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Johanna Andrejews Abschied in Worthington naht

Johanna Andrejew während ihrer Graduationsfeier. Foto: Andrejew.

Das Jahr von Johanna Andrejew neigt sich so langsam dem Ende. Zeit für die Austauschschülerin, nach dem Abschluss an der High School die letzten Wochen in Amerika nochmals auszukosten und Abschied zu nehmen.

Hey Crailsheim,

die letzten Wochen für mich hier in Worthington sind angebrochen und vor ein paar Tagen bin ich zu meiner finalen Gastfamilie, Janice und Alan Oberloh gezogen. Ende April war es Zeit für den glamourösen Abschlussball, Prom genannt. Einen guten Nachtschlaf innehabend ging es am Nachmittag mit meinen Freundinnen zu unserer „Promgruppe“, um Fotos zu machen und sich auf die Feier einzustimmen. An der High School angekommen, begann der „Grand March“. Die festlichen Paare schritten durch die nach ,,A night in Hollywood’’ geschmückte Sporthalle und mit einem breiten Grinsen im Gesicht machte ich ebenfalls diese einmalige Erfahrung. Der Monat Mai begann mit einer winterlichen Überraschung: Schnee. Selbst für Minnesota war das ein recht intensiver Frühling. Der letzte Schulmonat stand bevor und die Gefühle waren definitiv gemixt, denn mein Schuljahr neigte sich schneller als gedacht dem Ende zu. Am ersten Maiwochenende besuchte ich mit meiner Gastfamilie Verwandte in St. Cloud, um eine Erstkommunion zu feiern. Eine coole Erfahrung, ein katholisches Fest in den USA miterleben zu können. Das Chorkonzert der High School folgte direkt im Anschluss an das Wochenende. Wertvoll sind die Erfahrungen, die ich im Musikprogramm hier an der Worthington High machen durfte. Dafür möchte ich mich bei meiner Chorleiterin Ms. Kerry Johson und meinem Bandleiter Mr. Jon Loy für einige einzigartige Erinnerungen bedanken. Die letzte Schulwoche rollte heran und mit ihr die finalen Präsentationen, Klausuren und das Beenden einiger Kunstprojekte. Traditionell wird in den USA am letzten Montag im Mai der Memorial Day gefeiert. Mit Familientreffen und so manchen Paraden in Großstädten werden Männer und Frauen, die ihm Krieg gedient haben, geehrt und erinnert. Für mich ging es am Memorial Day mit dem kompletten Chor der High School zu einem Baseballspiel der Minnesota Twins in Minneapolis. Unsere Mission: die Nationalhymne als traditionellen Einstieg vor dem Spiel anzustimmen. Es war einzigartig, mit meinen Chorbuddies Seite an Seite zu stehen, eine Leidenschaft zu teilen und einfach Teil von etwas größerem zu sein. Am Mittwoch der letzten Schulwoche fand das traditionelle Baccalaureate statt, welches mehr eine Art Schulgottesdienst und Generalprobe für die Graduation ist. Meine Eltern besuchten mich aus Crailsheim und das Wiedersehen nach zehn Monaten mit Ihnen fühlte sich ziemlich gut an. Am Freitag war es soweit. Viele meiner Freundinnen in ihrem Abschlussjahr (Abiturienten werden hier Seniors genannt) warten das ganze Jahr auf diesen einen Tag an welchem sie endlich Ihr Abschlussdiploma in der Hand halten, doch plötzlich ist es soweit und wir werden alle ein bisschen emotional. ,,It’s bittersweet.’’

Zu sehen, wie meine Freunde und Klassenkameraden einer nach dem anderen über die Bühne laufen, um ihr Diploma zu erhalten und selbst einer von diesen High School Absolventen zu sein, ist ein einmaliges Bild, und eine wertvolle Erinnerung für mich. Direkt im Anschluss, hatte das Komitee in Worthington mir eine Graduationsfeier organisiert. Freunde, Lehrer, Coaches, Gastfamilien, Klassenkameraden besuchten mich und einmal mehr wurde mir ihre enorme Unterstützung durch mein ganzes Austauschjahr bewusst. Dafür bin ich sehr dankbar.

Am selben Wochenende startete ich mit meiner Familie auf einen Roadtrip. Für zehn Tage würden wir durch die USA auf der Suche nach Abenteuer reisen, bevor es wieder Abschied nehmen heißen würde. Abschied nehmen hieß es ebenfalls zwei Tage später wieder, als ich meiner Gastfamilie Burns ‚Goodbye’ sagte. Ein letzter Umzug zu meiner finalen Gastfamilie den Oberlohs stand bevor. Die Sommerferien waren nun hier und mit der Amazing Worthignton City Band wurde unter anderem auch für unser Konzert in Crailsheim geprobt. Die wöchentlichen Sommerkonzerte in Worthingtons Chautauqua Park fand ich besonders genial, denn so konnte ich noch immer meine Freunde aus der Schulband sehen und den Sommer einfach auskosten. Die letzten Wochen werden hier in Worthington noch einmal richtig genossen.

Dieses Mal aber wirklich bis bald,

eure Johanna Andrejew

Die Neue stellt sich vor

Madalynne Grace Moody freut sich auf ihr Jahr in Crailsheim. Foto: privat

Schüleraustausch mit Partnerstadt Worthington (USA)

Die diesjährige Austauschschülerin aus Worthington (USA) heißt Madalynne Grace Moody. Auf das Jahr in Crailsheim, das im Sommer beginnt, blickt sie mit viel Vorfreude und Interesse. Nicht zuletzt weil die 16-Jährige deutsche Wurzeln hat und gerne mehr über ihre deutsche Familiengeschichte erfahren möchte.

Liebe Gastfamilie!
 
Hallo, mein Name ist Madalynne Grace Moody, aber ich werde Grace genannt. Ich bin 16 Jahre alt und gehe dieses Jahr in die 10. Klasse. Ich möchte Ihnen einfach sagen, wie aufgeregt ich bin, ein Jahr in Ihrer Stadt zu verbringen! Ich kann es kaum erwarten, Sie alle zu treffen!
 
Nun, da dieser Brief über mich geht, erzähle ich auch etwas von mir! Ich bin zur Hälfte deutsch. Mein (leiblicher) Vater wuchs in der Nähe von Koblenz auf und ich freue mich sehr darauf, diesen Teil meiner Familie zu erkunden. Ich lese und schreibe gern, höre Musik, verreise und ich liebe es, Zeit mit meiner Familie und mit Freunden zu verbringen, aber zwischendurch brauche ich auch Zeit für mich. Ich spiele in unserer Schulband Klarinette und bin im Robotics Team meiner Schule aktiv. Zudem arbeite ich bei Burger King – eine Fastfood-Kette in meiner Nähe. Meine Hobbies sind Lesen, Schreiben, Schwimmen, Fotografieren, Videobearbeitung, Filme, Fernsehen und wenn ich Zeit finde, spiele ich gerne Videospiele. Ich hatte zwei Jahre Deutschunterricht und verstehe die meisten einfachen Dinge und bin in der Lage, selbst Sätze auf Deutsch zu bilden.
 
Auf den ersten Blick mag ich zwar schüchtern wirken, aber wenn man mich besser kennen lernt, komme ich aus mir heraus. Ich würde mich als verantwortungsbewusste, respektvolle, unabhängige und generell fröhliche Person beschreiben. Ich bin aufgeschlossen und keine Person, die gegenüber jemandem, der anders erscheint, unhöflich oder gemein ist. Erwähnen möchte ich außerdem, dass ich nicht besonders religiös bin.
 
Nun zu etwas sehr Wichtigem für mich: meine Familie! Meine Familie, das sind ich, meine zwei Brüder und meine Mama. Wir haben noch zwei Haustiere: Unser Hund Ozzy und Princess, unsere Katze. Ben ist mein ältester Bruder. Er ist 29 Jahre alt und Feuerwehrmann in Virginia, das 2.100 km von uns entfernt ist. Wir vermissen ihn so sehr! Zusätzlich führt er ein Online-Marketing-Geschäft. Seine Freundin heißt Kellyn und wir alle hoffen, dass beide bald heiraten werden (aber nicht, während ich weg bin). Mein zweiter Bruder heißt Malik und ist 18. Er hat letztes Jahr die High School abgeschlossen, wohnt momentan zu Hause und arbeitet bei einem Autohaus, während er sich überlegt, was er später machen möchte. Meine Mama heißt Joy und arbeitet als Krankenschwester im örtlichen Krankenhaus. Obwohl sie viel zu tun hat, findet sie immer Zeit für die Familie. Meine ganze Familie hat mich bei meiner Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, sehr unterstützt, auch wenn sie alle traurig sind, dass ich gehe. Mir ist aufgefallen, dass meine Mutter mir mehr Aufmerksamkeit als sonst geschenkt hat und das soll was heißen!
 
Wie ich bereits geschrieben habe, bin ich sehr aufgeregt, ein Jahr in Crailsheim zu verbringen. Ich freue mich schon total darauf, zu reisen und jeden kennenzulernen. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was es in Crailsheim so gibt. Ich probiere gern neue Dinge aus und versuche auch gern Dinge, die ich in den USA normalerweise nicht mache, wie zum Beispiel mit meiner neuen großen Schwester Johanna zu fechten. Außerdem würde ich gerne Skifahren lernen. Bisher bin ich noch nie Ski gefahren – die flache Landschaft in Minnesota lädt nicht gerade dazu ein.
 
Wie gesagt: Ich freue mich riesig, Sie alle kennen zu lernen und mein Jahr in Crailsheim zu verbringen. Ich hoffe, zu reisen und viele neue Dinge kennenzulernen. Ich werde meine Familie und Freunde sehr vermissen, aber ich bin mir sicher, dass der Austausch eine große Chance ist.
 
Viele Grüße,
 
Madalynne Grace Moody

„Die letzten Monate waren sehr schön“

Austauschschüler Dominic Burns beim Skifahren mit Familie Otterbach aus Tiefenbach. Foto: privat

Dominic Burns ist der aktuelle Austauschschüler aus der US-amerikanischen Partnerstadt Worthington. Skifahren, Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau, Praktikum bei der Stadtverwaltung oder aber deutscher Fasching: Langweilig waren die letzten Monate für ihn nicht.

Hallo Crailsheim,

meine Zeit hier in Crailsheim ist schnell vergangen. In den letzten drei Monaten habe ich viel unternommen. Ich wechselte die Gastfamilie und bin nun bei Familie Otterbach in Tiefenbach. Ich war im „Mittelalterlichen Kriminalmuseum“ in Rothenburg mit meiner Gastmutter und Gastschwester. Es war sehr interessant zu sehen wie die Leute im Mittelalter gelebt haben. Ich konnte mir dort auch viele alte Waffen und Foltergeräte ansehen. Anschließend haben wir noch eine Sonderausstellung zu „Martin Luther und die Reformation“ angesehen. Dort wurde das Leben des Reformators sehr anschaulich beschrieben und erklärt.

Diese Zeit war die Zeit der Geburtstage, zuerst hatte die Mutter meines Gastvaters Geburtstag, danach der Vater meiner Gastmutter, dann Christel und Bernd Hanselmann meine ersten  Gasteltern. Beim Freund  meines Gastvaters war ich auch eingeladen. Auch mein aktueller Gastvater Markus und  Freunde aus der  Realschule zur Flügelau hatten Geburtstag. Letzte Woche war mein Geburtstag (30 März). Alle Geburtstagsfeiern waren schön und haben mir sehr gefallen.

Das “Highlight” war Skifahren in Ofterschwang mit Familie Otterbach. Zuvor bin ich erst einmal Ski gefahren und das war am Mt. Kato in Minnesota. Der Mt. Kato ist ein sehr kleiner Berg.  Die blauen Pisten in Ofterschwang sind so wie die schwarzen Pisten am Mt. Kato. Aber meine Skilehrer Markus, Nathan, Tamia, und Gudrun waren super und ich habe in 4 Tagen Skifahren gelernt. Ich kann nicht genug danken. Dieser Urlaub war sehr schön. Am ersten Tag ich war an einem „Anfängerhügel“. Dort lernte ich das Bremsen. Am zweiten Tag fuhr ich mit Markus, Gudrun, Nathan, und Tamia die blauen Pisten hinunter. Nachdem  ich ein Gefühl für die Geschwindigkeit entwickelte hatte  gingen wir zu den roten Abfahrten. Ein paar Mal hatte ich kleine Unfälle und bin gestürzt. Ab dem vierten Tag ging es schon sehr gut und ich hatte keinen Sturz mehr. Ich war sehr glücklich denn meine Lehrer waren sehr gut und ich habe viel gelernt. Es gab viele Kinder am Berg und am Mittag wurde der Schnee leider immer schlecht. Skifahren war super und es war eine wunderbare Zeit.

Hier in Deutschland finde ich interessant, dass die Jugendlichen zum Mittagessen zur Oma gehen. Jeden Tag hat meine Gastoma super gekocht! Ich mag Pfannkuchen, (in den USA sind sie anders) Dampfnudeln, Döner, Schnitzel und mein Lieblingsessen ist Käsespätzle. Ich mag das deutsche Essen, es ist anders wie in den USA und das Minnesotan Essen. Hier isst man viele Nudeln  und Brot.  In Minnesota haben wir “Hotdish”. Hotdish ist ein Gemüse, eine Sauce und ein Fleisch mit Käse darüber, welches man im Ofen bäckt.

Natürlich war auch der Fasching interessant. In den USA haben wir keinen Fasching.
Ich war auf der Schulfaschingsparty und mit meinem Gastbruder Nathan bei der Titans Faschingsparty. Es war sehr witzig und ich glaube, dass ich nächstes Jahr eine kleine Faschingsparty in den USA machen werde.

Bei der Berufsorientierung Realschule (BORS) war ich für ein  Praktikum in dem  Rathaus. Am ersten Tag war ich in der Abteilung für Kulturangelegenheiten. Dort war es sehr interessant. Ich habe beim Falten des Flyers für das „Irish Spring Festival“ geholfen. Ich auch habe das  Archiv gesehen. Dort gibt es ein Buch das älter ist als die USA.  Ich war auch bei Frau Bianca Pia-Duda. Hier durfte ich Flyer für die „Stadtbiene“ falten.  Mein Praktikum war sehr informativ ich konnte viel über die Lokalregierung in Crailsheim lernen.

Während der letzten 3 Monaten war ich in meiner Freizeit bei Elfriede Kohr zum Essen und ins Kino („La La Land“) eingeladen. Sie kochte meine Lieblingsspeise „Käsespätzle“.
Außerdem war ich mit Elfriede und Wolfgang Kohr in der Nähe von Schnelldorf zu einem Internationalen Buffet eingeladen. Das Essen dort war sehr lecker und es gab Gerichte aus allen Teilen der Welt.
Anfang März war ich beim Abschlussball meiner Gastschwester Tamia Otterbach. Ich tanze nicht wirklich gut, aber dort hatte ich viel Spaß. Der Abschlussball ist wie Prom in den USA. Letztes Jahr war ich in den USA beim Prom, so war es sehr interessant für mich zu sehen wie in Deutschland der Prom „gefeiert“ wird.

Bei  Familie Keller aus Tiefenbach war ich an einem Tag auch zum Mittagessen eingeladen. Sie haben Sauerbraten gekocht. Es war das erste Mal, dass ich Sauerbraten gegessen habe und so haben sie gesagt: „Wenn es dir nicht schmeckt, machen wir schnell Kässpätzle für dich.“  Aber das war kein Problem, der Sauerbraten hat sehr gut geschmeckt. Nach dem Mittagessen sind wir wandern gegangen. Thomas Keller erklärte mir was ein Jakobsweg ist. Es war ein sehr schöner, interessanter und sonniger Tag. Wir liefen zur Hammerschmiede nach Gröningen.
In den USA ist Fußball „klein.“ Als ich 4 Jahre alt war habe ich für ein Jahr gespielt. Aber es hat mir keinen Spaß gemacht. Inzwischen liebe ich es dem FC Bayern München im Fernsehen anzusehen  oder wenn mein Gastbruder Nathan ein Spiel hat, dann gehe ich auch gerne mit und sehe zu. Nathan spielt für den  TSV Satteldorf  und jeden Samstag ich gehe zu seinen Spielen.

Am 2. April ich war beim Kneipensingen in Ingersheim mit Carola Schnabl, ihren Freunden und Lucas Keller. Es war sehr schön gemeinsam deutsche und englische Lieder (eines war in hohenlohischem Dialekt). Es war ein sehr schöner Abend, es hat viel Spaß gemacht und ich habe probiert mitzusingen.
Mit der Realschule zur Flügelau habe ich die KZ Gedenkstätte Dachau besucht. Dort habe ich viel über die traurige Zeit im Nationalsozialismus gelernt. Ich finde es sehr wichtig solche Gedenkstätten zu besuchen.  Während meine Klasse viel auf ihre Realschulabschlussprüfung lernt besuche ich die 9. Klasse. Meine Zeit in der RzF ist sehr interessant. In den USA wechseln die Schüler das Klassenzimmer nicht die Lehrers. Deshalb ist man den ganzen Tag mit verschiedenen Mitschülern in der Klasse. Hier bin ich den ganzen Tag mit den gleichen Schülern zusammen. Dies finde ich sehr hilfreich wenn ich eine Frage habe.  Beim Kiosk in meiner Schule kennt die Verkäuferin inzwischen meine Essgewohnheiten. Ich muss nicht sagen „ein Nutella Baguette bitte“, sie fragt „Nutella Baguettes“ und ich sagte “Ja”.
 Meine Mitschüler finden es sehr lustig, dass sie weiß was ich kaufen will.

Meine letzten drei Monate waren sehr schön und haben viel Spaß gemacht! Ich hoffe dass meine restliche Zeit in Crailsheim nicht so schnell vorbei geht. Dankeschön Crailsheim und bis bald!
 
Dominic Burns

Austauschschülerin Johanna Andrejew berichtet:

Die Austauschschülerin genießt ihre Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bild: Johanna Andrejew

Hallo Crailsheim,

ein weiteres Mal melde ich mich aus eurer amerikanischen Partnerstadt in den USA zurück. Die beiden letzten Monate waren für mich gefüllt mit Reisen und all den einzigartigen Erlebnissen, die damit verbunden sind.
Ende Januar stand für meine Gastfamilie ein Besuch bei den Verwandten in Greenbay im Nachbarstaat Wisconsin an und so starteten wir Freitagnachmittag direkt nach der Schule mit unserem Road Trip nach Osten.
Wisconsin ist der US Bundesstaat der berühmt für seinen Käse ist, und so durfte ich noch am selben Abend originale ,,Cheese Curds ’’ in Wisconsin, dem „Käsestaat“, genießen.
Neben dem Essen veränderte sich die Landschaft auch bemerkenswert: Anstatt der flachen Ackerlandschaft Minnesotas näherten wir uns in Wisconsin sanften Hügeln und überquerten den Mississippi River an der Grenze der beiden Staaten.
Am Tag darauf lernte ich meine große Gastfamilie kennen und wir verbachten einen tollen Nachmittag in Greenbay. Abends stand das legendäre Footballspiel der Greenbay Packers, dem Footballteam Wisconsins, und der Texas Cowboys an. Die ausgedehnte Version der Verwandten war gekommen, um zusammen das Vorrundenspiel für den Superbowl im Hause der Großmutter anzusehen. Was für eine Stimmung. Bei jedem Touchdown wurde geschrien und bei jedem Field Goal wurde gejubelt. Es war unvergesslich. Nach der legendären Footballnacht ging es am nächsten Morgen Richtung Süden weiter nach Milwaukee, Wisconsin, um meinen Gastbruder Mitchell in seinem College in der Innenstadt abzuliefern. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, bekam ich allerdings eine kleine Tour durch den Marquett-Universitätscampus und den Wohnanlagen der Studenten. Mitten auf dem Campus stand eine sehr alte verwunschene kleine Kapelle. Ganz spontan statteten wir ihr einen Besuch ab und fanden heraus, dass sie im 18.Jahrhundert von Frankreich in die USA übergeschifft worden ist, da sie von einem reichen Ehepaar gekauft worden war. In Frankreich war die Kapelle nach der Nationalheldin Jeanne D’Arc, Johanna von Orleans, benannt und das Ehepaar behielt diesen Namen. Mich hat es schlichtweg fasziniert wie man als Austauschschüler an ganz unverhofften Orten hier in den USA überraschende Spuren europäischer Geschichte findet. Am selben Nachmittag ging es zum Lake Michigan einem der großen Seen, die an Kanada grenzen. Allerdings musste man dafür gar nicht weit fahren, denn der See reichte bis zur Innenstadt. Am Ufer des Lake Michigans türmten sich große Eisschollen, denn schließlich war es ja noch Januar. Als ich so an dem großen See stand, kam es mir so vor als läge ein offenes Meer vor mir. So riesig und undefinierbar war es. Aber dafür unvergesslich.
Der Januar endete für mich mit meinem letzten Eishockeyspiel. Die ganze Woche kam mir wie ein langsames Abschiednehmen vor und am Wochenende fand das Abschiedsspiel der Abiturienten statt. Die Lobby der Hockeyarena war mit den Farben der Trojans dekoriert und es gab Leckereien. Als eine der Seniors durfte ich unter Scheinwerferlicht auf dem Eis eine Ehrenrunde drehen während meine harte Arbeit über die letzten Monate über wertgeschätzt wurden. So traurig es auch war der Hockeyarena den Rücken zu kehren, so unglaublich wertvoll sind die Erinnerungen, die ich mit einem tollen Team machen durfte. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Der Februar kam und mit ihm das große Konzert des Musikdepartments der High School. Die Schulband, das Schulorchester und die beiden Schulchöre präsentierten ihr hart erarbeitetes Repertoire der letzten Monate. Als Mitglied der Schulband und des Schulchors durfte ich das kribbelige Gefühl, sich durch Musik Gehör zu verschaffen, gleich zweimal erleben. Direkt nach dem Konzert wurde ich mit einem großen Plakat vor der Mehrheit der Schulbandmitglieder zum Abschlussball – „Prom – gefragt. Ich war super überrascht, aber echt glücklich und sagte natürlich „Ja“.
Die Zeit bei meiner zweiten Gastfamilie, den Shreiners, neigte sich langsam aber sicher dem Ende zu. Doch zuvor würden wir gemeinsam noch ein unvergessliches Erlebnis haben: Ein Ski Trip in die Black Hills South Dakotas. An jenem Freitag bekamen meine Gastschwester Maddy und ich schulfrei und starteten mit Freunden meiner Gastfamilie und meinen Gasteltern frühmorgens in unser Skiabenteuer in den Mittleren Westen. Alleine die Fahrt dorthin war abenteuerlich. Auf den geraden Straßen in Minnesotas Nachbarstaat South Dakota entschieden meine Gasteltern mutig zu sein und mich Autofahren zu lassen. Es war eine echt gute Erfahrung. Keine Sorge, alle kamen lebend an. Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch das Wort „Tumbleweed“ kennen, was so viel bedeutet wie „Wüstenläufer“. Warum? Na, South Dakota ist so ziemlich flach und somit hat der Wind die Chance kräftig zu wüten. Da wird auch das ein oder andere Sträuchlein umgeweht und mitgerissen und betritt den Schauplatz als Wüstenläufer.
Angekommen in unserer Hütte in den Bergen, sahen wir gleich einige Rehe, die in der Dämmerung herauskamen. Am nächsten Morgen ging es gleich auf die nahegelegene Skipiste. Um ehrlich zu sein, war ich vorher noch nie Skifahren. Hatte ich das ganze Equipment also einmal an, gab es kein Zurück mehr. Die härtesten Fälle musste ich auf dem „Häschen-Hügel“ einstecken, dem Hügel für die Beginner.
Mit den Freunden meiner Gasteltern fand ich mich allerdings kurz darauf im Skilift auf die Spitze des Berges zusteuernd. Jetzt ging es nur noch nach vorn. Mutig stürzte ich mich den Skiabhang hinunter und fiel überraschenderweise nur zwei, dreimal. Am Ende des Tages war ich echt froh, dass ich mich getraut habe und zur Belohnung besaß ich noch alle Gliedmaßen. Jetzt aber ohne Spaß, für die Geduld und Ermutigungen war ich meiner Gastfamilie echt dankbar. Der nächste Tag versprach genauso ein Abenteuer zu werden. Denn ein langersehnter Traum würde für mich wahr werden: Der Besuch des Nationaldenkmals Mount Rushmore in den Black Hills. Der wohl berühmteste und patriotischste Felsen in den USA, in welchem die Gesichter der vier großer Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Teddy Roosevelt und Abraham Lincoln gemeißelt sind. Für mich wurde ein Traum wahr und ein weiteres unvergessliches Erlebnis wurde in mein Reisetagebuch aufgenommen.
An dieser Stelle würde ich mich gerne bei meiner Gastfamilie, den Shreiners, für drei Monate voll mit Abenteuern bedanken: Eishockeysaison, Weihnachten, meinen Road Trip nach Wisconsin und Skifahren in den Black Hills South Dakotas. Hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, dass ich diese ganzen Erfahrungen machen darf, hätte ich mir wahrscheinlich so etwas wie ,,träum weiter’’ gedacht. Aber nein, ich bin wirklich hier und ich darf diesen Traum wirklich leben. Unter anderem durch meine Gastfamilie, die mir die vielen Möglichkeiten gezeigt hat. Dafür bin ich dankbar.
Lilo Herzig möchte ich nun alles Gute für ihr bevorstehendes Schuljahr hier an der Worthington High School als Austauschschülerin für das kommende Schuljahr 2017/2018 wünschen und hoffe, dass ihr Abenteuer bevorstehen wie ich sie hier erleben darf.

Bis zum nächsten Mal, Crailsheim!

Johanna Andrejew

Austauschschülerin Johanna Andrejew berichtet:

Johanna Andrejew mit ihrer Gastfamilie im Stadion. Bild: Johanna Andrejew.

Hallo Crailsheim,

hier melde ich mich wieder zurück aus dem mittlerweile frühlingshaften Worthington.
Um aber nichts zu überspringen möchte ich Euch vorher noch von meinem Jahresabschluss berichten. Am Tag vor Heiligabend bekamen wir Schüler endlich unsere langersehnten Weihnachtsferien. Verwandte meiner Gastfamilie trafen am selben Abend auch noch ein und mein Gastbruder Mitchell kehrte von seinem College für die Winterpause heim. Um richtig in Weihnachtstimmung zu kommen besuchten wir am Morgen des Heiligen Abends ein traditionell jährlich stattfindendes Eis Hockey Spiel mit allen ehemaligen Hockey Spielern der High School in Worthington und sahen uns als Familie gemeinsam das Festtags Football Spiel im TV an. Um fünf ging es in die Kirche. Kirche fühlte sich hier sehr familiär und modern an. Als kleine Gemeinde saßen wir in einem ehemaligen Tanzstudio im Zentrum der Stadt um ein wunderschönes Kaminfeuer, sangen gemeinsam, lauschten der Weihnachtsgeschichte und ließen den Geist der Weihnacht einfach wirken. Durch den leise rieselnden Schnee, der nun die Straßen Worthingtons bedeckte, durfte ich meine Gastfamilie nach Hause fahren um meine Fahrkünste zu praktizieren.
Zu Hause angekommen hatten wir ein frugales Mal, bevor es ans Geschenkeauspacken ging. Eigentlich war ich immer überzeugt gewesen, dass Amerikaner ihre Geschenke am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages öffnen doch die Erfahrung zeigt, dass es den europäischen Weg in den USA auch gibt. Wenn ich gerade schon von Traditionen spreche: am Abend des 24. stellten wir Kinder ein großes Glas Milch und einen Teller voller Plätzchen neben den Tannenbaum falls Santa Claus vorbei kommen sollte. Das schönste Geschenk, das ich zu Weihnachten bekam, war meine Fahrerlaubnis. Bis zu meinem tatsächlichen Führerschein würde ich noch ganze sechs Monate warten und bis dahin fleißig Autofahren üben, aber es war auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Mit meiner Gastfamilie und ihren Verwandten durfte ich einen wirklich wunderschönen amerikanischen Heiligen Abend erleben.
Am Morgen des 25. Dezembers wurde ich früh von der sanften aber etwas schlabbrigen Zunge CJs, dem Hund meiner Gastfamilie, geweckt. Ich fragte mich nur – nein, warum nur 7.30? Aber bald darauf wurde mir erklärt, dass die Geschenke von Santa Claus noch nicht ausgepackt worden waren, weil sie erst über Nacht ankamen. Und so wurde mir so einiges klar.
An den Weihnachtsfeiertagen standen wir die Vormittage über in der Küche und bereiteten unseren Festtagsschmaus vor. Mir wurde dabei die Aufgabe erteilt, einen ,,Cranberry Salat’’ zuzubereiten. Ich schnippelte Cranberrys in kleine Stücke und wälzte sie in Zucker um das ganz dann mit Sahne und Frischkäse zu mischen. Es lässt mich immer wieder schmunzeln, was Amerikaner unter dem Begriff Salat verstehen.
Die einwöchigen Weihnachtsferien verbrachte ich hauptsächlich mit meiner Gastschwester Maddy und unserem Eishockeyteam in der Eishockey Arena, um unsere überschüssigen Pfunde, die wir über das Weihnachtswochenende angelegt hatten, wieder weg zu trainieren. Das klappte ganz gut. Mein Jahr endete mit einem großen Wunsch, der für mich in Erfüllung ging: Nach einem unserer High-School-Eishockey Spiele ging es für meine Gastfamilie und mich nach St. Paul, die Hauptstadt Minnesotas, um ein professionelles Hockeyspiel der „Minnesota Wild“ zu besuchen. Es ist das eine Event für einen Austauschschüler in Minnesota. Ein Highlight. Auf der Fahrt dorthin war ich zappelig ohne Ende und als ich die Arena betrat, war ich einfach nur platt. Während des ganzen Spiels saß ich kerzengerade in meinem gepolsterten Sitzplatz und saugte die komplette Atmosphäre in mir auf. Das Spiel zu sehen war definitiv eines meiner Highlights bisher.
Plötzlich stand das Jahresende bevor: An Silvester war ich mit meiner Gastmama und meiner Gastschwester im nahegelegenen Sioux Falls unsere Endjahreseinkäufe tätigen. Als wir zurückkamen duftete das Haus nach chinesischem Neujahrsessen und Frühlingsrollen. Den Abend verbrachten wir ruhig zu Hause – ganz ohne Feuerwerk, denn das ist hier untypisch an Silvester. Zuvor hatte ich von dem „BallDrop“ am New Yorker Times Square gehört und den sahen wir uns live im TV an. Allerdings nicht um Mitternacht sondern um 11 Uhr. Aufgrund der Tatsache, dass die USA vier Zeitzonen hat, wird in den USA auch in jeder dieser Zeitzonen das neue Jahr begrüßt. Und für jede Zeitzone gibt es eine besondere Tradition. So ist es für die Östliche Standardzeit das Herunterlassen eines leuchtenden Lichterballs am Times Square in New York. Für die Zentrale Standardzeit, der Zeitzone, der auch Minnesota angehört, das Herunterlassen des berühmt leuchtenden Symbols der Fleur de Lille in New Orleans, einer der größten Städte in den Südstaaten. Und somit rutschte ich ins neue Jahr.
Der Beginn des neuen Jahres war noch immer mit einigen Eishockeyspielen verbunden und gnadenlosem Training. Doch ich merkte jetzt zunehmend wie ich mich in den beiden letzten Monaten verbessert hatte. Langsam bekam ich ein Gefühl für das Eislaufen und lernte mir persönlich immer mehr zu vertrauen und zu zutrauen. Zu Beginn des Jahres erzielte ich schließlich mein allererstes Tor während unserer Trainingszeit und das machte mich besonders stolz.
Mit dem neuen Jahr starteten auch neue Unterrichtsfächer: Neben Schulband und Chor, bekam ich ein Fach hinzu in dem man eigene Designs und T-Shirt Drucke entwerfen konnte, hier kurz Trojan Textiles genannt. Außerdem stand mir einiges an Mathe in diesem Quartal bevor: Ich belegte einen Algebra-Kurs und ein Fach mit dem Namen Engineering, in welchem man sein eigenes Modellflugzeug baut und ein Brückendesign entwirft. Engineering verwandelte sich schnell in mein neues Lieblingsfach, aufgrund der Tatsache, dass man sich selbst ausprobieren konnte.
Am 16. Januar wurde der Martin Luther King Day gefeiert. Ein Tag um Martin Luther King zu gedenken und zu schätzen wie er sich bemüht hat Veränderung zu bringen. Mitte Januar wurde es abenteuerlich, als Donald Trump als neuer Präsident eingeweiht wurde. Während des gesamten Schultags sahen wir in so gut wie jedem Fach ein anderes Stück der Einweihung. Für mich war es einfach beeindruckend wie selbstverständlich es war, dieses Stück Geschichte doch live und aktiv mitzuerleben.
Ich bin gespannt wie die Einweihung des neuen US Präsidenten in meiner Heimat erlebt wurde.

Bis bald,
Aus Worthington

Johanna Andrejew

Austauschschülerin Johanna Andrejew berichtet:

Johanna Andrejew wurde zur "Snowcoming Queen" gewählt. Foto: privat

Hey Crailsheim,

hier bin ich wieder mit einem Rückblick auf zwei weitere erlebnisreiche Monate in Worthington. Seit meinem letzten Brief ist einiges passiert. Gleich zu Beginn des Novembers war die große Präsidentschaftswahl in den USA, die einige Kontroversen aufbrachte. In der Schule wurde uns Schülern unzählige Möglichkeiten gegeben unseren Gedanken bezüglich dem Ausgang der Wahl Ausdruck zu verleihen. Ich persönlich war allerdings ziemlich sprachlos und das lag nicht an der möglichen Sprachbarriere.
Das zweite viertel des Schuljahres hier auch „quarter“ genannt begann und damit auch neue Schulfächer. Ich behielt meinen Kurs in amerikanischer Geschichte und besuchte weiterhin die Schulband und den Schulchor unter anderem weil ich einige echt gute Freundschaften geschlossen hatte. Neu in meinem Stundenplan waren nun Amerikanische Literatur sowie Bildende Kunst welches mein heimlicher Favorit war. Am 11. November ist in den USA jährlich der „Veterans day“ an welchem man den im Krieg Dienenden mit einem Ehrenprogramm an der Schule gedenkt. Ich durfte vor der versammelten Schülerschaft auch etwas vorlesen was mir zuerst zwar ziemlich gruselig vorkam, ich aber im nachhinein unglaublich froh war den Mut dafür aufgebracht zu haben denn es war eine einmalige Erfahrung. Am selben Abend öffnete das Auditorium den roten Vorhang für das Herbst Theaterstück „Totally Red“ . Es war ein voller Erfolg und gemeinsam mit dem Ensemble hatte ich unvergessliche Augenblicke während der Probezeit, auf der Bühne und Backstage beim Vorbereiten sowieso.
Zu Thanksgiving  ging es zu der Großfamilie von Skyla. Ich lernte meine amerikanischen Gastkousinen kennen, sah mir das traditionelle Footballspiel zwischen den Minnesota Vikings und den Greenbay Packers (den Feinden aus dem Nachbarstaat) an und probierte mich durch die Haufen an unglaublich gutem Essen. Am folgenden Abend ging es mit meiner Gastschwester Skyla und einer Freundin auf einen nächtlichen Shoppingtrip in Sioux Falls, denn der Black Friday stand bevor und Amerikaner drehen an diesem Tag traditionell immer durch. Nicht nur was das Shopping angeht sondern auch das aussuchen ungewöhnlicher Uhrzeiten – um halb zwei Uhr nachts waren wir fertig.
An diesem Wochenende stand mein Umzug in meine neue Gastfamilie, den Shreiners, bevor. Hier fühle ich mich seit dem ersten Tag an wie zu Hause. Vielleicht liegt es daran dass ich hier  das Mittelkind bin mit zwei Geschwistern und einem Familienhund – so wie in Crailsheim. Mit meiner Gastschwester Madisyn bin ich im Ice Hockey Team der High School in welchem wir als Team täglich hart trainieren. Meine Gasteltern, Melissa und Cliff leiten eine Truckfirma in Worthington und unterstützen michseit meinem ersten Tag an, was ich ziemlich schätze. Ende November bestand ich meine theoretische Fahrprüfung für meinen amerikanischen Führerschein gleich beim ersten Anlauf worauf ich zugegebenermaßen ziemlich stolz drauf war. Von nun an muss Worthington also einen weiteren deutschen Fahrschüler auf seinen Straßen erdulden – und das koste ich täglich aus. Meine Gastfamilie unterstützt mich dabei mit Auto und Truck. Am 1. Dezember saß ich also zum ersten mal hinter dem Lenkrad des GMCs meiner Gastmama und fühlte mich großartig aber auch ein bisschen planlos. Geübt wurde auf den ruhigen Landstraßen bevor ich in die Stadt gelassen wurde. Aber einmal ausprobiert war ich nicht mehr aufzuhalten. Ich verlangte beinahe als Chauffeur zu agieren. Mein Dezember war geprägt durch ungewohntes Autofahren auf den eisigen Straßen und den ersten Schnee Minnesotas den ich als Austauschschüler mitbekam sowie Wochenenden an denen einfach nur gebacken wurde um den diesjährigen Plätzchenvorrat für Weihnachten zu decken. Für meine Gastfamilie bastelte ich einen Adventskranz um diese deutsche Tradition etwas zu verbreiten (In den USA gibt es nämlich so gut wie keine Adventskränze zu kaufen) - und es wirkte tatsächlich, denn jeden Sonntag im Dezember zündeten wir gemeinsam eine Kerze an. In meinem letzten Brief habe ich von der „Homecoming Week“ an der Worthington High School erzählt anlässlich des Schulbeginns im September. Jetzt im Dezember fand nun zum Allerersten Mal die „Snowcoming Week“ statt. Um die Vorfreude der Schüler auf Weihnachten zu entfachen gab es auch in dieser Woche einige Kostümtage sowie Lunchaktivitäten während des Mittagessens. Die Sportaktivitäten in dieser Woche standen natürlich alle unter dem Motto der Snowcoming Week ( Ice Hockey Spiele, Basketballgames und Tanz Wettbewerbe). Der Sinn hinter dem Ganzen ist den Augenblick zu genießen, in Weihnachtsstimmung zu kommen und den Schulalltag etwas aufregender zu gestalten. Das Highlight während der „Snowcoming Week“ war das Krönen des Snowcoming Kings und seiner Snowcoming Queen am Ende der Woche. Die möglichen Kandidaten für diese Wahl wurden eine Woche zuvor von den Schülern bestimmt und zu einem „Royal Court“ gewählt in welchem auch ich persönlich neben 17 anderen Schülern gewählt worden war). Während der „Snowcoming Week“ hatten die Schüler dann die Möglichkeit online abzustimmen. King und Queen sollten diejenigen Schüler werden die sich in einem Sport aktiv engagiert haben oder einem Club einer außerschulischen Aktivität besonders viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht hatten und sich somit als Repräsentant der Schule verdient gemacht haben. Es war eine ereignisreiche Snowcoming Week  und ich hatte nicht erwartet dass irgendetwas die vergangene Woche noch toppen könnte. An diesem Freitagnachmittag stand ich plötzlich in der Schulsporthalle mit der Snowcoming Queen Krone auf dem Kopf und dem Snowcoming King an meiner Seite und wusste dass dies einer dieser Momente ist den man nicht so leicht vergessen würde. Als Austauschschülerin Worthington High Schools allererste Snowcoming Queen zu repräsentieren war schon eine coole Sache und eine ganz schöne Ehre für mich. Die Unterstützung von so vielen Freunden die ich in diesem Moment spürte gab mir ein echt warmes Gefühl bei den Minusgraden die in Worthington herrschten und eine Wärme die mich durch den ganzen Dezember hinwegtrug.
In meinem nächsten Brief berichte ich wie ich mein amerikanisches Weihnachten erlebe und was Amerikaner an Silvester so treiben.
Bis dahin,

Eure Austauschschülerin für Worthington 2016/2017

Johanna Andrejew

Das erste Silvester mit Raketen

Dominic mit Familie Kern, Freunden seiner Gastfamilie Krasser, beim Essen. Foto: Privat

Seit Ende Juli ist Dominic Burns aus Worthington als Austauschschüler in Crailsheim. Nach fast sechs Monaten in Deutschland hat er schon viele Eindrücke gesammelt. Regelmäßig lässt er die Crailsheimer an seinen Erlebnissen teilhaben.

Hallo Crailsheim,

meine letzten drei Monate in Crailsheim waren etwas weniger bewegt als die ersten drei. Das heißt aber nicht, dass nichts bei mir los war: In der ersten Novemberwoche bin ich meiner zweiten Gastfamilie, der Familie Krasser, zum Europa Park gefahren. Normalerweise mag ich keine Achterbahnen, aber das machte nichts. Ich fuhr die Achterbahnen und „bangte um mein Leben“, aber mein Gastvater versicherte mir, dass alles sicher sei.

Ich habe Fechten als mein neues Hobby entdeckt, was mit wirklich Spaß macht. Es ist mein Lieblingshobby in Deutschland geworden.
Von meiner Gastfamilie wurde ich zu einem typisch deutschen Weihnachtsfest eingeladen. Es war anders für mich, drei Tage zu feiern.
Nach Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie nach Stuttgart gefahren. Dort habe ich mir neue Hosen gekauft und mich damit selbst beschenkt.
In den Weihnachtsferien war ich mit meiner ersten Gastfamilie, den Hanselmanns, Schlittenfahren und habe das Steiff-Museum besucht. Das Steiff-Museum gefiel mir sehr gut.
Silvester war neu für mich. In Minnesota haben wir keine Raketen – das Wetter ist meistens zu schlecht. Mit dem Feuerwerk fand ich es aber sehr schön.
Die Schule gefällt mir gut, auch wenn meine Noten nicht so gut sind. Mein Deutsch wird langsam besser, aber ich kann beispielsweise nicht „Fechten“ aussprechen. Das „Ch“ ist sehr schwer für mich.
Die erste Hälfte meines Aufenthalts ist nun vorbei. Ich hoffe, dass die zweite Hälfte ebenso gut wird.
Viele Grüße Crailsheim und noch ein glückliches neues Jahr!

Euer Dominic Burns

Austauschschüler Dominic Burns berichtet:

Dominic Burns (rechts) mit seiner Gastfamilie, Alicia, Nick, Christel und Tom Hanselmann (von links) beim Volksfestumzug.
Foto: privat

Hallo Crailsheim,

Mein Name ist Dominic William Burns und ich bin der neue Austauschschüler aus Worthington. Ich bin nun seit fast drei Monaten in Deutschland  und es gefällt mir sehr gut hier. Im Moment wohne ich noch in Wittau bei Familie Hanselmann. Dazu gehören meine Eltern Bernd und Christel, meine Schwester Alicia – das finde ich toll, denn in Amerika habe Ich nur vier Brüder – sowie mein Brüder Tom und Nick.
Mit meiner Gastmutter und meinem „kleinen“ Bruder Nick habe ich gleich in meiner zweiten Deustchlandwoche  Norderney besucht. Wir sind mit der Eisenbahn gefahren. Das war eine tolle Erfahrung für mich, mit einem Zug zu verreisen. In Norderney war es sehr schön, auch wenn es die meiste Zeit geregnet hat. Dort bin ich zum ersten Mal auf einem Surfbrett gestanden. Eine sehr wacklige Sache. Am Ende der Ferien sind wir noch in Südtirol gewesen. Dort habe ich zum ersten Mal richtige große Berge gesehen und wir sind viele Berge hoch und runter gelaufen. Da konnten wir viele schöne Ausblicke genießen.

Danach ging die Schule für mich los. Ich hatte etwas Angst vor dem ersten Schultag. In Amerika habe ich meine Schulfreunde, aber in Crailsheim, in der Realschule zur Flügelau, habe ich noch niemand gekannt. Aber meine Klassenkameraden waren alle gleich sehr nett zu mir und haben mir viel geholfen. Mit meiner Klasse durfte ich auch schon bald nach London fahren. Ich war sehr beeindruckt vom Parlamentsgebäude, dem London Eye und den vielen alten Häusern in London. Ich habe in dieser Zeit „fast food“ zu mir genommen Hat mich ein wenig an Amerika erinnert. Und dann war da noch das Volksfest. Jeder hat schon darüber gesprochen, aber ich habe es mir nicht so groß und toll vorgestellt. Ich denke, Volksfest wird auch meine Lieblingszeit. Beim Riesenrad fahren konnte ich das ganze Volksfest von oben anschauen und die vielen Menschen, die dort gelaufen sind. Die Leute waren alle nett und lustig und das Essen was sehr lecker. Bei dem Festumzug habe ich mich gefreut, dass so viele Crailsheimer mir zu gewunken haben. Ich mag die Leute aus Crailsheim.

Nach dem Volksfest habe ich angefangen mit Leichtathletik.  Ich laufe sehr gerne. Außerdem gehe ich noch zum Fechttrainig mit Johanna´s  Brüdern. Und ich spiele in der Jugendkapelle Crailsheim Baritonsaxophon mit. Das macht mir alles viel Spaß und ich lerne dadurch auch viele neue Leute kennen.

Meine Zeit in Crailsheim vergeht sehr schnell und ich fühle mich sehr wohl hier in Crailsheim.
Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mir bis jetzt geholfen und mich unterstütz haben, dass ich mich in meiner neuen Heimat Crailsheim wohl fühle.

Viele Grüße Dominic Burns

Johanna Andrejews erster Bericht aus der Partnerstadt:

Johanna Andrejew und ihre Gastschwester Skyla Rautenkranz in der „Homecoming Week“ an der Worthington High School. Foto: privat

Hey Crailsheim,

hier ist Johanna Andrejew, Eure Austauschschülerin in Worthington für 2016/2017.
Meine ersten drei Monate in unserer amerikanischen Partnerstadt waren bereits unvergesslich für mich. Den Städten Crailsheim und Worthington möchte ich deshalb für diese Möglichkeit danken, es ist etwas ganz besonderes.

Mein amerikanisches Abenteuer startete am 4. August als es am Frankfurter Flughafen Abschied nehmen hieß. Mit Skyla, meiner amerikanischen Gastschwester, ging es im Flieger über den Atlantik zum Flughafen in Minneapolis-Saint Paul in Minnesota.
Die letzten Tage vor der Abreise waren ziemlich aufregend gewesen wegen Willkommens und Abschiedspartys aber das was jetzt vor mir lag, würde alles übertreffen. Am späten Nachmittag des 4. Augusts wurden Skyla und ich am Flughafen in Minneapolis von Skylas Eltern und somit meinen Gasteltern Jean und Jason Johnson empfangen und fest umarmt. Allein die dreieinhalb stündige Fahrt in mein neues zu Hause in Worthington war ein Abenteuer an sich, denn ich bekam dieses amerikanische Gefühl von Weite und Größe zu spüren. Wie denn bitte das? Auf dem Weg hielten wir an um das größte Süßwarengeschäft in Minnesota („Minnesota‘s largest CandyShop“) zu erkunden, welches von Maisfeldern umgeben irgendwo im nirgendwo stand. Überrascht entdeckte ich dort sogar deutsche Milka Schokolade welche ich für die nächsten Monate sicherlich vermissen würde. In Crailsheim hatte Skyla mir von den atemberaubenden Sonnenuntergängen Minnesotas erzählt und gleich an meinem ersten Abend stellte ich fest: sie hatte recht.

Bereits am ersten Samstag nach unserer Ankunft, organisierten Jean und Jason eine Willkommensparty für Skyla und mich. Dabei lernte ich Skylas Familie (welche übrigens nicht gerade klein ist) und einige ihrer Freunde kennen. Am Tag darauf ging es mit Komiteemitgliedern rund um Janice Berger und Lon Lien im Bus nach Minneapolis zum Flughafen um die Besucher der Crailsheimer Bürgerreise abzuholen. Es war ein richtiger Road Trip im Bus. Für mich war es eine tolle Gelegenheit diese eine Woche voller Programm mit den Crailsheimern zu erleben weil ich somit  Worthington und seine Umgebung kennenlernen konnte. So besuchten wir das Memorial Auditorium welches mittlerweile als Bühne für Schulaufführungen wie Musicals und als Kino dient. Wir erkundeten das große Schlachthaus JBS (welches der Hauptarbeitgeber ist) sowie das Police und Fire Department in Worthington. Egal wo wir Besucher aus Crailsheim unseren nächsten Besuch abstatteten, überall wurden wir freundlich begrüßt. Mein Highlight der Woche war der tägliche Ritt im quietschgelben amerikanischen Schulbus. Das war eine der besten Erfahrungen neben der Prärie-Safari bei welcher wir echte Büffel sahen. Der Höhepunkt der Woche war die Einweihung des 2. Teils der Brücken Skulptur (entworfen von Axel Huss, einst selbst Austauschüler aus Crailsheim) in Worthingtons „Chautauqua Park“, welche die Freundschaft zwischen Worthington und Crailsheim seit so vielen Jahren beschreibt, verbindet und stärkt.

Der Abschiedsabend fand bei meiner Gastfamilie statt nachdem die Crailsheimer Besucher einen sonnigen Augustnachmittag am Okabena See bei Janice & Alan Oberloh verbracht haben. Gemeinsam blickten wir auf eine ereignisreiche Woche zurück und nach vorn auf noch mehr Jahre Städtefreundschaft bevor es am Sonntagmorgen für die Crailsheimer Bürger weiter nach Cuero (Worthingtons Partnerstadt in Texas) ging.

Ein genialer Zufall war es dass ich diese Woche in Worthington miterleben durfte und dafür möchte ich Danke sagen.
Gleich in der darauffolgenden Woche begann für mich das Tennis Training der High School. Jeden Vormittag trainierte ich mit meinen neuen Tenniskameradinnen auf den Tennisplätzen. Als Team sind wir dabei ziemlich gut zusammen gewachsen und dass bereits bevor die Schule begann. Ein Highlight meines Sommers waren definitiv die Autorennen in der Nähe von Sioux Falls die ich mit meiner Gastfamilie, den Johnsons, besuchte. Obwohl ich mich nie wirklich für Rennautos interessiert habe (ich war mehr der rosa „Feentyp“, um ganz offen zu sein) habe ich beim Zusehen der rasenden Autos doch echt Spaß gehabt. Ich habe schnell gemerkt, dass das Autorennen für meine Gastfamilie eine richtige Leidenschaft ist und der Funke ist zumindest ein bisschen übergesprungen.
Ein weiterer Höhepunkt im August war der Besuch eines original amerikanischen Baseball-Spiels in Sioux Falls und ein Lagerfeuer mit meinen Tenniskameradinnen welches hier auch „Bonding“ (Darunter versteht man das Zusammenwachsen als Team.) genannt wird. Das und ein weiterer „amerikanischer Brauch“, den ich so noch nicht kannte war das Fall Sports Kick Off in der High School bei dem allen Schülern die Sportteams für den Herbst vorgestellt wurden.
Mein erster, bereits unvergesslicher Monat hier in Worthington, endete mit meinem 16.Geburtstag. Meine Gastfamilie organisierte eine kleine Geburtstagsparty für mich mit meinen Tenniskameradinnen zu Hause und gemeinsam hatten wir einen tollen Nachmittag. „Sweet 16“, wie die Amerikaner sagen, ist eine echte Erfahrung und das klischeehafte Denken, welches der ein oder andere habe dürfte, über die klebrigen amerikanischen Torten, zuckrigen Muffins und süßen Desserts ist berechtigt, denn es stimmt.

Der September begann für mich und meine Gastfamilie mit einem Campingwochenende neben einer Autorennbahn. Ganze drei Tage verbrachten wir dort und besuchten abends die Autorennen in Jackson. Mittlerweile bin ich selbst begeisterter Fan davon.
Zur Einstimmung auf das bevorstehende Schuljahr traten am letzten Sonntagabend in den Ferien Juniors, Schüler der elften Klasse, gegen Seniors, Schüler der zwölften Klasse, in einer Partie Kickball gegeneinander an. An der Worthington High School ist das so Tradition, wie ich bald herausfand. Kickball verfolgt die gleichen Regeln und dasselbe Ziel wie Baseball, der einzige Unterschied: der Ball wird nicht geschlagen, sondern wie ein Fußball gekickt. Meine Gastschwester Skyla stellte mich ihren Freunden vor und ich lernte an diesem Abend einige meiner zukünftigen Klassenkameraden kennen. Am Dienstag darauf war es dann soweit: An meinem ersten Schultag an der Worthington High School lernte ich eine Menge neuer Leute kennen und entdeckte haufenweise Unterschiede zu meinem Schulalltag in Deutschland. Angefangen damit, dass in jedem Klassenzimmer mindestens eine amerikanische Flagge hängt und jeden morgen vor der Schule ein Versprechen der Treue (auf Amerikanisch „Pledge of Allegiance“) abgegeben wird. Dabei stehen alle auf und sprechen im Chor mit der rechten Hand auf der linken Seite der Brust der USA ihre Treue. Als Austauschschüler ist das sicher eine der überraschendsten Unterschiede und definitiv ein Erlebnis. Eine weitere Tradition an amerikanischen Schulen ist die „Homecoming Week“, in welcher der Beginn eines neuen Schuljahres gefeiert wird, indem eine Woche lang der Schoolspirit (Schulstolz) im Vordergrund steht. Das Schulsymbol der Worthington High School ist ein Trojaner und deshalb heißen alle Sportler der Worthington High School „Trojans“. Während der Schulzeit gibt es Aktivitäten und „Dress Up Days“, an denen man sich verkleidet – mal kommt man im Schlafanzug in die Schule, mal als Hippie, mal ganz in den Farben der Trojans (schwarz, weiß und rot), um den Schulstolz zu zeigen. Traditionell endet die „Homecoming Week“ mit dem „Homecoming Footballgame“, das natürlich um jeden Preis gewonnen werden möchte. Das Motto dieses Jahr war „ Krieg um Troja: Wir ändern die Geschichte“ und es stimmt, denn wir Trojans gewannen das bedeutende Spiel. Eine der schönsten Erfahrungen für mich in dieser Woche war es, unser Footballteam gemeinsam mit der Schulband, in der ich Saxophon spiele, zu unterstützen. Als Band saßen wir während des Spiels in den Fan-Reihen der Zuschauer und triumphierten jedes Mal laut wenn die Trojans einen Punkt holten.
Zur gleichen Zeit wie das Volksfest in Crailsheim feierten wir in Worthington den King Turkey Day. Anlässlich, um Traditionen wie das Truthahnrennen, den Lauf um den See und die Parade zu feiern, ist dieser Tag ziemlich besonders in Worthington. Ich hatte das Glück, besonders involviert in die verschiedensten Feierlichkeiten zu sein. Mit meiner Gastfamilie besuchte ich den „Majors Brunch“ am Morgen, marschierte in der alljährlichen Parade mit der Schulband durch die Straßen am Vormittag und fuhr gemeinsam mit Skyla in unserem selbst erbauten Festwagen, der das Miniformat der Brückenskulptur sowie die Flaggen der deutsch-amerikanischen Freundschaft trägt, ein weiteres Mal durch Worthington. Daher weiß ich nun, wie das „amerikanische Volksfest“ in Worthington aussieht.
In den darauffolgenden Wochen kehrte der Schulalltag ein und ich gewöhnte mich an die anderen Schulzeiten – hier beginnt die Schule um acht Uhr, jeden Mittwoch allerdings eine halbe Stunde später wegen der wöchentlichen Lehrerkonferenz – und meinen Stundenplan. Meine Schulfächer für die ersten drei Monate sind neben Amerikanischer Geschichte und Spanisch auch der Chor der Schule und die Schulband. Jedes meiner Fächer ist spannend, hauptsächlich, da es so ganz anders ist verglichen zu dem, was ich vom normalen Schulalltag kenne. Besonders begeistert aber bin ich von Amerikanischer Geschichte, da man einfach so tief in das Fach eintaucht und wir den aktuellen Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um den Platz im Weißen Haus täglich im Unterricht verfolgen.
An den Wochenenden in September waren wir jeden Samstag mit der Schulband unterwegs, um in den umliegenden Städten unsere Parade zu präsentieren. Obwohl das ganze Aufbauen, Präsentieren und dann schnell Abbauen mit Stress verbunden war, war es ein großer Spaß, besonders da man ja mit seinen Freuden unterwegs ist. Ende September bekam meine Gastfamilie Besuch von Thomas Keller, Skylas Gastvater und ein guter Freund aus Crailsheim. Gemeinsam sahen wir uns ein Eishockey-Spiel in Sioux Falls an, das signalisiert, dass die Hockeysaison beginnt und somit der Winter vor der Türe steht. Am 30. September endete die Tennissaison, was mich ziemlich traurig machte, da ich eine geniale Zeit mit meinen Tennismädels hatte und wir gute Freunde geworden sind, was den Abschied erschwerte.
In den Oktober startete ich mit weiteren Umzügen, die ich gemeinsam mit der Schulband der Worthington High School bestritt. Die Paraden sind hier eine wichtige Sache, denn an jedem Umzug werden die Leistungen der verschieden Schulbandbands in einem Wettbewerb bewertet und als Vertreter seiner Schuler hofft man natürlich, eine möglichst gute Bewertung zu erzielen, um seine Schule bestmöglich zu repräsentieren.
In Worthington bin ich bei weitem nicht die einzige Austauschschülerin. Ganz im Gegenteil. Die High School hat jedes Jahr mehrere Austauschschüler zu Gast und so lernte ich zwei Schüler aus Deutschland und Norwegen kennen, mit denen es immer Spaß macht, sich über die vielen Unterschiede auszutauschen. Um nur einen weiteren Unterschied zu nennen, das „Fotoshooting“, hier als „Senior Pictures“ bekannt, welches jeder Zwölftklässler an der High School macht, ist auch eine der Traditionen –und so hatte auch ich meines mitten im Oktober. An diesem Tag putzt man sich heraus, um Erinnerungsfotos speziell beim Fotografen zu schießen und ich hatte das große Glück, dass das Wetter an diesem Tag unglaublich schön herbstlich war.
An den Wochenenden nutzte ich die Eishockey Arena in Worthington, um mit meinen Freunden Schlittschuh zu laufen. Meine Freundinnen haben mich dazu überredet Eishockey als Wintersport zu betreiben, zumal Eishockey als Sport ziemlich aufregend ist. Den letzten Kick hat mir dann das Eishockey-Spiel in Sioux Falls gegeben und schon bald durfte ich die Hockey Ausrüstung von der High School leihen und kaufte mir einen Mundschutz unter der Beratung meines Gastvaters Jason.
Mitte Oktober war es dann soweit: Für eine kurze Woche ging es quer durchs Land und ich würde Amerika so richtig kennenlernen. Direkt zum Wochenendbeginn ging es im Auto mit meinen Gasteltern Jean und Jason sowie meiner Gastschwester Skyla nach Kansas City. Die Fahrt war recht lang denn wir fuhren durch ganz Iowa und einen großen Teil von Kansas. So bekam ich ein Gefühl von  der berühmten Weite des „mittleren Westens“. Ein letztes Mal würde für mich ein Wochenende ganz im Sinne von „Rennautos auf Asphalt“ stehen. Ich genoss die Autorennen mit meiner Gastfamilie die sich als riesiges Event herausstellten, denn die Rennbahn in Kansas City war gigantisch. Es war ein wahrhaft amerikanisches Erlebnis für das ich meiner Gastfamilie echt dankbar bin. Gleich am Montag nach den Autorennen katapultierte uns ein Flugzeug weiter in das sonnige und ungewöhnlich warme Los Angeles. Der Grund für diese Reise: ein Collegebesuch meiner Gastschwester stand an. In Los Angeles besuchten wir den Hollywood Boulevard und bekamen das Chinese Theater sowie das Dolby Theater, in dem die alljährliche Oscar-Verleihung stattfindet, zu Gesicht. Die vielen Lichter der Stadt und das nie Stillstehen sowie die Hoffnung von so vielen, berühmt zu werden in der „Traumfabrik“, beeindruckte mich. Wenn man schon einmal in L.A. ist, dann muss man einfach ein paar Promi-Häuser „stalken“. Wir machten das professionell mit einer Bustour durch Hollywood, Beverly Hills und Bel Air(die armen Stars). Die Strände in und um Los Angeles sind wunderschön wie wir feststellten und es war einfach ein geniales Gefühl, sich in die salzigen, aufbrausenden Wellen des Pazifiks zuwerfen – ganz ohne Surfbrett. Das Schönste war, zu sehen wie die Sonne langsam aber sicher jeden Abend vom Meer verschluckt wurde. Kurz darauf ging es mit einem Mietwagen nach Phoenix, Arizona, um die Großmutter meiner Gastfamilie zu besuchen. Ein Abenteuertrip. Stundenlang sahen wir die Wüste an uns vorbei rollen. Als die Grünflächen immer geringer und die Kakteen immer größer wurden, wussten wir, dass wir Phoenix erreicht hatten. Unseren Aufenthalt in Arizona kombinierten wir mit einem Ausflug zum Grand Canyon, welcher viel atemberaubender ist, als irgendein Foto jemals zeigen kann. Von meiner Traumreise durch L.A. und Arizona ging es schnell wieder zurück zum Alltag. Trotzdem bin ich meiner Gastfamilie, den Johnsons, unglaublich dankbar, mir Amerika gezeigt zu haben.
In der darauffolgenden Woche kam einiges Neues auf mich zu. Es war der Beginn des Eishockey Trainings und der Start stellte sich als unvergesslich für mich heraus. Meine Eislaufkünste glichen eher denen eines balancesuchenden Bären mit Schlittschuhen aber ich hatte Teamkameradinnen, die mich ermutigten, nicht aufzugeben. Außerdem starteten die Proben für das traditionelle Herbsttheaterstück der High School und die ersten Theoriestunden für meinen Führerschein. Für mich war das Wort Langeweile daher ein Fremdwort in dieser Zeit.
Meine ersten drei Monate in Worthington sind nun um, und dass bedeutet, dass auch die Zeit mit meiner ersten Gastfamilie bald zu Ende geht. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Gastfamilie, den Johnsons, dafür bedanken, dass sie mich als richtiges Familienmitglied vom ersten Tag an aufgenommen und mir wunderbare erste drei Monate in Worthington beschert haben.
Außerdem möchte ich dem Worthington-Komitee in Crailsheim und dem Crailsheim-Komitee in Worthington für die Chance danken, einen Traum leben zu dürfen.
Vielen Dank!
Wenn Ihr meinen Brief nun bis hierhin verfolgt habt und mit dem Gedanken spielt Euch für das nächste Schuljahr als Austauschschüler in Worthington zu bewerben, so kann ich Euch nur dazu ermutigen: Just do it!

Bis zum nächsten Mal,
Eure

Johanna Andrejew

Info
In ihrem Blog berichtet Johanna Andrejew von ihren Erlebnissen in Worthington und den USA: www.johannagoesmn.blogspot.de