






„Schade, wir wären so gerne noch eine Woche länger geblieben“, sagten fast einstimmig die jungen Musiker der Musikschule Crailsheim, als sie von der Reise in die Partnerstadt Jurbarkas/Litauen wieder wohlbehalten in Crailsheim ankamen.
Neun Tage waren Annalisa, Amélie, Cara, Greta, Guilherme, Ilian, Lea, Paul, Melina und Nadine gemeinsam mit ihren Lehrern Lisa Koslowski, Lilli Krieger, Cassio Caponi, Christina Riedesel und 20 Bürgerreisenden unter der Leitung von Wolfgang Schmid (Präsident des Jurbarkas Komitees) unterwegs gewesen.
Sehr herzlich waren alle, Schüler und Lehrer, in den Gastfamilien aufgenommen worden, während die Bürgerreisenden im Gasthof oder Hotel übernachteten.
In der Familie hat man direkt die Möglichkeit, litauisches Familienleben kennen zu lernen. „Meine Gastfamilie hat mich und Melina so aufgenommen als wären wir die eigenen Töchter, so ging es den anderen auch!“ schreibt Nadine im Schlussbericht.
und weiter „man sollte einen guten Appetit mitbringen, denn man wird mit litauischen Köstlichkeiten verwöhnt...“
Bei den Schülern standen in den ersten Tagen drei Auftritte im Vordergrund: das gemeinsame Konzert mit Schülern der Kunst-und Musikschule Jurbarkas, der Empfang im Rathaus und das Konzert im Kinderheim in Wischwille.
So probten die Schüler gleich am ersten Morgen in den Gruppen Akkordeonensemble, Streichergruppe, Klavier vierhändig und Blockflötenquartett in der Musikschule. Die Bürgerreisenden machten in der Zeit schon den ersten Ausflug zum Schloss Raudone. Am Nachmittag wurde im Kulturhaus gemeinsam mit den litauischen Schülern geprobt. Verständigungsprobleme gab es keine, denn Musik verbindet alle Völker. Besonders eindrücklich war für die deutschen Schüler die gemeinsame Polka, bei der Schüler beider Musikschulen gemeinsam auf der Bühne musizierten. Im Abschlussgedicht steht „Für den Special Effekt sorgte die Polka, die da klang perfekt“. Die litauischen Schüler beeindruckten zusätzlich besonders durch ihre Landestracht. Mit dieser Kleidung wirkte die Musik noch viel intensiver. Beim Empfang aller Crailsheimer Gäste im Rathaus zeigten die Musiker noch einmal ihr Können. Am Nachmittag im Kinderheim in Wischwill spielten die Schüler der Musikschule ein letztes Mal das gesamte Programm vor den sehr jungen Zuhörern, die aufmerksam der Musik lauschten. Besonders schön empfanden es die Musiker, dass sie von den Bürgerreisenden dabei begleitet wurden. Nach diesen verschiedenen Auftritten ging es zum Berg der Kreuze, einem der bekanntesten Orte in Litauen. Über die Entstehung dieses Wallfahrtsortes gibt es viele verschiedene Geschichten. So besagt eine, dass Mitte des 19. Jahrhunderts ein Bewohner eines in der Nähe liegenden Dorfes schwer krank wurde. Er versprach, falls er wieder gesund würde, ein Kreuz auf dem Berg aufzustellen. Nach seiner Genesung sprach sich seine Geschichte herum und so dauerte es nicht lange, bis andere Kreuze folgten, inzwischen sind es ca. 50.000.
Am nächsten Tag erlebten alle die Kurische Nehrung bei strahlendem Sonnenschein, den Hexenhügel mit seinen volkstümlichen Holzskulpturen und den Ostseestrand mit seinen fantastischen, großen Wanderdünen. Natürlich gingen viele wenigstens mit den Füßen ins Wasser. Einer wagte sogar einen Sprung in die kalten Fluten. Auf dem Rückweg packten die Akkordeonisten beim „Ännchen-von-Tharau-Brunnen“ in Klaipeda nochmals ihre Instrumente aus und musizierten, und alle versuchten das „Ännchenlied“ mitzusingen.
Beim Ausflug nach Trakai und der Hauptstadt Vilinus war der Wettergott den Reisenden nicht so hold, denn in Vilnius regnete es in Strömen. Die Schüler schreiben im Abschlussgedicht „In Vilnius war das Wetter bescheiden, und wir mussten alle leiden. Es spülte uns nach Jurbarkas zurück, doch wir empfanden es als Glück.“
Den letzten Tag verbrachten die Schüler in ihren Gastfamilien. Neben Bowlen, Schwimmen, Reiten und Backen von gutem litauischen Gebäck wurde den Schülern viel geboten. Die erwachsenen Gäste besuchten währenddessen die alte Hauptstadt Kaunas.
Beim Abschiedsfest am letzten Abend zeigte sich in einem Sprachgewirr von deutschen, englischen, litauischen und russischen Brocken die neu gewonnene Vertrautheit zwischen Gästen und Gastgebern und Jung und Alt. Nach dem Genuss litauischer Spezialitäten aller Art gab es verschiedene Spiele zur Völkerverständigung und schließlich ein gemeinsames Abschiedsfoto.
Umso schmerzlicher wurde der Abschied am nächsten Morgen empfunden.
Noch lange werden diese Begegungen in allen Reisenden nachwirken. „Ich bin froh, dass ich wieder eine neue Kultur und neue Menschen kennen gelernt habe!“ schreibt Amélie im Schlussbericht Alle Schüler der Musikschule freuen sich, wenn die Begegnung im nächsten Jahr in Crailsheim fortgesetzt werden kann. Und Loreta Seveliene, die Direktorin der Kunst – und Musikschule in Jurbarkas, die mit viel Zeit Kraft und Ausdauer diesen Austausch ins Leben gerufen hat und Christina Riedesel (Musikschule Crailsheim) suchen schon nach einem geeigneten Termin im Jahr 2013.