Menstruationsartikel
Ein Schritt zu mehr Alltagshilfe – mit kleinen Hürden
Kostenlose Binden und Tampons an Crailsheimer Schulen: Was als Antrag im Jugendgemeinderat begann, ist nun Realität. Das Projekt soll Schülerinnen im Alltag entlasten, das Thema Menstruation enttabuisieren und für mehr Gleichberechtigung sorgen – auch wenn es an manchen Schulen noch Herausforderungen gibt.
Angestoßen wurde das Vorhaben bereits im November 2022 durch Jugendgemeinderatsmitglied Xavier Szymanski-Zwadlo, mittlerweile Mitglied im Gemeinderat. Sein Antrag: Kostenlose Menstruationsartikel an Schulen, um Chancengleichheit zu fördern und die Periode zu enttabuisieren. Der Gemeinderat griff die Idee auf, die nötigen Haushaltsmittel wurden auf Antrag der GRÜNEN-Fraktion bereitgestellt.
Das Ressort Bildung & Wirtschaft prüfte die Umsetzung und entschied sich dafür, in ausgewählten Damentoiletten der weiterführenden Schulen entsprechende Spender anzubringen. Insgesamt neun Stück wurden benötigt. Die Kosten dafür lagen bei rund 3.000 Euro, hinzu kommen geschätzte jährliche Nachfüllkosten von etwa 4.500 Euro für alle Schulen zusammen. Die Firma Procter & Gamble mit Standort in Crailsheim unterstützt das Projekt, indem sie Binden und Tampons auf Spendenbasis zur Verfügung stellt.
Positive Rückmeldungen aus den Schulen
Die Hausmeisterinnen und Hausmeister der Schulen haben die Spender installiert und befüllen sie. Ihre Rückmeldungen fallen überwiegend positiv aus. Viele berichten, dass die Spender unauffällig genutzt werden und die Artikel sinnvoll dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Der zusätzliche Aufwand im Alltag halte sich in Grenzen, zumal die Spender auf eine zeitverzögerte Entnahme ausgelegt sind.
Auch pädagogisch wird das Projekt begrüßt: Die kostenlose Bereitstellung trägt zur Normalisierung des Themas Menstruation bei und kann für Schülerinnen eine echte Entlastung bedeuten. Erfahrungen aus Tübingen, wo bereits 23 Spender in Schulen und öffentlichen Gebäuden installiert sind, bestätigen diesen Eindruck. Dort ist bislang nur ein einziger Fall von missbräuchlicher Nutzung bekannt geworden.
Nicht überall läuft es problemlos
Ganz ohne Schwierigkeiten geht es aber nicht. Einzelne Hausmeister weisen darauf hin, dass Vandalismus an manchen Schulstandorten generell ein Thema ist – nicht nur bei diesen Spendern. Wo die Artikel nicht für den eigentlichen Zweck entnommen werden, gibt das Sekretariat die Artikel bei Bedarf aus.
Auch der Weg bis zur Umsetzung war länger als geplant. Erst im Juli 2024 wurde endgültig ein Hersteller gefunden, der passende Spender lieferte. Inzwischen sind diese verteilt und montiert.
Trotz Startschwierigkeiten und vereinzeltem Vandalismus überwiegt das Positive: Crailsheim setzt ein sichtbares Zeichen für Alltagshilfe, Sensibilisierung und Gleichberechtigung an Schulen. Die Rückmeldungen aus dem Schulalltag zeigen, dass das Projekt angenommen wird – und genau dort ansetzt, wo es für viele Schülerinnen einen echten Unterschied macht.