







Landwirtschaftlicher Festumzug führt zurück ins einstige Landleben Wie wurde früher gedroschen? Wie sah eine Hochzeit aus und was lagerte über Winter in den Kellern? Der landwirtschaftliche Festumzug führt zurück in die Heimatgeschichte. Rund 2000 Akteure ziehen hierzu am Samstag und Sonntag durch die Crailsheimer Innenstadt – darunter auch Mitglieder des Tiefenbacher Posaunenchores.
Es hat Tradition, dass sich der Tiefenbacher Posaunenchor mit einem Beitrag am landwirtschaftlichen Umzug beteiligt. Der diesjährige Umzug wird am Samstag- und Sonntag unter dem Motto „Starke-Bauern – starkes Land“ jeweils ab 10.30 Uhr durch die Innenstadt führen wird.
„Kraut und Speck haut d’Hecka weg“ lautet traditionell der Arbeitstitel der Tiefenbacher. Zum achten Mal wird der „Kraut-Wagen“ nach bewährtem Muster geschmückt. Die Abläufe beim Aufbau sitzen. Und auch der eine oder andere Trick gehört längst zum gemeinsamen Erfahrungsschatz. Ist es kalt, werden zum Beispiel die „Stibiche“, die großen Tongefäße, in die das Kraut eingestampft wird, mit heißem Wasser aufgefüllt. So bleiben die Temperaturen für die barfüßigen „Stampfer“ erträglich. Trotzdem ist es natürlich viel Arbeit, den Wagen mit Krautköpfen, Tannenzweigen und Blumen zu schmücken sowie mit den für die Krautverarbeitung nötigen Gerätschaften auszustatten. Zehn bis 15 Mitstreiter sind da schon rund vier Abende beschäftigt.
Der Krautanbau und die Krautkonservierung im Herbst gehörten früher einfach zum Dorfleben dazu. „Man hatte ja kaum anderes Gemüse oder frisches Obst über den Winter“, erklärt Gerda Lober, die den Aufbau des Wagens koordiniert. In vielen Ortschaften hatte man daher Gemeinschaftsgeräte, die nacheinander auf den Höfen beim Einhobeln von Sauerkraut, Wirsing und Blaukraut zum Einsatz kamen. Diese Gerätschaften und ihre Funktionen werden nun am Samstag und Sonntag gezeigt. Ein mobiles Heimatmuseum entsteht sozusagen.
Obwohl Tiefenbach noch sehr landwirtschaftlich geprägt ist, wird auch dort sehr viel weniger Kraut angebaut als noch in den 1960ern und 70ern. Die schönen Krautköpfe, die den Wagen der Tiefenbacher zieren werden, kommen aus Öhringen. „Durch den trockenen Sommer sieht es mit Blumen schlecht aus, da müssen wir mal schauen, wie wir das dieses Jahr machen“, so Gerda Lober. Dieses Problem werden auch die anderen Gruppen zu meistern haben. Rund 70 Umzugsbilder und 20 Musikkapellen bilden den diesjährigen Umzug. Viele umliegende Städte und Gemeinden beteiligen sich. Auch die vier Crailsheimer Partnerstädte Worthington (USA), Pamiers (Frankreich), Jurbarkas (Litauen) und Bilgoraj (Polen) sind dabei. Die Ehrentribüne wird vor dem Rathaus aufgebaut sein. Alle anderen Zuschauer werden Stehvermögen zeigen müssen. Die Tiefenbacher verteilen übrigens mundgerechte Schlachtplatten-Happen und den nötigen Verdauungsschnaps dazu. Andere Gruppen geben Most, Naschwerk und Gebäck zur Stärkung des Publikums aus.
mbu
Fotos: Lober