abgrenzung der „Einkaufsinnenstadt” überzeugen lassen und meint, dass man damit ein Instrument an der Hand hat als Hilfestellung für die Belebung der Innenstadt. In der Tat hänge es sehr stark von den Sortimenten ab, die man für die Innenstadt zulasse, ob sich hier das Gefühl einer städtischen Struktur samt Einkaufserlebnis entwickle. Crailsheim hat im Vergleich mit Städten ähnlicher Größe und in der Region ein solides Einzelhandelsfundament. Es gibt überdurchschnittlich viele Verkaufsflächen und eine „überwiegend moderne und attraktive Einzelhandelssituation mit nur wenigen Defiziten”, so die Studie. Mit Ergänzungen im Angebot, in den Flächenstrukturen und Betriebssformen –also mit zusätzlichen „Magneten” und neuen Markenanbietern –ließe sich die Anziehungskraft und damit die Wertschöfung aber noch steigern. Der Lebensmittelbereich – wobei Defizite in der Innenstadt und in Altenmünster augenfällig sind – bedarf einer vertieften Betrachtung, war auch der Gemeinderat überzeugt und gab grünes Licht für eine solche Untersuchung. Wie berichtet, fanden die „Crailsheimer Liste” (siehe unten) und die Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs (siehe oben rechts) als Steuerungsinstrumente für neue Ansiedlungen und Umwandlungen bei einer Enthaltung Zustimmung. Das Einzelhandelskonzept ist jetzt Grundlage für die baurechtlichen Verfahren. Das labile Gewicht zwischen der Innenstadt und dem Einzelhandelsschwerpunkt Hofwiesen in Roßfeld ist momentan noch austariert, aber in der Gefahr zu kippen, erklärte Stefan Wolf. Daraufmüsse man achten, wenn Roßfeld weiter ausgebaut werde. Keinesfalls dürfe eine dritte große Einkaufslage entstehen. Crailsheim ist und bleibt in einem Marktgebiet mit knapp 95 000 potenziellen Kunden (35 Prozent aus der Stadt selbst) und einem Kaufkraftvolumen von 471 Mio. Euro im Jahr eine Einkaufsstadt mit sehr guten Perspektiven. Davon können die derzeit 248 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von über 100 000 Quadratmetern anständig leben, wenn die Entwicklung nicht stehen bleibt und neue „Magnetbetriebe” hinzukommen. Außerdem müssten die städtebaulichen Rahmenbedingungen in der Innenstadt weiter optimiert werden. Darunter fallen die Verbesserung des Stadtbildes inklusive Begrünung und „Möblierung”, die Optimierung der Verkehrs- und Parkplatzsituation und des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Kunden und Besucher sollen sich in der Stadt besser zurecht finden. Wichtig ist, so Stefan Wolf, ein Citymarketing und auch daran sollen sich die privaten Akteure beteiligen. Die Geschäfte sollten ihre Außendarstellung verbessern und sich untereinander besser abstimmen. Dazu könnten Planwerkstätten beitragen. In der Innenstadt müssten durch Nachverdichtung und Flächenzusammenlegung die Voraussetzungen für die gewünschten z. T. großflächigen Ansiedlungen geschaffen werden. Der Umwandlung des Schlossareals kommt eine besondere Bedeutung zu. Außerdem ist im Rahmen der aktivenWirtschaftsförderung an eine Gewerbeimmobilenbörse (Datenbank) gedacht. Stadträtin Brigitte König (CDU) erfuhr, dass es keine rechtlichen Möglichkeiten gebe, den Einzug von  Finanzdienstleistern in leerstehende, für modernen Einzelhandelnicht mehr nutzbare Ladenlokale zu verhindern. Stadtrat Jochen Lehner (AWV) regte an, wie bei der Aktivierung von Brachen in den Ortsteilen auch in der Innenstadt eine aktive Städtebaupolitik zu betreiben: Eigentümer motivieren, gegebenenfalls Objekte aufkaufen, überplanen, verkaufen, waren Lehners Stichworte. Crailsheim steht mit seinen Problemen in der Innenstadt nicht schlechter da als andere vergleichbare Städte mit Ausnahme von Schwäbisch Hall, wo ein Einkaufszentrum entsteht, erfuhr Stadtrat Gernot Mitsch (SPD). Er hatte insbesondere das Fehlen eines guten Lebensmittelmarktes bedauert. Die hervorragenden Metzger, Bäcker und die Märkte könnten das nicht aufwiegen. Leider gebe es kein rechtliches Instrumentarium zur Förderung der Gastronomie in der Innenstadt, erklärte Stefan Wolf dem UGL-Stadtrat Peter Gansky. Das gefährdete Gleichgewichtzwischen der Innenstadt und Roßfeld sowie die praktisch kaum wirksame Einflussnahme auf Entwicklungen in Satteldorf oder Ilshofen beschäftigte die Stadträte Gerhard Neidlein, Uwe Berger, Franz Köberle (alle CDU) und Norbert Berg (AWV). Stadtrat Helmut Hasel (CDU) wies vehement darauf hin, es sei nicht die Schuld von Roßfeld, „dass die Innenstadt tot ist”. In Roßfeld seien die Parkplätze kostenlos. Auch die Einkäufe im Internet hätten einen nicht unerheblichen Anteil daran.

 

Wunschliste:
„Junge Marken”: In den Bereichen Bekleidung und Schuhe fehlt ein innerstädtischer Magnetbetrieb wie „H&M”.
Drogerie: Eine qualitative Verbesserung ( z. B. durch DM) ist das Ziel.
Elektro: Ein serviceorientierter Fachmarkt mit mehr als 10 00 Quadratmetern täte der Innenstadt gut.
Wohnaccessoires: In der Innenstadt wären Butlers oder Depot eine Bereicherung.
Modeschmuck: „ Bijou Brigitte” oder ein ähnlicher Anbieter würden die Innenstadt aufwerten.
Bau- und Heimwerkermarkt: Neuansiedlung sowie Erweiterung bestehender Betriebe mit Zielgrößen ab 8000 Quadratmeter sind erwünscht.
Gartencenter: Eine Neuansiedlung ab 1500 Quadratmeter wird begrüßt (genannt wird Dehner).
Biosortiment : Der Bereich ist ausbaufähig.
Feinkost/Spezialitäten: in der Innenstadt Bedarf
Lebensmittel : Bedarf in Stadtteilen und Innenstadt

 

Zustimmung für Planung

Die Ausführungsplanung der Abwasserbeseitigung in Erkenbrechtshausen wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats einstimmig gebilligt. Gebaut wird eine neue Schmutzwasserleitung, ein Pumpwerk am westlichen Ortsrand und eine 1,06 Kilometer lange Druckleitung zur Kläranlage Triensbach an der Landesstraße. Der Schloß weg und die Leimetstraße werden saniert und die Stra ßenbeleuchtung wird teilweise erneuert. Ob die Telekom den Ort auch mit einer Breitbandversorgung erschließt, ist noch offen. Die Kanalbauten kosten 610 000 Euro, die Straßenbeleuchtung 34 000 Euro. Für die Regenwasserkanalisation werden weitere 35 000 Euro bereit gestellt.

 

 

Zum Thema Integration

Die SPD-Stadträtin Helga Hartleitner hat jetzt Antwort auf ihre Fragen zum Thema Integration erhalten. Demnach kann das Arbeitsamt die Frage, wieviele Jungendliche mit Migrationshintergrund „auf den Arbeitsmarkt drängen”, nicht beantworten. Es werden nur Jugendliche erfasst, die sich arbeitslos gemeldet haben. Aus der Statistik des Einwohnermeldeamtes geht hervor, dass in Crailsheim rund 400 Jugendliche mit Migrationshintergrund leben. Die Stadtverwaltung hat in den letzten drei Jahren zwei Jugendliche mit Migrationshintergrund eingestellt. Außerdem werden zum 1. September zwei weitere Jugendliche mit Migrationshintergrund aus Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten und zur Fachkraft für Bürokommunikation eingestellt. Insgesamt arbeiten bei der Stadtverwaltung 88 Menschen, die ausländische Wurzeln haben.

 

 

Hebesätze im Vergleich

Wunschgemäß teilte die Stadtverwaltung im Gemeinderat mit: In Crailsheim liegt der Hebesatz bei 375 vom Hundert der Steuermessbeträge. Wallhausen erhebt 390 v. H.. In Schwäbisch Hall und Langenburg sind es 380 v. H., in Satteldorf 360 v.H., in Frankenhardt, Gerabronn, Ilshofen, Stimpfach und Michelbach/Bilz 350 v. H., in Blaufelden 345 v. H., in Gaildorf, Kirchberg, Kreßberg, Rot am See und Fichtenau jeweils 340 vom Hundert.

 

 

Begrenzte Zustimmung

Gemeinderat: Mittelpfadäcker in Triensbach

 

Die „Begeisterung” für das kleine Baugebiet „Mittelpfadäcker” in Triensbach hält sich in Grenzen. Es gab neben 16 Ja-Stimmen vier Gegenstimmen und neun Enthaltungen. Das Baugebiet, das jungen Familien aus dem Ort das eigene „Häusle” ermöglichen soll, wurde auf vier Bauplätze reduziert. Zwei Grundstücke wurden auf Wunsch der Eigentümer und in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat aus dem Plangebiet herausgenommen. Der AWV-Fraktionsvorsitzende Norbert Berg hielt die abgespeckte Planung für „nicht nachvollziehbar” und „ungeschickt”. Zur Erklärung: Die herausgenommenen Grundstücke liegen direkt an der Hauptstraße, die Baugrundstücke in der zweiten und dritten Reihe. Die Erschließung erfolgt über einen bestehenden Weg und dann über eine Stichstraße. Baubürgermeister Herbert Holl erklärte zudem, dass die vom Landratsamt gewünschte Festlegung eines Dorf- bzw. Mischgebiets nicht korrekt wäre. Es bleibe vielmehr eindeutig ein allgemeines Wohngebiet. „Wir wollen die Triensbacher unterstützen”, betonte der Fraktionssprecher Gernot Mitsch. Die SPD sei jedoch über die Reduzierung sehr froh: Man müsse eher die innerörtlichen Flächen nutzen und beim Verbrauch neuer Flächen am Ortsrand sensibler werden. Klare Ablehnung kam wie schon im April 2010 von der UGL: So gebe es keinen Druck, Althofstellen zu nutzen. ks

 

 

Juwel „Jagst” sehr wertvoll

Auch ein Flussbad könnte wieder eingerichtet werden. Dafür bietet sich der Kernbereich der innerstädtischen Jagstaue in der Nähe des Modellbootsees an. Pläne/Zeichnungen: Senner

Konzept vorgelegt: Viele sollen mitgestalten


Gleich zwei außerordentlich interessante und mit vielen Ideen ausgestattete Studien liegen jetzt für die Jagst vor. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, damit  sich die Natur an der Jagst und die neuen Nutzungen  gut miteinander vertragen.


Ausdrücklich sind alle, die sich dazu berufen fühlen, eingeladen, an der ökologischen Aufwertung und der Umsetzung der Ideen mitzuwirken. Das betonte der Landschaftsarchitekt Johann Senner, als er im Gemeinderat sein Konzept vorlegte. Dabei zeigte sich, dass die Planstatt Senner (Überlingen/Stuttgart) und die Mitwirkenden der im STEP (Stadtentwicklungsprozess) mit dem gleichen Thema befassten Planungswerkstatt ähnliche Vorstellungen haben. Das gilt sowohl für die Bewertung der Auenlandschaft und der zum Teil nur noch rudimentären Flussaltarme und Seitenbäche als auch für die denkbaren Aktivitäten an der Jagst.
Klar ist: Die Jagst bietet zum Teil sehr schöne Röhrichtbestände und wertvolle  Lebensräume für seltene oder bedrohte Arten wie die „Grüne Flussjungfer” (Libelle), den Eisvogel, die Groppe (Fisch) und den Biber. „Die Jagst ist eines der interessantesten Gewässer in Baden-Württemberg”, so Sonner. Besonders die Abschnitte zwischen der Kalkmühle und der steinernen Jagstbrücke bzw. südlich der Goe­thebrücke und Ingersheim, aber auch Nischen im Kerngebiet sind ökologisch hochwertig. Das betonte Bau­bürgermeister Herbert Holl im Gemeinderat. Weiterentwickeln und Schützen seien gleichermaßen Leitgedanken für alle Überlegungen.
Klar ist ebenso, dass die Jagstauen schon seit langer Zeit natürlich auch Freizeit- und Erholungsraum waren. Erinnert sei an das Fluss­bad „vor der Stadt” auf Höhe des Stadtteils Türkei, an die Angler, an den Modellbootsee, die Jagstinsel und die Dammwege. Im erweiterten Umfeld zählen der Kiosk am Postamt sowie der Biergarten an der Paradeisallee dazu. Das Potenzial, das im Prozess der ökologischen Aufwertung und Entwicklung der Jagst steckt, ist sehr hoch, stellt Johann Senner fest. Auch die Trutenbachauen sollen einbezogen werden. Ein Leitbild könnte aus dem Dreiklang Natur – Erholung – urbane Erlebbarkeit des Flusses abgeleitet werden.
Bei Spaziergängen mit Stadträten, den Mitarbeitern der STEP-Planwerkstatt und interessierten Bürgern sollen im Frühjahr die Überlegungen vertieft werden. Wichtig ist für Senner, dass die Ergebnisse des STEP-Prozesses mit den Beteiligten abgestimmt und eingearbeitet werden.
Zum Konzept der Aufwertung der Jagst­auen, das mit den Naturschutzbehörden-und verbänden abgestimmt wird, gehört die Umgestaltung der Zu- und Abläufe am Modellbootsee ebenso wie das Auslichten der Gehölzbestände und die Wiederherstellung von Altarmteilen und der Anschlüsse von Seitentälern. Alle fünf Wehranlagen sollen Fischtreppen erhalten, zwei Anlagen sind bereits eingebaut.
Neben einem Grünen Klassenzimmer am Jagstbogen beim Panorama-Hochhaus soll südlich der neuen Jagstbrücke ein reaktivierter Altarm zur Naturbeobachtung einladenen. Zudem sollen  der Altenmünsterbach ökologisch aufgewertet und der Übergang zur Trutenbachallee neu gestaltet werden.
Die Jagst soll mit zum Teil neuen Wegen für Fußgänger und Radfahrer besser erschlossen und als Fluss erlebbar werden. Neu wären ein Jagststeg zum Cine-City-Center und ein Steg am Mühlkanal hinter der Apotheke an der Herrenmühle. Auf der Bleiche-Insel sind ein Weidenturm und Wiesenstufen denkbar.
Im Bereich der Innenstadt sollen an der Jagst interessante Aufenthaltsorte geschaffen werden. Dazu zählt ein Café am Westende des Bleichstegs, aber auch der gestalterisch optimierte Biergarten am Kinocenter. Beim Bleichesteg ist auf der Westseite in einer Bucht eine Bootsanlegestelle vorgesehen, denn auch das Stocherkahn-Fahren „mit Augenmaß” ist eine Idee von Johann Senner. Zwischen der Wohnanlage Herrenmühle und dem Herrenmühlensteg soll ein „Jagstbalkon” den Blick auf die eindrucksvolle Wehranlage lenken. Zwischen Bleiche- und Herrenmühlensteg sind westseitig Sitzstufen an der Jagst denkbar.
In der Jagstaue könnten zwischen dem neuen Café  und dem Modellbootsee ein Wasserspielplatz eingerichtet und in der Fortsetzung am Hochwasserdamm auf Höhe des Modellbootsees Rasenstufen angelegt werden. In diesem Bereich ist auch das neue Flussbad vorgesehen. Einen weiteren Glanzpunkt soll unter dem Stichwort „Kultur im Freien” mit einer Konzertbühne an der Jagst südlich des Modellbootsees gesetzt werden. Ein Fontänentor markiert im Süden an der Straßenbrücke den innerstädtischen Flussabschnitt.
Für einige der vorgeschlagenen Maßnahmen und Ideen gibt es aktuelle „hochattraktive” Förderprogramme, betonte Johann Senner. Das Konzept müsse für Crailsheim maßgeschneidert sein. Kampfabstimmungen gelte es zu vermeiden. „Wir brauchen eine hohe Akzeptanz im Gemeinderat und in der Bevölkerung.” Dann sei es relativ einfach, an Fördergelder heranzukommen. Auch Baubürgermeister Holl ist überzeugt, dass „möglichst bald etwas davon umgesetzt werden kann”. Oberbürgermeister Rudolf Michl zeigte sich erfreut über so viel Optimismus.
Gernot Mitsch, Sprecher der SPD-Fraktion, die seit Jahren eine Aufwertung der Jagstaue als Ziel hat, betonte, dass das Papier jetzt nicht in der Schublade verschwinden dürfe. Man müsse den Ehrgeiz haben, möglichst viel davon umzusetzen.
Ob Crailsheim über die Flurbereinigung  oder  über eine Anmeldung zur einer Landesgartenschau Chancen hätte, fragte der CDU-Fraktionschef Gerhard Neidlein. Es komme immer wieder vor, dass eine bereits dafür vorgesehene Stadt, abspringe. Hätte sich Crailsheim beworben, wäre sie mit 99-prozentiger Sicherheit zum Zug gekommen, meinte Senner.
Viele für die konzipierten Ideen notwendigen Flächen sind im Besitz der Stadt bzw. gehören dem Land, erklärte Baubürgermeister Hebert Holl auf eine Frage des AWV-Fraktionsvorsitzenden Norbert Berg. „Wenn wir uns darauf konzentrieren, haben wir Arbeit genug.” Für die UGL-Fraktion betonte Jutta Dickmanns-Kempf, dass man die ökologisch wertvollen Teile der Jagst nicht zerstören dürfe. Auch sei der UGL die Bürgerbeteiligung sehr wichtig – beides Punkte, die Johann Senner nur unterstreichen konnte.    

 

 

 

In Projekten zum Ziel

Die Konzeption umfasst einen gut vier Kilometer langen Abschnitt – hier der Innenstadtbereich. Entwurf: Planstatt Senner

Gemeinderat: Gestaltung der Jagstaue

 

Die Jagstauen sollen noch wertvoller werden, als sie ohnehin schon sind. Damit möglichst viele Ideen in Projekten umgesetzt werden und die Natur trotzdem nicht Schaden leidet, müssen möglichst viele Menschen in die Erarbeitung einer umsetzbaren Konzeption eingebunden werden, betonte Baubürgermeister Herbert Holl im Gemeinderat.    

 

 

 

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