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"Grace on Tour"

Grace Moody mit ihrem Bruder Malik Moody und ihrer Mutter Joy Moody bei einem Merlins-Spiel. Foto: privat

Die Austauschschülerin aus der amerikanischen Partnerstadt Worthington, Minnesota, Grace Moody, lebt seit Juli 2017 in Crailsheim. In ihrem dritten Brief berichtet sie von ihren Reisen und Erlebnissen, die sie nicht nur in Crailsheim unternommen hat.

Glücklicher Frühling für alle in Crailsheim! Ein schöner Frühling ist da und es ist neun Monate her, seitdem ich in Deutschland angekommen bin. So viele Dinge sind seit meinem letzten Brief passiert, also lasst uns anfangen!

Der Höhepunkt im Februar war für mich der Stadtfeiertag. Die erste Veranstaltung war die Gala, für die ich extra ein Kleid anzog. Ich saß am Tisch mit dem neuen Oberbürgermeister, Herrn Dr. Christoph Grimmer, und dem ehemaligen Oberbürgermeister, Herrn Rudolf Michl. Es gab leckeres Essen und viele tolle Acts. Ich war die Glücksfee bei der Verlosung des Stadtbildes dieses Jahres. Danach sagten mir alle immer wieder, dass ich am falschen Platz saß! Auf dem Heimatgeschichtlichen Abend hörte ich die sehr interessanten Geschichten des Crailsheimer Horaffen und des Rathausturms. Die nächste Veranstaltung war das Bürgerfest. Es war wie bei der Gala, aber lockerer. Hier sind sie in einem tollen Stück um die Horaffen-Sage. Ich hatte auch eine tolle Zeit dort! Der Stadtfeiertagsempfang war eine kleine Party im Rathaus für geladene Gäste und ich genoss es wirklich, mit allen zusammen zu sein. Ich wurde auch kurz danach zur Amtseinsetzung von Dr. Christoph Grimmer eingeladen. Wieder war es sehr schön für mich, mich mit Leuten zu unterhalten.

Ende Februar fand die Wahl des neuen Austauschschülers statt. Insgesamt gab es fünf großartige Kandidaten, die alle gute Austauschschüler oder Austauschschülerinnen gewesen wären. Nun wird Liss Marie Huβ die nächste Austauschschülerin aus Crailsheim sein, die mit mir Anfang August nach Hause kommt! Kurz darauf wurde auch in Worthington gewählt. Chloe Bents wird die nächste Worthington Austauschschülern in Crailsheim sein. Ich freue mich sehr auf diesen Sommer, wenn wir uns hier in Crailsheim treffen.

Aufregend war auch der Besuch meiner Mutter und meines Bruders über die Osterferien. Die drei Wochen waren sehr voll mit vielen Unternehmungen und ich war aufgeregt, ihnen Crailsheim zu zeigen. Auch besuchten wir viele andere Orte, unter anderem Schloss Neuschwanstein, Schwarzwald, Dinkelsbühl, Rothenburg o.T.

Zwei der größeren Reisen, die wir unternahmen, waren nach Prag und Paris. Meine Mutter wollte schon immer nach Prag, nachdem sie von einer Reise ihres Professors gehört hatte. Die Stadt war wunderschön und wir blieben zwei Nächte dort. Ich war diejenige, die immer davon geträumt hat, nach Paris zu gehen. Also nahmen wir einen Nachtbus und verbrachten zwei ganze Tage in Paris! Wir konnten zwar kein Französisch sprechen, aber viele Leute waren sehr nett und sprachen gut Englisch. Wir haben viele der Pariser Sehenswürdigkeiten gesehen und sogar eine Tour zum Schloss von Versailles gemacht. Wir hatten eine tolle, kleine Europareise als Familie.

Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, meine Familie den Menschen vorzustellen, die ich in Deutschland getroffen habe und einige Orte zu zeigen, an denen ich die meiste Zeit verbringe. Wir besuchten meine Schule, das Albert-Schweitzer-Gymnasium. Sie lernten einige meiner Lehrer kennen und wir gingen sogar in das Lehrerzimmer, das für meine Familie interessant war. Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland ist, dass Lehrer an amerikanischen Schulen normalerweise ihre eigenen Räume haben, im Gegensatz zu den Lehrern in Deutschland, die das Klassenzimmer wechseln müssen. Wir haben auch eine Tour durch die Engel Brauerei gemacht. Ich war noch nicht dort, also war es auch für mich sehr interessant!

Meine Mutter und mein Bruder haben es wirklich genossen, mich zu besuchen, das deutsche Essen zu essen und drei Wochen lang deutsches Leben zu erleben. Ich war traurig, als sie gingen, aber nur etwas. Ich vermisse Zuhause, aber nicht mehr so sehr. Crailsheim ist auch meine Heimat geworden.

Ich genieße es immer noch, zu den Crailsheim Merlins Basketballspielen zu gehen und das Team anzufeuern. Meine Familie kam sogar zu zwei der Spiele und am Ende war meine Mutter ein großer Fan der Merlins. Ich versuche, zu jedem Heimspiel zu gehen und mein Merlins Shirt und Schal zu tragen.

Außerdem verbrachte ich ein Wochenende am Bodensee mit meiner Gastmutter, Christel Hanselmann, und meiner Gastoma. Wir genossen den großen See mit Blick auf die Schweizer Alpen und fuhren mit der Fähre nach Konstanz und zur Blumeninsel Mainau.

Ich stehe jetzt vor den letzten vier Monaten meines Austausches und es ist traurig, aber auch aufregend zu sehen, was als nächstes passieren wird! Das Wetter ist schön im Vergleich zu einem verschneiten April in Minnesota. Ich kann nur hoffen, dass meine letzten vier Monate nicht zu schnell vergehen!

Grace Moody

"Zwischen acht Grad minus und der Sonne Floridas"

Lilo und ihre Freundin Cynthia nach deren Qualifikation für die Sections. Foto: privat

Crailsheims Austauschschülerin Lilo Herzig wohnt derzeit bei ihrer dritten Gastfamilie in der amerikanischen Partnerstadt Worthington, Minnesota. Von ihren Erlebnissen und Abenteuern schreibt sie in ihrem dritten Brief.

Hallo Crailsheim,

hier schreibt Lilo, eure Worthington-Austauschschülerin. Zwischen Schneestürmen, Blizzards und durchschnittlichen acht Grad minus habe ich meine letzten vier Monate genossen. Nachdem die Winterferien vorbei waren, ging es für mich jeden Samstag auf einen Wettbewerb für Speech. Speech ist ein Schulclub, dem ich im November beigetreten bin. Wer weiß, was ein Poetry Slam ist, kann sich vielleicht etwas mehr darunter vorstellen. In Speech gibt es 13 verschiedene Kategorien, von „Informative“, wo an sich gut über ein Thema informiert und es dann in Form einer Präsentation vorstellt, über „Poetry“, wo man Gedichte vorliest, bis hin zu „Discussion“, wo man über das momentane Weltgeschehen diskutiert.

Meine Kategorie ist „Creative Expression“. Dort schreibt man seinen eigenen acht- bis zehnminütigen Text über was immer man will und muss diesen dann schauspielerisch ausarbeiten. Durch Speech habe ich viele Freunde gefunden und sehr viel gelernt. Meine Highlights waren definitiv, als ich die Eins in einer Runde bekommen habe (es gibt bis zu sechs Teilnehmer pro Runde), und als ich mich für Sectionals, eine Art regionaler Meisterschaft, qualifiziert habe. Eigentlich hatte ich mich nur für Speech eingeschrieben, weil viele meiner Freunde in Speech waren, aber über die Monate ist mir Speech immer wichtiger geworden. Wenn ich nur daran denke, dass die Saison bald vorbei ist, werde ich ganz traurig.

Mit meiner MuM-Klasse ging es für einen Tag ins benachbarte Marshall zu einem Koch-Wettbewerb. Dort habe ich ein Muster in einen Apfel geschnitzt und doch glatt den dritten Platz belegt.

Im Schulchor hat sich auch einiges getan. Mitte Februar hatten wir Besuch vom Chor der Universität von South Dakota (SDSU). Der SDSU-Chor hat für alle Chorschüler gesungen und Fragen beantwortet. Als sie dann ein deutsches Lied anstimmten und die Chorleitern fragte: „Spricht hier jemand Deutsch?“, fuhr meine Hand sofort in die Luft. Die Chorleiterin holte mich dann nach vorne und der Chor hielt ein spontanes Konzert nur für mich, natürlich nur unter der Bedingung, dass ich ihnen beibrachte, wie man „Mädchen“ richtig ausspricht. Anfang April habe ich selbst dann bei einem Solo-Wettbewerb mitgemacht. Gesungen habe ich „Wie Melodien“ von Johannes Brahms. Das Musik-, besonders das Chorprogramm, hier in Worthington bringt mir unglaublich viel Freude. Ich hatte schon immer gern gesungen, aber eben mehr unter der Dusche als vor Publikum.

Ostern verbrachte ich am anderen Ende des Landes – in Florida. Warum in Florida fragt ihr euch? Kurze Geschichtsstunde mit Lilo: Die Schwester meines Urgroßvaters wanderte in den 30ern in die USA aus. Ich wusste immer, dass wir Verwandte in den USA haben, aber nie wirklich, wie und wo genau. Über die Jahre hatten wir leider den Kontakt verloren. Doch kurz vor meiner Abreise letzten Juli haben meine Oma und ich die Suche nach den Nachkommen Tante Annis gemacht und sind fündig geworden. Kurz vor Weihnachten habe ich dann einen Brief an Tante Annis Sohn, meinen Cousin dritten Grades, geschrieben und wurde zu Ostern eingeladen. Für mich war es ein echtes Abenteuer, nach Florida zu gehen, und total spannend, einen „neuen“ Teil meiner Familie kennenzulernen. Über Ostern habe ich also die Sonne genossen und einen riesigen Stammbaum, welchen man bis zum Jahre 1815 zurückführen kann, gebastelt.

Wieder zurück in Worthington tauschte ich meinen Hund für eine Katze ein. Meine dritte und letzte Gastfamilie ist die Familie Ludes. Alle guten Dinge sind ja schließlich drei. Die Ludes-Familie besteht aus den Eltern Lisa und Mark, den Kindern Claire und Jeffrey und nicht zu vergessen der schwanzlosen Katze Dilly.

Nächstes Wochenende ist dann auch schon „Prom“. Der Abschlussball, von dem jeder redet, und schon Monate davor alles perfekt geplant wird. Zusammen mit ein paar Freundinnen ging es ins benachbarte Sioux Falls zum Kleidkaufen. Das war ein Riesenspaß und eine tolle Erfahrung. Ein schönes Kleid hab ich auch gefunden.

Liebe Crailsheimer: In drei Monaten werdet ihr mich wieder haben. In drei Monaten werden Grace und ich zur Seite treten und den Platz frei machen für „eine neue Generation“. Liss-Marie Huß wird uns nächstes Jahr in Worthington vertreten und Chloe Bents wird mein „Mitbringsel“ aus Worthington. Schon jetzt weiß ich, dass sie uns beide sehr stolz machen werden.

Bis bald,

eure Lilo

„Voller Spannung ins neue Jahr“

Grace bei der Zugtaufe in Crailsheim. Foto: privat

Die Austauschschülerin aus der amerikanischen Partnerstadt Worthington, Minnesota Grace Moody, lebt seit dem 19. Juli 2017 für ein Jahr in Crailsheim. In ihrem zweiten Brief berichtet sie über ihre Erlebnisse und die vielen neuen Eindrücke während der Weihnachtszeit und Silvester.

Ich wünsche allen Crailsheimern und Crailsheimerinnen ein frohes neues Jahr! Es ist verrückt, wenn ich daran denke, dass ich schon sechs Monate in Deutschland bin. Ich genieße es noch immer sehr!
An Halloween ging ich zu der großen Kürbisausstellung ins Blühende Barock in Ludwigsburg. Dort gab es allerlei Kürbiskreationen, echt toll. Über achthundert verschiedene Kürbissorten. Ich sah sogar den größten Kürbis der Welt. Er wog 1.190 kg! Das war sehr beeindruckend.
Mein November war sehr ereignisreich. Zu Beginn des Monats war die Feierlichkeit zu 150 Jahren Bahnhof in Crailsheim. Ein neuer Zug wurde auf den Namen Crailsheim getauft. Wir spielten ein Spiel, gewannen ein Baden-Württemberg-Ticket und machten zusammen mehrere Daumenkinos. Am 12. November wurde Crailsheims neuer Oberbürgermeister gewählt. Ich war die erste Person aus Worthington, die Herrn Dr. Christoph Grimmer zu seiner Wahl gratulierte. Ebenso ging ich im November auf die City Dinner Tour. Dabei besuchten wir verschiedene Crailsheimer Geschäfte. Ich sah, wie die beliebten Crailsheimerle gemacht werden. Ich habe für die Landfrauen in Ingersheim eine Schwarzwälder-Kirschtorte gebacken. Sie war nach acht Minuten ausverkauft! Ein weiteres typisch-regionales Gebäck waren Flachswickel, die ich für das Worthington Komitee gebacken habe. Ende November ging ich auf ein Konzert, welches Pop & Poesie genannt wird. Da waren Schauspieler, die englische Lieder auf Deutsch erklärt haben, bevor die Band sie gespielt hat. Es machte mir großen Spaß, da ich schon viele der deutschen Erklärungen verstehen konnte. Ich habe beim Kneipensingen in Ingersheim mitgesungen. Viele Leute trafen sich in der Kanne in Ingersheim, um deutsche und einige englische Lieder gemeinsam mit einer Live-Band zu singen.
Ich habe Binokel spielen gelernt. Das ist ein altes württembergisches Kartenspiel. Es ist am Anfang kompliziert, aber je mehr man übt, desto mehr Spaß macht es.
Ich hatte auch die Möglichkeit, ein wenig zu reisen. Mit meiner Gastschwester Jana ging ich in das Freizeitbad Palm Beach. Es hat mir Spaß gemacht, die vielen Rutschen hinunter zu rutschen und in den Salzbecken zu entspannen. Ich besuchte nochmals München. Ich ging in den Olympiapark und fuhr den Olympiaturm hoch. Es war schön, über ganz München schauen zu können.
In den letzten drei Monaten ging ich regelmäßig zu den Basketballspielen der Crailsheim Merlins. Ich liebe es dort hinzugehen, weil es mir Spaß macht und es für mich ein Stück Amerika in Deutschland ist. Das beste Spiel, zu dem ich ging, war das Weihnachtsspiel. Ich wurde in den VIP-Bereich eingeladen und traf einige amerikanische Spieler! Im Anschluss gab es eine Party, bei der ich viel Spaß hatte. Ich bin schon sehr gespannt auf die verbleibende Saison!
Meine deutsche Weihnacht war sehr schön. In Ingersheim, wo ich gerade wohne, hat Anfang Dezember das Adventsfenster begonnen. Jeden Tag im Dezember gestaltet eine andere Familie in Ingersheim ein Fenster. Viele Leute kommen zusammen, um die gestalteten Fenster anzuschauen. Sie trinken dazu Punsch, Glühwein und essen Häppchen oder Kleingebäck. Ich traf auf diesem Wege sehr viele Leute und trank viel Punsch. Das war sehr schön anzusehen und ich denke auch, dass es eine großartige Tradition ist. Für meine Mutter habe ich zu Weihnachten mit meinem Nachbarn Ernst ein Herzschmuckkästle aus echtem Eichenholz gemacht.
Weihnachten in Deutschland ist anders. Wir haben drei Tage, anstatt einen Tag in Amerika, so wie ich es kenne, gefeiert. Über diese drei Tage aß ich sehr viel und verbrachte viel Zeit mit meiner Gastfamilie und meinen Gastnachbarn. Eine Überraschung war, als der Weihnachtsmann am Heiligen Abend mit Geschenken ins Haus kam. Er hat zu uns gesprochen und sagte jedem einzelnen, was wir gut gemacht haben und was wir im nächsten Jahr besser machen können. Ich ging zu vielen Weihnachtsmärkten, die wir so in Amerika nicht haben. Ich ging nach Lindau, Rothenburg o.T. und natürlich auf den Crailsheimer Weihnachtsmarkt. Im Dezember spielte ich als Mitglied der Jugendkapelle im Adventskonzert der Stadtkapelle mit. Es war sehr kalt, weil es draußen war. Aber es hat viel Spaß gemacht und ich denke, es hat gut geklungen. Mir gefiel ebenso das Konzert meiner Gastschwester Lilli. Sie spielt Klarinette, wie ich. Viele Kinder der Musikschule haben dort gespielt. Ich besuchte auch ein Konzert, das meine Schule, das Albert-Schweitzer-Gymnasium, in der Johanneskirche aufgeführt hat. Es war ein sehr schönes Konzert mit viel schöner und guter Musik.
Einen Tag vor Silvester war ich mit meiner Gastfamilie in Stuttgart einkaufen. Wir haben die gewonnene Freifahrkarte (Baden-Württemberg-Ticket) von der Deutschen Bahn eingelöst. Wir hatten dabei Spaß und ich war sogar Eislaufen und half dabei meiner kleinen Gastschwester. An Silvester besuchten wir den Crailsheimer Weihnachtszirkus. Es gab viele gute Darbietungen und dort waren viele Tiere, inklusive fünf Tiger! Das war mein erster Zirkusbesuch. Und es gab wieder gutes Essen. Es war wirklich toll, das Feuerwerk über ganz Crailsheim zu sehen, als die Uhr Mitternacht schlug. Überall wo man hinsah, konnte man aufsteigendes Feuerwerk sehen! Das ist eine Sache, die wir in Amerika so nicht haben. Es war wirklich schön anzuschauen!
Ich bin sehr gespannt, was mir das neue Jahr noch bringen wird! Jetzt schon habe ich viele Termine geplant. Ich werde mein Weihnachtsgeschenk, einen Besuch der Equila Pferdeshow, einlösen. Danach stehen die Feierlichkeiten um den Stadtfeiertag (Gala im Hangar, Heimatgeschichtlicher Abend, Bürgerfest und offizieller Empfang) an. Ein weiterer Höhepunkt wird für mich die Amtseinsetzung von Dr. Christoph Grimmer zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Crailsheim werden sowie die Wahl der neuen Austauschschülerin bzw. des neuen Austauschschülers.
Bis bald,
Grace Moody, Worthington Austauschschülerin

"Von Homecoming und Lettermansjacket"

Lilo mit ihrer Highschool-Jacke beim Schneeschippen. Foto: privat

Derzeit lebt Lilo Herzig als Austauschschülerin in der amerikanischen Partnerstadt Worthington, Minnesota. Seit ihrem ersten Bericht im September ist einiges passiert. In ihrem zweiten Brief lässt sie die Leser an ihren Erfahrungen mit amerikanischen Festen, Gebräuchen und antarktischen Temperaturen in Worthington teilhaben.

Hallo Crailsheim!
Hier schreibt Lilo Herzig, eure Austauschschülerin in Worthington, Minnesota.
Fünf bzw. fast sechs Monate ist es schon her, als ich am Frankfurter Flughafen stand und mir nochmal echte deutsche Schoki gekauft habe. Ich habe jetzt schon fast Halbzeit.
Aber jetzt mal, was alles so passiert ist, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe.
Gleich nach dem King Turkey Day (siehe letzter Brief) war „Homecoming“. Traditionell wird sich während der Homecoming-Woche jeden Tag einem Motto nach angezogen. Die Woche endet dann freitags mit einem Footballspiel gegen eine andere Schule und dem darauffolgenden „Homecoming Dance“, der in der Turnhalle gefeiert wird.
Homecoming war eine spannende Erfahrung und ein bisschen wie im Film. Nach dem Homecoming hat mich der „Alltagswahn“ ein bisschen gepackt. Ich habe für meine Tests gebüffelt, mich mit meinen Freunden getroffen, ab und zu mal die Nationalhymne vor einem Volleyballspiel mit dem Chor gesungen und habe generell das amerikanische Leben genossen. Bis ich mich verschaut hatte, war der Herbst auch schon fast vorbei. An meinem „100 Tage in Amerika“-Tag sind meine Freunde und ich ins benachbarte Okaboji zum Essen und Filmschauen gefahren. Diesen Tag werde ich niemals vergessen. Es war einer der schönsten und erlebnisreichsten Tage während meiner Zeit hier. Und dann kam Thanksgiving. Thanksgiving war toll, mit leckerem Essen (inklusive köstlichem Truthahn und -füllung), Brettspielen und lustigen Gesprächen. Thanksgiving war außerdem auch mein letzter Tag mit meiner ersten Gastfamilie, den Burns. Unter vielen Tränen bin ich nach vier Monaten ausgezogen bzw. umgezogen. Die Familie Van Note ist meine neue Gastfamilie. Meine Gasteltern sind Krista und Nate Van Note, meine Gastbrüder Terry und Austin, nicht zu vergessen der Familienhund und mein neuer bester Freund, Winston.
Die Vorweihnachtszeit habe ich damit verbracht das Bühnenbild und die Requisiten für das Schulweihnachtstheater zu bauen. Aufgeführt haben wir "A Charly Brown Christmas" ganz im Sinne von Weihnachten. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, mit solch kreativen und interessanten Menschen jeden Tag nach der Schule zu arbeiten.
Außerdem durfte ich beim „Feste und Feiertage rund um die Welt“ Weihnachten und seine Traditionen in Deutschland präsentieren. Weihnachten habe ich dann in Marshall, Minnesota, bei meiner Gastgroßmutter und der ganzen Familie verbracht. Um ehrlich zu sein, Weihnachten weit weg von zuhause ist schon etwas schwerer als gedacht, es war aber trotzdem schön. Silvester habe ich zusammen mit meinen Freunden mit kuscheligen -32° C Außentemperatur hier in Worthington verbracht. Ich mache (leider) keinen Witz, wenn ich sage, dass es drei Tage lang in der Antarktis wärmer war als hier. Aber Gott sei Dank kam kurz nach Weihnachten meine warme „Lettermansjacket“ (Highschool-Jacke) an. Jetzt muss ich nicht mehr ganz so frieren.
Ich melde mich bald wieder!
Liebe Grüße und ein frohes Neues aus dem eisigen Minnesota,
Eure Lilo.

"Die vierfache Größe des Volksfestes"

Lilo Herzig (rechts) auf dem Turkey Day zusammen mit Alberto aus Italien und Yubeen aus Korea – zwei sehr guten Freunden in Worthington. Bild: Herzig

Lilo Herzigs erster Brief aus Amerika

Seit dem 28. Juli ist die neue Austauschschülerin aus Crailsheim Lilo Herzig in Worthington, Minnesota (USA). In ihrem ersten Brief berichtet sie von ihren ersten Erlebnissen und Erfahrungen in der amerikanischen Partnerstadt.

 
Hallo Crailsheim,

hier schreibt Lilo Herzig, eure 2017/2018 Austauschschülerin in Worthington, Minnesota (USA).
Fangen wir mal ganz von vorne an: Am 28.Juli bin ich zusammen mit 120 Worthingtonern nach Minnesota geflogen. Gleich an meinem ersten richtigen Tag gab es eine Willkommen- bzw. Willkommen-zurück-Party für meinen Gastbruder Dominic und mich. Auf der Party hatte ich meinen ersten richtigen Hot-Dog und wir sind mit einem Speed Boot auf dem See rumgefahren.
Mit dem Beginn der nächsten Woche machten sich meine Gasteltern, Scott und Karen, zwei meiner fünf Gastbrüder, Quentin und Dominic, und ich auf den Weg Richtung Norden. Eineinhalb Wochen sind wir von Cabin (eine kleine Waldhütte) zu Cabin gereist und ich durfte mir die Schönheit einiger Sehenswürdigkeiten ansehen. Lake Vermillion, ein See mit unzählig vielen kleinen Inseln, State Park Itasca, Duluth und die Sudan Underground Mine sind definitiv einen Besuch wert. Außerdem bin ich zusammen mit meinem Gastvater und meinen Gastbrüdern fischen gegangen und man glaube es kaum – ich hab sogar was gefangen!
Wieder zurück in Worthington begann auch schon das Tennistraining für das Schulteam. Ich persönlich hatte noch nie zuvor Tennis gespielt, geschweige denn verstanden, welche Linie jetzt was bedeutet. Aber ich lernte schnell, unter anderem mit Hilfe meiner tennisbegeisterten Großeltern, welche mir via Email den Tipp gaben: „Starr einfach den Ball an, dann triffst du schon!“
An meinem Geburtstag, dem 22. August, hatten wir auch schon unser erstes Spiel gegen eine andere Schule. Ich spielte Doppel und zusammen mit meiner Partnerin Olivia gab es das beste Geburtstagsgeschenk: der Sieg unseres Matches. Abends nach dem Spiel haben meine Freunde eine kleine, sehr schöne Geburtstagsfeier organisiert. Und zusammen mit ihnen konnte ich feiern, dass ich selbst mit 15 immer noch die jüngste Austauschschülerin dieser Partnerschaft bin.
Zusammen mit meiner Freundin Chloe und ihrer Mutter Coline bin ich zur Minnesota State Fair in St. Paul gegangen. Ihr müsst euch das so vorstellen: die vierfache Größe des Volksfests, aber mit Stimmung und Ständen wie der Muswiese.
Bevor die Schule startete, gab es noch einen super spaßigen Badeausflug nach Okaboji zusammen mit meinen Freunden, bevor alle wieder mit der High School beschäftigt sein oder auf dem Unicampus wohnen würden. Und dann startete auch schon die Schule.
Um ganz ehrlich zu sein: Die ersten paar Tage war ich sehr verloren, da ich kaum Klassen mit meinen Freunden habe. Aber nach der ersten Eingewöhnungsphase habe auch ich mich zurechtgefunden. Die Schule hier ist sehr anders als die Schule in Deutschland; welche Schule jetzt besser ist, weiß ich noch nicht so ganz. Allerdings gibt es hier viele Freizeitangebote; so spiele ich wie gesagt Tennis, bin im Chor und in der amerikanischen Version der SMV.
Während in Crailsheim das Volksfest wütete und ich meinen Freunden verbot, mir Bilder von letzterem zu schicken, wurde hier der King Turkey Day gefeiert und ich dufte in der Parade mitlaufen. Der Turkey Day hat mich persönlich an den Hammeltanz in Onolzheim erinnert.
Und jetzt noch ein kleiner Aufruf: Wer auch immer mit dem Gedanken spielt sich für den Austausch zu bewerben: Probier‘s aus! Du hast nichts zu verlieren, vielmehr sehr viel dazu zu gewinnen.
Liebe Grüße, ich melde mich ganz bald wieder,

Eure Lilo Herzig

Die Neue stellt sich vor

Madalynne Grace Moody freut sich auf ihr Jahr in Crailsheim. Foto: privat

Schüleraustausch mit Partnerstadt Worthington (USA)

Die diesjährige Austauschschülerin aus Worthington (USA) heißt Madalynne Grace Moody. Auf das Jahr in Crailsheim, das im Sommer beginnt, blickt sie mit viel Vorfreude und Interesse. Nicht zuletzt weil die 16-Jährige deutsche Wurzeln hat und gerne mehr über ihre deutsche Familiengeschichte erfahren möchte.

Liebe Gastfamilie!
 
Hallo, mein Name ist Madalynne Grace Moody, aber ich werde Grace genannt. Ich bin 16 Jahre alt und gehe dieses Jahr in die 10. Klasse. Ich möchte Ihnen einfach sagen, wie aufgeregt ich bin, ein Jahr in Ihrer Stadt zu verbringen! Ich kann es kaum erwarten, Sie alle zu treffen!
 
Nun, da dieser Brief über mich geht, erzähle ich auch etwas von mir! Ich bin zur Hälfte deutsch. Mein (leiblicher) Vater wuchs in der Nähe von Koblenz auf und ich freue mich sehr darauf, diesen Teil meiner Familie zu erkunden. Ich lese und schreibe gern, höre Musik, verreise und ich liebe es, Zeit mit meiner Familie und mit Freunden zu verbringen, aber zwischendurch brauche ich auch Zeit für mich. Ich spiele in unserer Schulband Klarinette und bin im Robotics Team meiner Schule aktiv. Zudem arbeite ich bei Burger King – eine Fastfood-Kette in meiner Nähe. Meine Hobbies sind Lesen, Schreiben, Schwimmen, Fotografieren, Videobearbeitung, Filme, Fernsehen und wenn ich Zeit finde, spiele ich gerne Videospiele. Ich hatte zwei Jahre Deutschunterricht und verstehe die meisten einfachen Dinge und bin in der Lage, selbst Sätze auf Deutsch zu bilden.
 
Auf den ersten Blick mag ich zwar schüchtern wirken, aber wenn man mich besser kennen lernt, komme ich aus mir heraus. Ich würde mich als verantwortungsbewusste, respektvolle, unabhängige und generell fröhliche Person beschreiben. Ich bin aufgeschlossen und keine Person, die gegenüber jemandem, der anders erscheint, unhöflich oder gemein ist. Erwähnen möchte ich außerdem, dass ich nicht besonders religiös bin.
 
Nun zu etwas sehr Wichtigem für mich: meine Familie! Meine Familie, das sind ich, meine zwei Brüder und meine Mama. Wir haben noch zwei Haustiere: Unser Hund Ozzy und Princess, unsere Katze. Ben ist mein ältester Bruder. Er ist 29 Jahre alt und Feuerwehrmann in Virginia, das 2.100 km von uns entfernt ist. Wir vermissen ihn so sehr! Zusätzlich führt er ein Online-Marketing-Geschäft. Seine Freundin heißt Kellyn und wir alle hoffen, dass beide bald heiraten werden (aber nicht, während ich weg bin). Mein zweiter Bruder heißt Malik und ist 18. Er hat letztes Jahr die High School abgeschlossen, wohnt momentan zu Hause und arbeitet bei einem Autohaus, während er sich überlegt, was er später machen möchte. Meine Mama heißt Joy und arbeitet als Krankenschwester im örtlichen Krankenhaus. Obwohl sie viel zu tun hat, findet sie immer Zeit für die Familie. Meine ganze Familie hat mich bei meiner Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, sehr unterstützt, auch wenn sie alle traurig sind, dass ich gehe. Mir ist aufgefallen, dass meine Mutter mir mehr Aufmerksamkeit als sonst geschenkt hat und das soll was heißen!
 
Wie ich bereits geschrieben habe, bin ich sehr aufgeregt, ein Jahr in Crailsheim zu verbringen. Ich freue mich schon total darauf, zu reisen und jeden kennenzulernen. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was es in Crailsheim so gibt. Ich probiere gern neue Dinge aus und versuche auch gern Dinge, die ich in den USA normalerweise nicht mache, wie zum Beispiel mit meiner neuen großen Schwester Johanna zu fechten. Außerdem würde ich gerne Skifahren lernen. Bisher bin ich noch nie Ski gefahren – die flache Landschaft in Minnesota lädt nicht gerade dazu ein.
 
Wie gesagt: Ich freue mich riesig, Sie alle kennen zu lernen und mein Jahr in Crailsheim zu verbringen. Ich hoffe, zu reisen und viele neue Dinge kennenzulernen. Ich werde meine Familie und Freunde sehr vermissen, aber ich bin mir sicher, dass der Austausch eine große Chance ist.
 
Viele Grüße,
 
Madalynne Grace Moody