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Austauschschülerin Johanna Andrejew berichtet:

Johanna Andrejew wurde zur "Snowcoming Queen" gewählt. Foto: privat

Hey Crailsheim,

hier bin ich wieder mit einem Rückblick auf zwei weitere erlebnisreiche Monate in Worthington. Seit meinem letzten Brief ist einiges passiert. Gleich zu Beginn des Novembers war die große Präsidentschaftswahl in den USA, die einige Kontroversen aufbrachte. In der Schule wurde uns Schülern unzählige Möglichkeiten gegeben unseren Gedanken bezüglich dem Ausgang der Wahl Ausdruck zu verleihen. Ich persönlich war allerdings ziemlich sprachlos und das lag nicht an der möglichen Sprachbarriere.
Das zweite viertel des Schuljahres hier auch „quarter“ genannt begann und damit auch neue Schulfächer. Ich behielt meinen Kurs in amerikanischer Geschichte und besuchte weiterhin die Schulband und den Schulchor unter anderem weil ich einige echt gute Freundschaften geschlossen hatte. Neu in meinem Stundenplan waren nun Amerikanische Literatur sowie Bildende Kunst welches mein heimlicher Favorit war. Am 11. November ist in den USA jährlich der „Veterans day“ an welchem man den im Krieg Dienenden mit einem Ehrenprogramm an der Schule gedenkt. Ich durfte vor der versammelten Schülerschaft auch etwas vorlesen was mir zuerst zwar ziemlich gruselig vorkam, ich aber im nachhinein unglaublich froh war den Mut dafür aufgebracht zu haben denn es war eine einmalige Erfahrung. Am selben Abend öffnete das Auditorium den roten Vorhang für das Herbst Theaterstück „Totally Red“ . Es war ein voller Erfolg und gemeinsam mit dem Ensemble hatte ich unvergessliche Augenblicke während der Probezeit, auf der Bühne und Backstage beim Vorbereiten sowieso.
Zu Thanksgiving  ging es zu der Großfamilie von Skyla. Ich lernte meine amerikanischen Gastkousinen kennen, sah mir das traditionelle Footballspiel zwischen den Minnesota Vikings und den Greenbay Packers (den Feinden aus dem Nachbarstaat) an und probierte mich durch die Haufen an unglaublich gutem Essen. Am folgenden Abend ging es mit meiner Gastschwester Skyla und einer Freundin auf einen nächtlichen Shoppingtrip in Sioux Falls, denn der Black Friday stand bevor und Amerikaner drehen an diesem Tag traditionell immer durch. Nicht nur was das Shopping angeht sondern auch das aussuchen ungewöhnlicher Uhrzeiten – um halb zwei Uhr nachts waren wir fertig.
An diesem Wochenende stand mein Umzug in meine neue Gastfamilie, den Shreiners, bevor. Hier fühle ich mich seit dem ersten Tag an wie zu Hause. Vielleicht liegt es daran dass ich hier  das Mittelkind bin mit zwei Geschwistern und einem Familienhund – so wie in Crailsheim. Mit meiner Gastschwester Madisyn bin ich im Ice Hockey Team der High School in welchem wir als Team täglich hart trainieren. Meine Gasteltern, Melissa und Cliff leiten eine Truckfirma in Worthington und unterstützen michseit meinem ersten Tag an, was ich ziemlich schätze. Ende November bestand ich meine theoretische Fahrprüfung für meinen amerikanischen Führerschein gleich beim ersten Anlauf worauf ich zugegebenermaßen ziemlich stolz drauf war. Von nun an muss Worthington also einen weiteren deutschen Fahrschüler auf seinen Straßen erdulden – und das koste ich täglich aus. Meine Gastfamilie unterstützt mich dabei mit Auto und Truck. Am 1. Dezember saß ich also zum ersten mal hinter dem Lenkrad des GMCs meiner Gastmama und fühlte mich großartig aber auch ein bisschen planlos. Geübt wurde auf den ruhigen Landstraßen bevor ich in die Stadt gelassen wurde. Aber einmal ausprobiert war ich nicht mehr aufzuhalten. Ich verlangte beinahe als Chauffeur zu agieren. Mein Dezember war geprägt durch ungewohntes Autofahren auf den eisigen Straßen und den ersten Schnee Minnesotas den ich als Austauschschüler mitbekam sowie Wochenenden an denen einfach nur gebacken wurde um den diesjährigen Plätzchenvorrat für Weihnachten zu decken. Für meine Gastfamilie bastelte ich einen Adventskranz um diese deutsche Tradition etwas zu verbreiten (In den USA gibt es nämlich so gut wie keine Adventskränze zu kaufen) - und es wirkte tatsächlich, denn jeden Sonntag im Dezember zündeten wir gemeinsam eine Kerze an. In meinem letzten Brief habe ich von der „Homecoming Week“ an der Worthington High School erzählt anlässlich des Schulbeginns im September. Jetzt im Dezember fand nun zum Allerersten Mal die „Snowcoming Week“ statt. Um die Vorfreude der Schüler auf Weihnachten zu entfachen gab es auch in dieser Woche einige Kostümtage sowie Lunchaktivitäten während des Mittagessens. Die Sportaktivitäten in dieser Woche standen natürlich alle unter dem Motto der Snowcoming Week ( Ice Hockey Spiele, Basketballgames und Tanz Wettbewerbe). Der Sinn hinter dem Ganzen ist den Augenblick zu genießen, in Weihnachtsstimmung zu kommen und den Schulalltag etwas aufregender zu gestalten. Das Highlight während der „Snowcoming Week“ war das Krönen des Snowcoming Kings und seiner Snowcoming Queen am Ende der Woche. Die möglichen Kandidaten für diese Wahl wurden eine Woche zuvor von den Schülern bestimmt und zu einem „Royal Court“ gewählt in welchem auch ich persönlich neben 17 anderen Schülern gewählt worden war). Während der „Snowcoming Week“ hatten die Schüler dann die Möglichkeit online abzustimmen. King und Queen sollten diejenigen Schüler werden die sich in einem Sport aktiv engagiert haben oder einem Club einer außerschulischen Aktivität besonders viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht hatten und sich somit als Repräsentant der Schule verdient gemacht haben. Es war eine ereignisreiche Snowcoming Week  und ich hatte nicht erwartet dass irgendetwas die vergangene Woche noch toppen könnte. An diesem Freitagnachmittag stand ich plötzlich in der Schulsporthalle mit der Snowcoming Queen Krone auf dem Kopf und dem Snowcoming King an meiner Seite und wusste dass dies einer dieser Momente ist den man nicht so leicht vergessen würde. Als Austauschschülerin Worthington High Schools allererste Snowcoming Queen zu repräsentieren war schon eine coole Sache und eine ganz schöne Ehre für mich. Die Unterstützung von so vielen Freunden die ich in diesem Moment spürte gab mir ein echt warmes Gefühl bei den Minusgraden die in Worthington herrschten und eine Wärme die mich durch den ganzen Dezember hinwegtrug.
In meinem nächsten Brief berichte ich wie ich mein amerikanisches Weihnachten erlebe und was Amerikaner an Silvester so treiben.
Bis dahin,

Eure Austauschschülerin für Worthington 2016/2017

Johanna Andrejew

Das erste Silvester mit Raketen

Dominic mit Familie Kern, Freunden seiner Gastfamilie Krasser, beim Essen. Foto: Privat

Seit Ende Juli ist Dominic Burns aus Worthington als Austauschschüler in Crailsheim. Nach fast sechs Monaten in Deutschland hat er schon viele Eindrücke gesammelt. Regelmäßig lässt er die Crailsheimer an seinen Erlebnissen teilhaben.

Hallo Crailsheim,

meine letzten drei Monate in Crailsheim waren etwas weniger bewegt als die ersten drei. Das heißt aber nicht, dass nichts bei mir los war: In der ersten Novemberwoche bin ich meiner zweiten Gastfamilie, der Familie Krasser, zum Europa Park gefahren. Normalerweise mag ich keine Achterbahnen, aber das machte nichts. Ich fuhr die Achterbahnen und „bangte um mein Leben“, aber mein Gastvater versicherte mir, dass alles sicher sei.

Ich habe Fechten als mein neues Hobby entdeckt, was mit wirklich Spaß macht. Es ist mein Lieblingshobby in Deutschland geworden.
Von meiner Gastfamilie wurde ich zu einem typisch deutschen Weihnachtsfest eingeladen. Es war anders für mich, drei Tage zu feiern.
Nach Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie nach Stuttgart gefahren. Dort habe ich mir neue Hosen gekauft und mich damit selbst beschenkt.
In den Weihnachtsferien war ich mit meiner ersten Gastfamilie, den Hanselmanns, Schlittenfahren und habe das Steiff-Museum besucht. Das Steiff-Museum gefiel mir sehr gut.
Silvester war neu für mich. In Minnesota haben wir keine Raketen – das Wetter ist meistens zu schlecht. Mit dem Feuerwerk fand ich es aber sehr schön.
Die Schule gefällt mir gut, auch wenn meine Noten nicht so gut sind. Mein Deutsch wird langsam besser, aber ich kann beispielsweise nicht „Fechten“ aussprechen. Das „Ch“ ist sehr schwer für mich.
Die erste Hälfte meines Aufenthalts ist nun vorbei. Ich hoffe, dass die zweite Hälfte ebenso gut wird.
Viele Grüße Crailsheim und noch ein glückliches neues Jahr!

Euer Dominic Burns

Austauschschüler Dominic Burns berichtet:

Dominic Burns (rechts) mit seiner Gastfamilie, Alicia, Nick, Christel und Tom Hanselmann (von links) beim Volksfestumzug.
Foto: privat

Hallo Crailsheim,

Mein Name ist Dominic William Burns und ich bin der neue Austauschschüler aus Worthington. Ich bin nun seit fast drei Monaten in Deutschland  und es gefällt mir sehr gut hier. Im Moment wohne ich noch in Wittau bei Familie Hanselmann. Dazu gehören meine Eltern Bernd und Christel, meine Schwester Alicia – das finde ich toll, denn in Amerika habe Ich nur vier Brüder – sowie mein Brüder Tom und Nick.
Mit meiner Gastmutter und meinem „kleinen“ Bruder Nick habe ich gleich in meiner zweiten Deustchlandwoche  Norderney besucht. Wir sind mit der Eisenbahn gefahren. Das war eine tolle Erfahrung für mich, mit einem Zug zu verreisen. In Norderney war es sehr schön, auch wenn es die meiste Zeit geregnet hat. Dort bin ich zum ersten Mal auf einem Surfbrett gestanden. Eine sehr wacklige Sache. Am Ende der Ferien sind wir noch in Südtirol gewesen. Dort habe ich zum ersten Mal richtige große Berge gesehen und wir sind viele Berge hoch und runter gelaufen. Da konnten wir viele schöne Ausblicke genießen.

Danach ging die Schule für mich los. Ich hatte etwas Angst vor dem ersten Schultag. In Amerika habe ich meine Schulfreunde, aber in Crailsheim, in der Realschule zur Flügelau, habe ich noch niemand gekannt. Aber meine Klassenkameraden waren alle gleich sehr nett zu mir und haben mir viel geholfen. Mit meiner Klasse durfte ich auch schon bald nach London fahren. Ich war sehr beeindruckt vom Parlamentsgebäude, dem London Eye und den vielen alten Häusern in London. Ich habe in dieser Zeit „fast food“ zu mir genommen Hat mich ein wenig an Amerika erinnert. Und dann war da noch das Volksfest. Jeder hat schon darüber gesprochen, aber ich habe es mir nicht so groß und toll vorgestellt. Ich denke, Volksfest wird auch meine Lieblingszeit. Beim Riesenrad fahren konnte ich das ganze Volksfest von oben anschauen und die vielen Menschen, die dort gelaufen sind. Die Leute waren alle nett und lustig und das Essen was sehr lecker. Bei dem Festumzug habe ich mich gefreut, dass so viele Crailsheimer mir zu gewunken haben. Ich mag die Leute aus Crailsheim.

Nach dem Volksfest habe ich angefangen mit Leichtathletik.  Ich laufe sehr gerne. Außerdem gehe ich noch zum Fechttrainig mit Johanna´s  Brüdern. Und ich spiele in der Jugendkapelle Crailsheim Baritonsaxophon mit. Das macht mir alles viel Spaß und ich lerne dadurch auch viele neue Leute kennen.

Meine Zeit in Crailsheim vergeht sehr schnell und ich fühle mich sehr wohl hier in Crailsheim.
Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mir bis jetzt geholfen und mich unterstütz haben, dass ich mich in meiner neuen Heimat Crailsheim wohl fühle.

Viele Grüße Dominic Burns

Johanna Andrejews erster Bericht aus der Partnerstadt:

Johanna Andrejew und ihre Gastschwester Skyla Rautenkranz in der „Homecoming Week“ an der Worthington High School. Foto: privat

Hey Crailsheim,

hier ist Johanna Andrejew, Eure Austauschschülerin in Worthington für 2016/2017.
Meine ersten drei Monate in unserer amerikanischen Partnerstadt waren bereits unvergesslich für mich. Den Städten Crailsheim und Worthington möchte ich deshalb für diese Möglichkeit danken, es ist etwas ganz besonderes.

Mein amerikanisches Abenteuer startete am 4. August als es am Frankfurter Flughafen Abschied nehmen hieß. Mit Skyla, meiner amerikanischen Gastschwester, ging es im Flieger über den Atlantik zum Flughafen in Minneapolis-Saint Paul in Minnesota.
Die letzten Tage vor der Abreise waren ziemlich aufregend gewesen wegen Willkommens und Abschiedspartys aber das was jetzt vor mir lag, würde alles übertreffen. Am späten Nachmittag des 4. Augusts wurden Skyla und ich am Flughafen in Minneapolis von Skylas Eltern und somit meinen Gasteltern Jean und Jason Johnson empfangen und fest umarmt. Allein die dreieinhalb stündige Fahrt in mein neues zu Hause in Worthington war ein Abenteuer an sich, denn ich bekam dieses amerikanische Gefühl von Weite und Größe zu spüren. Wie denn bitte das? Auf dem Weg hielten wir an um das größte Süßwarengeschäft in Minnesota („Minnesota‘s largest CandyShop“) zu erkunden, welches von Maisfeldern umgeben irgendwo im nirgendwo stand. Überrascht entdeckte ich dort sogar deutsche Milka Schokolade welche ich für die nächsten Monate sicherlich vermissen würde. In Crailsheim hatte Skyla mir von den atemberaubenden Sonnenuntergängen Minnesotas erzählt und gleich an meinem ersten Abend stellte ich fest: sie hatte recht.

Bereits am ersten Samstag nach unserer Ankunft, organisierten Jean und Jason eine Willkommensparty für Skyla und mich. Dabei lernte ich Skylas Familie (welche übrigens nicht gerade klein ist) und einige ihrer Freunde kennen. Am Tag darauf ging es mit Komiteemitgliedern rund um Janice Berger und Lon Lien im Bus nach Minneapolis zum Flughafen um die Besucher der Crailsheimer Bürgerreise abzuholen. Es war ein richtiger Road Trip im Bus. Für mich war es eine tolle Gelegenheit diese eine Woche voller Programm mit den Crailsheimern zu erleben weil ich somit  Worthington und seine Umgebung kennenlernen konnte. So besuchten wir das Memorial Auditorium welches mittlerweile als Bühne für Schulaufführungen wie Musicals und als Kino dient. Wir erkundeten das große Schlachthaus JBS (welches der Hauptarbeitgeber ist) sowie das Police und Fire Department in Worthington. Egal wo wir Besucher aus Crailsheim unseren nächsten Besuch abstatteten, überall wurden wir freundlich begrüßt. Mein Highlight der Woche war der tägliche Ritt im quietschgelben amerikanischen Schulbus. Das war eine der besten Erfahrungen neben der Prärie-Safari bei welcher wir echte Büffel sahen. Der Höhepunkt der Woche war die Einweihung des 2. Teils der Brücken Skulptur (entworfen von Axel Huss, einst selbst Austauschüler aus Crailsheim) in Worthingtons „Chautauqua Park“, welche die Freundschaft zwischen Worthington und Crailsheim seit so vielen Jahren beschreibt, verbindet und stärkt.

Der Abschiedsabend fand bei meiner Gastfamilie statt nachdem die Crailsheimer Besucher einen sonnigen Augustnachmittag am Okabena See bei Janice & Alan Oberloh verbracht haben. Gemeinsam blickten wir auf eine ereignisreiche Woche zurück und nach vorn auf noch mehr Jahre Städtefreundschaft bevor es am Sonntagmorgen für die Crailsheimer Bürger weiter nach Cuero (Worthingtons Partnerstadt in Texas) ging.

Ein genialer Zufall war es dass ich diese Woche in Worthington miterleben durfte und dafür möchte ich Danke sagen.
Gleich in der darauffolgenden Woche begann für mich das Tennis Training der High School. Jeden Vormittag trainierte ich mit meinen neuen Tenniskameradinnen auf den Tennisplätzen. Als Team sind wir dabei ziemlich gut zusammen gewachsen und dass bereits bevor die Schule begann. Ein Highlight meines Sommers waren definitiv die Autorennen in der Nähe von Sioux Falls die ich mit meiner Gastfamilie, den Johnsons, besuchte. Obwohl ich mich nie wirklich für Rennautos interessiert habe (ich war mehr der rosa „Feentyp“, um ganz offen zu sein) habe ich beim Zusehen der rasenden Autos doch echt Spaß gehabt. Ich habe schnell gemerkt, dass das Autorennen für meine Gastfamilie eine richtige Leidenschaft ist und der Funke ist zumindest ein bisschen übergesprungen.
Ein weiterer Höhepunkt im August war der Besuch eines original amerikanischen Baseball-Spiels in Sioux Falls und ein Lagerfeuer mit meinen Tenniskameradinnen welches hier auch „Bonding“ (Darunter versteht man das Zusammenwachsen als Team.) genannt wird. Das und ein weiterer „amerikanischer Brauch“, den ich so noch nicht kannte war das Fall Sports Kick Off in der High School bei dem allen Schülern die Sportteams für den Herbst vorgestellt wurden.
Mein erster, bereits unvergesslicher Monat hier in Worthington, endete mit meinem 16.Geburtstag. Meine Gastfamilie organisierte eine kleine Geburtstagsparty für mich mit meinen Tenniskameradinnen zu Hause und gemeinsam hatten wir einen tollen Nachmittag. „Sweet 16“, wie die Amerikaner sagen, ist eine echte Erfahrung und das klischeehafte Denken, welches der ein oder andere habe dürfte, über die klebrigen amerikanischen Torten, zuckrigen Muffins und süßen Desserts ist berechtigt, denn es stimmt.

Der September begann für mich und meine Gastfamilie mit einem Campingwochenende neben einer Autorennbahn. Ganze drei Tage verbrachten wir dort und besuchten abends die Autorennen in Jackson. Mittlerweile bin ich selbst begeisterter Fan davon.
Zur Einstimmung auf das bevorstehende Schuljahr traten am letzten Sonntagabend in den Ferien Juniors, Schüler der elften Klasse, gegen Seniors, Schüler der zwölften Klasse, in einer Partie Kickball gegeneinander an. An der Worthington High School ist das so Tradition, wie ich bald herausfand. Kickball verfolgt die gleichen Regeln und dasselbe Ziel wie Baseball, der einzige Unterschied: der Ball wird nicht geschlagen, sondern wie ein Fußball gekickt. Meine Gastschwester Skyla stellte mich ihren Freunden vor und ich lernte an diesem Abend einige meiner zukünftigen Klassenkameraden kennen. Am Dienstag darauf war es dann soweit: An meinem ersten Schultag an der Worthington High School lernte ich eine Menge neuer Leute kennen und entdeckte haufenweise Unterschiede zu meinem Schulalltag in Deutschland. Angefangen damit, dass in jedem Klassenzimmer mindestens eine amerikanische Flagge hängt und jeden morgen vor der Schule ein Versprechen der Treue (auf Amerikanisch „Pledge of Allegiance“) abgegeben wird. Dabei stehen alle auf und sprechen im Chor mit der rechten Hand auf der linken Seite der Brust der USA ihre Treue. Als Austauschschüler ist das sicher eine der überraschendsten Unterschiede und definitiv ein Erlebnis. Eine weitere Tradition an amerikanischen Schulen ist die „Homecoming Week“, in welcher der Beginn eines neuen Schuljahres gefeiert wird, indem eine Woche lang der Schoolspirit (Schulstolz) im Vordergrund steht. Das Schulsymbol der Worthington High School ist ein Trojaner und deshalb heißen alle Sportler der Worthington High School „Trojans“. Während der Schulzeit gibt es Aktivitäten und „Dress Up Days“, an denen man sich verkleidet – mal kommt man im Schlafanzug in die Schule, mal als Hippie, mal ganz in den Farben der Trojans (schwarz, weiß und rot), um den Schulstolz zu zeigen. Traditionell endet die „Homecoming Week“ mit dem „Homecoming Footballgame“, das natürlich um jeden Preis gewonnen werden möchte. Das Motto dieses Jahr war „ Krieg um Troja: Wir ändern die Geschichte“ und es stimmt, denn wir Trojans gewannen das bedeutende Spiel. Eine der schönsten Erfahrungen für mich in dieser Woche war es, unser Footballteam gemeinsam mit der Schulband, in der ich Saxophon spiele, zu unterstützen. Als Band saßen wir während des Spiels in den Fan-Reihen der Zuschauer und triumphierten jedes Mal laut wenn die Trojans einen Punkt holten.
Zur gleichen Zeit wie das Volksfest in Crailsheim feierten wir in Worthington den King Turkey Day. Anlässlich, um Traditionen wie das Truthahnrennen, den Lauf um den See und die Parade zu feiern, ist dieser Tag ziemlich besonders in Worthington. Ich hatte das Glück, besonders involviert in die verschiedensten Feierlichkeiten zu sein. Mit meiner Gastfamilie besuchte ich den „Majors Brunch“ am Morgen, marschierte in der alljährlichen Parade mit der Schulband durch die Straßen am Vormittag und fuhr gemeinsam mit Skyla in unserem selbst erbauten Festwagen, der das Miniformat der Brückenskulptur sowie die Flaggen der deutsch-amerikanischen Freundschaft trägt, ein weiteres Mal durch Worthington. Daher weiß ich nun, wie das „amerikanische Volksfest“ in Worthington aussieht.
In den darauffolgenden Wochen kehrte der Schulalltag ein und ich gewöhnte mich an die anderen Schulzeiten – hier beginnt die Schule um acht Uhr, jeden Mittwoch allerdings eine halbe Stunde später wegen der wöchentlichen Lehrerkonferenz – und meinen Stundenplan. Meine Schulfächer für die ersten drei Monate sind neben Amerikanischer Geschichte und Spanisch auch der Chor der Schule und die Schulband. Jedes meiner Fächer ist spannend, hauptsächlich, da es so ganz anders ist verglichen zu dem, was ich vom normalen Schulalltag kenne. Besonders begeistert aber bin ich von Amerikanischer Geschichte, da man einfach so tief in das Fach eintaucht und wir den aktuellen Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um den Platz im Weißen Haus täglich im Unterricht verfolgen.
An den Wochenenden in September waren wir jeden Samstag mit der Schulband unterwegs, um in den umliegenden Städten unsere Parade zu präsentieren. Obwohl das ganze Aufbauen, Präsentieren und dann schnell Abbauen mit Stress verbunden war, war es ein großer Spaß, besonders da man ja mit seinen Freuden unterwegs ist. Ende September bekam meine Gastfamilie Besuch von Thomas Keller, Skylas Gastvater und ein guter Freund aus Crailsheim. Gemeinsam sahen wir uns ein Eishockey-Spiel in Sioux Falls an, das signalisiert, dass die Hockeysaison beginnt und somit der Winter vor der Türe steht. Am 30. September endete die Tennissaison, was mich ziemlich traurig machte, da ich eine geniale Zeit mit meinen Tennismädels hatte und wir gute Freunde geworden sind, was den Abschied erschwerte.
In den Oktober startete ich mit weiteren Umzügen, die ich gemeinsam mit der Schulband der Worthington High School bestritt. Die Paraden sind hier eine wichtige Sache, denn an jedem Umzug werden die Leistungen der verschieden Schulbandbands in einem Wettbewerb bewertet und als Vertreter seiner Schuler hofft man natürlich, eine möglichst gute Bewertung zu erzielen, um seine Schule bestmöglich zu repräsentieren.
In Worthington bin ich bei weitem nicht die einzige Austauschschülerin. Ganz im Gegenteil. Die High School hat jedes Jahr mehrere Austauschschüler zu Gast und so lernte ich zwei Schüler aus Deutschland und Norwegen kennen, mit denen es immer Spaß macht, sich über die vielen Unterschiede auszutauschen. Um nur einen weiteren Unterschied zu nennen, das „Fotoshooting“, hier als „Senior Pictures“ bekannt, welches jeder Zwölftklässler an der High School macht, ist auch eine der Traditionen –und so hatte auch ich meines mitten im Oktober. An diesem Tag putzt man sich heraus, um Erinnerungsfotos speziell beim Fotografen zu schießen und ich hatte das große Glück, dass das Wetter an diesem Tag unglaublich schön herbstlich war.
An den Wochenenden nutzte ich die Eishockey Arena in Worthington, um mit meinen Freunden Schlittschuh zu laufen. Meine Freundinnen haben mich dazu überredet Eishockey als Wintersport zu betreiben, zumal Eishockey als Sport ziemlich aufregend ist. Den letzten Kick hat mir dann das Eishockey-Spiel in Sioux Falls gegeben und schon bald durfte ich die Hockey Ausrüstung von der High School leihen und kaufte mir einen Mundschutz unter der Beratung meines Gastvaters Jason.
Mitte Oktober war es dann soweit: Für eine kurze Woche ging es quer durchs Land und ich würde Amerika so richtig kennenlernen. Direkt zum Wochenendbeginn ging es im Auto mit meinen Gasteltern Jean und Jason sowie meiner Gastschwester Skyla nach Kansas City. Die Fahrt war recht lang denn wir fuhren durch ganz Iowa und einen großen Teil von Kansas. So bekam ich ein Gefühl von  der berühmten Weite des „mittleren Westens“. Ein letztes Mal würde für mich ein Wochenende ganz im Sinne von „Rennautos auf Asphalt“ stehen. Ich genoss die Autorennen mit meiner Gastfamilie die sich als riesiges Event herausstellten, denn die Rennbahn in Kansas City war gigantisch. Es war ein wahrhaft amerikanisches Erlebnis für das ich meiner Gastfamilie echt dankbar bin. Gleich am Montag nach den Autorennen katapultierte uns ein Flugzeug weiter in das sonnige und ungewöhnlich warme Los Angeles. Der Grund für diese Reise: ein Collegebesuch meiner Gastschwester stand an. In Los Angeles besuchten wir den Hollywood Boulevard und bekamen das Chinese Theater sowie das Dolby Theater, in dem die alljährliche Oscar-Verleihung stattfindet, zu Gesicht. Die vielen Lichter der Stadt und das nie Stillstehen sowie die Hoffnung von so vielen, berühmt zu werden in der „Traumfabrik“, beeindruckte mich. Wenn man schon einmal in L.A. ist, dann muss man einfach ein paar Promi-Häuser „stalken“. Wir machten das professionell mit einer Bustour durch Hollywood, Beverly Hills und Bel Air(die armen Stars). Die Strände in und um Los Angeles sind wunderschön wie wir feststellten und es war einfach ein geniales Gefühl, sich in die salzigen, aufbrausenden Wellen des Pazifiks zuwerfen – ganz ohne Surfbrett. Das Schönste war, zu sehen wie die Sonne langsam aber sicher jeden Abend vom Meer verschluckt wurde. Kurz darauf ging es mit einem Mietwagen nach Phoenix, Arizona, um die Großmutter meiner Gastfamilie zu besuchen. Ein Abenteuertrip. Stundenlang sahen wir die Wüste an uns vorbei rollen. Als die Grünflächen immer geringer und die Kakteen immer größer wurden, wussten wir, dass wir Phoenix erreicht hatten. Unseren Aufenthalt in Arizona kombinierten wir mit einem Ausflug zum Grand Canyon, welcher viel atemberaubender ist, als irgendein Foto jemals zeigen kann. Von meiner Traumreise durch L.A. und Arizona ging es schnell wieder zurück zum Alltag. Trotzdem bin ich meiner Gastfamilie, den Johnsons, unglaublich dankbar, mir Amerika gezeigt zu haben.
In der darauffolgenden Woche kam einiges Neues auf mich zu. Es war der Beginn des Eishockey Trainings und der Start stellte sich als unvergesslich für mich heraus. Meine Eislaufkünste glichen eher denen eines balancesuchenden Bären mit Schlittschuhen aber ich hatte Teamkameradinnen, die mich ermutigten, nicht aufzugeben. Außerdem starteten die Proben für das traditionelle Herbsttheaterstück der High School und die ersten Theoriestunden für meinen Führerschein. Für mich war das Wort Langeweile daher ein Fremdwort in dieser Zeit.
Meine ersten drei Monate in Worthington sind nun um, und dass bedeutet, dass auch die Zeit mit meiner ersten Gastfamilie bald zu Ende geht. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Gastfamilie, den Johnsons, dafür bedanken, dass sie mich als richtiges Familienmitglied vom ersten Tag an aufgenommen und mir wunderbare erste drei Monate in Worthington beschert haben.
Außerdem möchte ich dem Worthington-Komitee in Crailsheim und dem Crailsheim-Komitee in Worthington für die Chance danken, einen Traum leben zu dürfen.
Vielen Dank!
Wenn Ihr meinen Brief nun bis hierhin verfolgt habt und mit dem Gedanken spielt Euch für das nächste Schuljahr als Austauschschüler in Worthington zu bewerben, so kann ich Euch nur dazu ermutigen: Just do it!

Bis zum nächsten Mal,
Eure

Johanna Andrejew

Info
In ihrem Blog berichtet Johanna Andrejew von ihren Erlebnissen in Worthington und den USA: www.johannagoesmn.blogspot.de