Ein Jahr nach Worthington

David Etzel (Zweiter von rechts) nach seiner Wahl mit Schulleiter Walter Neumann, Austauschschülerin Nicole Janssen, Präsidentin Carola Schnabl, Bürgermeister Herbert Holl und Vizepräsidentin Elena Fernandez (v.r.n.l.). Foto: Kasimir

David Etzel überzeugte das Worthington-Komitee und wird neuer Austauschschüler


Der fast 17-jährige David Etzel vom Berufskolleg I der Kaufmännischen Schule Crailsheim wird als 52. Austauschschüler die derzeit für ein Jahr in Crailsheim lebende Nicole Janssen aus Worthington in Minnesota im Sommer für ein Jahr lang in die nordamerikanische Partnerstadt begleiten. Von der Wahlversammlung des Worthington-Komitees erhielt er, bei drei Bewer bern, die meisten Stimmen.

 

Bereits seit 1947 sind die Städte Worthington und Crailsheim miteinander verschwistert. Es ist die älteste Städtepartnerschaft bundesweit. Seit 1956 gibt man jungen Leuten die Chance, für ein Jahr lang ein fremdes Land kennenzulernen, mit einem anderen Schulsystem, einer unterschiedlichen Lebensweise und Kultur. Dies war für David Etzel und zwei weitere Schüler ein Anreiz, sich für den Austausch zu bewerben, der von den beiden Städten finanziell mitgetragen wird. Im dreijährigen Turnus sind die beruflichen Schulen des Landkreises sowie die städtischen Realschulen und Gymnasien beteiligt. Engagiert, schlagfertig und mit geringem Lampenfieber trug David Etzel dem Worthington-Komitee seine Vorstellungen vor und überzeugte die Mehrheit der 30-köpfigen Wahlversammlung. Er strebt die Fachhochschulreife an und erhofft sich neben der Verbesserung seiner englischen Sprachkenntnisse eine gute sportliche Entwicklung im American Football. Diese Sportart betreibt er schon jetzt in seiner Freizeit bei den Crailsheim Titans. Ihn interessiert amerikanische Literatur. In der Jugendarbeit der evangelischen Kirche seiner Heimatgemeinde Satteldorf ist er seit fast zwei Jahren als Mitarbeiter engagiert. Auf Fragen aus dem Komitee wusste er gleich überzeugende Antworten. Ihm ist nicht Bange, wenn er in einem Jahr mit 18 als deutscher Volljähriger in Worthington keinen Alkohol zu sich nehmen darf. Dort ist dies erst mit Vollendung des 21. Lebensjahres (Volljährigkeit in den USA) erlaubt. In Worthington gibt es weniger Ausgehmöglichkeiten als in seiner Heimat, Ausländer dürfen dort keinen Job annehmen. Hierfür hat der in geheimer Wahl siegreiche und überglückliche David Etzel schon Überlegungen getroffen. Er wird sich selbst beschäftigen, in Worthington viel lernen und Berichte schreiben, um seinen Auslandsaufenthalt sinnvoll zu nutzen.

 

 

Miranda und Garnette grüßen aus den USA

Monika Munzinger (rechts) überbrachte dem Brautpaar Glückwünsche und Geschenke aus Crailsheim. Foto: privat

Ehemalige Austauschschülerin hat geheiratet

 

Die frühere Austauschschülerin Miranda Gasow aus Worthington hat kürzlich geheiratet.


Sie war im Schuljahr 1998/99,  später noch mal als Praktikantin in Crailsheim und studierte anschließend Deutsch in Potsdam.
Eine ihrer damaligen Gastschwestern Monika Munzinger aus Goldbach machte sich auf den Weg und flog nach Hutchinson, Minnesota, überbrachte viele Glückwünsche, Geschenke der Familie, der Stadt Crailsheim und des hiesigen Worthingtonkomitees.


Die Hochzeitsgesellschaft freute sich sehr, die Crailsheimerin bei der Hochzeit dabei zu haben. Miranda und ihr Ehemann Garnette Roberts sind nach Pullmann, Washington gezogen. Sie arbeiten beide an der dortigen Universität und sind für ausländische Studenten zuständig.

 

 

 

 

Weihnachten war eine neue Erfahrung

Katrin (Erste von links) mit der Familie Berger (Jeff, Brandon, Jeremy, Janice, Erica und Brittany). Foto: privat

Austauschschülerin Katrin Staudacher berichtet zum vierten Mal aus der amerikanischen Partnerstadt Worthington


Liebe Crailsheimer und Crailsheimerinnen,

jetzt blicke ich auf ein halbes Jahr meines Amerika-Aufenthaltes zurück.
Seit Mitte November lebe ich bei meiner zweiten Gastfamilie. Ich habe mein erstes Thanksgiving gefeiert und es war eine tolle Erfahrung. Wir aßen sehr gut und viel. Dazu haben wir mal wirklich ausgespannt und nichts getan. Meine vier Gastgeschwister waren alle zu Hause und wir haben einiges zusammen unternommen. Ich war bei Dudleys eingeladen, um die deutsche Mutter meiner ersten Gastmutter und viele „alte“ Bekannte wieder zu treffen.


In letzter Zeit hatte ich einige Schwimmwettbewerbe. Ich verbessere mich immer wieder und es macht sehr viel Spaß.


Ich werde gebeten bei einigen interessierten Gruppen von meiner deutschen Heimat zu berichten, was ich sehr gerne mache.


Vor den Ferien stand das alljährliche Weihnachtskonzert der Schule auf dem Programm. Ich habe mit meiner Trompete in der Band gespielt und im Chor mitgesungen.


Es war richtig toll, auch wenn die Woche davor durch die intensiven Vorbereitungen ziemlich stressig war.


Weihnachten war eine neue Erfahrung für mich. Da ich an den Weihnachtsfeiern meiner ersten und zweiten Gastfamilie teilgenommen habe, stellte ich fest, dass jede Familie ihre eigenen Traditionen und Abläufe hat.


Am 23. Dezember habe ich mit Dudleys gefeiert, weil sie am nächsten Tag in den Urlaub gefahren sind. Bei Dudleys ist es üblich zuerst zusammen zu essen. Anschließend wird die Weihnachtsgeschichte gelesen. Danach werden die fünf Kerzen des Advents angezündet und jedes Kind sagt etwas dazu. Die Kerzen stehen für Hoffnung, Glaube, Glück, Frieden und Liebe. Dieses gibt dem Ganzen noch einmal eine richtig feierliche Stimmung. Zum Schluss werden die Geschenke verteilt: Jeder nimmt ein Geschenk und gibt es an dem Empfänger weiter. So stürzen nicht alle auf die Geschenke und es kommt noch ein bisschen Spannung auf.


Ungewohnt war es für mich an Heilig Abend nicht in die Kirche zu gehen. Wegen eines Schneesturms wurden alle Gottesdienste abgesagt. Den Abend verbrachten wir bei der Oma der Familie. Dort haben wir zusammen gegessen und Weihnachtslieder gesungen. Nach unserer Heimkehr durften wir nur ein Geschenk aufmachen. Die richtige Feier war am Morgen des 25. Dezember. Santa Claus kam endlich vorbei und füllte unsere Socken auf. Erst jetzt durften alle ihre Geschenke auspacken.


Hier in Worthington ist es jetzt bitter kalt und Temperaturen von –25 ° sind an der Tagesordnung. Hier helfen nur dicke Jacken und Strümpfe. Wir hatten jetzt auch einige Blizzards und Schneestürme und dann fällt der Unterricht an diesen „Snow­days“ aus. Leider werden diese Tage am Schuljahresende nachgeholt. Da ich aber als Senior in der Abschlussklasse bin, werde ich sowieso die Schule eine Woche früher verlassen.


In den Winterferien war es etwas langweilig, weil wir wegen den Schneestürmen und Blizzards fast nichts machen konnten. Wir sind viel zu Hause geblieben.


Silvester habe ich mit meinen Freunden gefeiert und es war richtig toll. Hier gibt es keine Feuerwerke wie in Deutschland, aber es ist auch viel zu kalt um raus zu gehen! Wir haben zusammen gespielt und trotzdem sehr viel Spaß gehabt.
In der Schule geht es richtig gut. Ich habe Klassen, in denen ich mich sehr wohl fühle. In diesem Term hatte ich Mathe, Film Studies, Band, Chor und Digitales Fotografieren. Jetzt ist dieser Term schon fast wieder vorbei und ich habe ein halbes Jahr fast nur Mathe und Physik gewählt. Ich denke es wird auf jeden Fall hart, aber viele meiner Freunde sind auch dabei. Zu meinem Stundenplan gehören wieder Band und Chor, dazu Architektur & technisches Zeichnen. In dieser Klasse entwerfen wir Grundrisse für Häuser und Ähnliches.


Nächster Höhepunkt unserer Schule wird die Aufführung unseres Musical sein. Ich singe im Chorus mit und wir proben schon intensiv, denn die Aufführung soll in zwei Wochen statt finden.


Im Februar wechsle ich zur dritten Gastfamilie und ich denke mit Wehmut an den Abschied von Bergers. Aber ich bin gespannt, was ich alles noch erleben werde.


Herzlichen Grüße aus Worthington sendet Ihnen


Ihre Katrin Staudacher

 

 

 

 

Wunderbare deutsche Weihnachten

Nicole Janssen (Zweite von links) erfreute sich an Silvester mit ihren Freundinnen Viola Meyer, Marie-Therese Grüner, Ann-Kathrin Grüner und Leonie Kampmann an Wunderkerzen. Foto: privat

Die Austauschschülerin Nicole Janssen berichtet aus Crailsheim/ „Deutsch spreche ich jetzt schon fließend“


Liebe Crailsheimerinnen und Crailsheimer,

ich wohne jetzt zweieinhalb Monate bei der Familie Grüner. Ich fühle mich wohl und wir haben viel Spaß! Ich weiß schon, dass es schwer werden wird, Grüners im Februar zu verlassen, genauso schwer wie es war, von den Wiesers im November wegzuziehen.


Wir hatten Weihnachtsferien bis zum 11. Januar. Ich war Shoppen, im Kino und bei einem „USA Gospel Chor”. Wir haben die Festtage und Maries 16. Geburtstag gefeiert und natürlich lang geschlafen. In den Ferien war ich mit Grüners in Würzburg. Wir haben dort die alte Burg angeschaut, welche seit 1250 existiert. Wir waren natürlich auch einkaufen. Leider hatten wir an Weihnachten oder Neujahr keinen Schnee, dafür haben wir jetzt Schnee – die Temperaturen sind aber nicht so kalt wie in Minnesota.


Am Heiligen Abend war ich mit den Grüners und mit Oma und Opa Grüner in der Kirche. Danach haben wir zu Abend gegessen und Geschenke ausgepackt. An Weihnachten waren wir zuerst mit der Familie meiner Gastmutter essen und danach bei der Schwester meiner Gastmutter zu Hause. Wir haben Karten gespielt und weitere Geschenke ausgepackt, Kekse und Kuchen gegessen sowie viel miteinander geredet. Am 26. Dezember waren wir mit der Familie meines Gastvaters Mittagessen. Ich hatte wunderbare deutsche Weihnachten! 
Es gibt keine bessere Möglichkeit Silvester zu feiern als in Deutschland. Ich besuchte mit Grüners eine befreundete Familie, wo wir Raclette gegessen haben. Es hat echt gut geschmeckt. Danach haben wir einfach bis Mitternacht gechillt und gewartet. Kurz vor Mitternacht sind wir ins Freie gegangen, haben die Wunderkerzen und das Feuerwerk vorbereitet und um Mitternacht alles angezündet. Jedes Haus in der Straße hatte ein Feuerwerk und alles war erleuchtet. Meine Gastschwester, Marie, wurde am 1. Januar 16 Jahre alt. Ich hatte großen Spaß gehabt. Es war ein unvergess­licher Start ins neue Jahr für mich.


Ich besuchte mit einer meiner Freundinnen eine katholische Kirche. Meine Erfahrungen in Crailsheim sind einfach toll – Worthington hat eine wunderbare Partnerstadt.  Deutsch spreche ich jetzt schon fließend. Ich bin so froh, dass ich in Deutschland bin. Ich rate jedem dazu, Austauschschüler zu werden, wenn er die Möglichkeit hat. Ich würde dieses Jahr für nichts eintauschen.
„Ich wünsche ein glückliches Neues Jahr”.


Viele Grüße von Ihrer Austauschschülerin,

Nicole Janssen

 

 

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