Projekt Ortsmitten

Noch einiges an Verbesserungsbedarf festgestellt

Rollstuhlfahrer fährt auf Busrampe
Es sind nur wenige Millimeter, die darüber entscheiden, ob Gehbehinderte problemlos in den Bus einsteigen können oder auf fremde Hilfe angewiesen sind. Ohne Rampe geht es an der Bushaltestelle am Rathaus derzeit nicht.

Bei zwei Begehungen in der Innenstadt haben Interessensgruppen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger ganz genau hingeschaut, wie barrierefrei und grün die Crailsheimer Innenstadt ist.

Es sind manchmal nur wenige Zentimeter, die über barrierefreie Mobilität entscheiden können und die dem ungeschulten Auge gar nicht auffallen. Dies wurde insbesondere bei einer gemeinsamen Ortsbegehung in der Innenstadt mit verschiedenen Interessensvertretern deutlich. Eingeladen hatte die Stadtverwaltung hierzu im Rahmen des Projekts „Ortsmitten“, bei dem es auch um die Barrierefreiheit sowie die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt geht.

Viele Hindernisse auf den zweiten Blick
Gemeinsam mit einer Gruppe von Rollstuhlfahrern ging es durch die Innenstadt und bereits wenige Meter abseits des Rathauses wurde man fündig. An der Bushaltestelle Karlstraße können die Linienbusse noch so nah an den Bürgersteig heranfahren – ohne eine Rampe geht es nicht. Ähnliches Bild nur ein wenig weiter an der Einmündung zur Grabenstraße: der abgesenkte Bürgersteig fällt Fußgängern gar nicht auf, doch für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen mit Rollator wird dieser fast zum unüberwindbaren Hindernis. Auch festinstallierte Rampen wie am Zeughausturm, die auf den ersten Blick barrierefrei wirken, bedeuten aufgrund ihres Neigungswinkels für manche einen enormen Kraftakt.
Bei der gemeinsamen Begehung wurde deutlich, dass es viele Örtlichkeiten mit Verbesserungsbedarf in der Crailsheimer Innenstadt gibt. Dort, wo jedoch Baumaßnahmen sowieso laufen, ist die Barrierefreiheit schon angekommen. So wurde bei einer Sanierung in den Sommerferien die Fußgängerquerung am Kreisverkehr Goldbacher Straße/Pamiersring dank im Boden eingelassener Markierungen so gestaltet, dass auch Sehbehinderte diesen gefahrlos nutzen können. Und am Karlsplatz wurde testweise an markanten Punkten das sonst so unruhige Kopfsteinpflaster glattgeschliffen, um einen sicheren Schritt und die Möglichkeit zum Befahren mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen für Passanten zu gewährleisten.

Mit wenig Einsatz schon viel erreichen
Und auch bei grünen Flächen und der Aufenthaltsqualität ist noch Luft nach oben, wie eine weitere Begehung zeigte. Auf dem Marktplatz gibt es zwar Sitzgelegenheiten, aber zu wenig Schattenplätze. Diese sind am Schlossplatz zwar vorhanden, dafür fehlen die Bänke. Auf dem Schweinemarktplatz halten sich zwar viele Menschen auf, aber grüne Flecken gibt es hier wenig. Grund für eine fehlende Bepflanzung ist hier die Tiefgarage, die sich direkt darunter befindet und einen Pflanzenwuchs mit größeren Wurzeln verhindert. Doch auch mit kleinen Maßnahmen, wie an Drähten entlangwachsenden Rankpflanzen oder Wasserspielen könne man viel erreichen, so das Credo der Beteiligten.
Bei beiden Ortsbegehungen konnten die Teilnehmenden ihre Eindrücke in Bewertungsbögen mitteilen, die vom Dortmunder Planungsbüro Societät nun ausgewertet werden und deren Ergebnisse im Herbst im Gemeinderat vorgestellt werden sollen.

(Erstellt am 26. November 2021)