Klimawäldchen
Kühle Oase für den Kreuzberg
Wo bislang vor allem versiegelte Flächen das Bild bestimmten, ist in den vergangenen Wochen ein neues Stück Grün entstanden: Das Klimawäldchen auf dem Berliner Platz auf dem Kreuzberg ist fertig angelegt und soll sich jetzt Schritt für Schritt zu einer kühlen Erholungsoase entwickeln – mit dem Ziel, den sozialen Mittelpunkt des Stadtteils aufzuwerten und gleichzeitig etwas gegen die zunehmende Hitze in der Stadt zu tun.
„Jetzt müssen wir dem Klimawäldchen Zeit geben, dass es sich entwickeln kann“, sagt Franziska Zumpfe, Landschaftsplanerin im Ressort Mobilität & Umwelt. Die Pflanzen müssen anwachsen und die Kronen sich entfalten, um Schatten spenden. Der Platz ist inzwischen freigegeben, der Brunnen läuft wieder – und der Berliner Platz kann genutzt werden, „als kühle Erholungsoase“.
Bunter Strauß an Pflanzen
Die Platzmitte blieb bewusst frei. Sie wird weiterhin als Durchgangsweg genutzt und bietet Raum für Veranstaltungen. Rundherum entstanden bepflanzte Bereiche mit unterschiedlichsten Gehölzen und Stauden. Rund 200 Bäume, Sträucher und weitere Pflanzen wurden dafür auf etwa 550 Quadratmetern gesetzt. Neben mehrstämmigen Heistern wie Birken wurden Hochstämme wie Amberbäume, Feldahorn oder Nordmanntannen gepflanzt.
Ergänzt wird die Bepflanzung durch Storchschnabel, Gräser sowie zahlreiche essbare Arten im südlichen Bereich des Platzes – darunter Apfel, Walnuss, Elsbeere, Johannisbeersträucher, Hasel, Holunder, Aronia und Kornelkirsche. Auch Eiben gehören zum Konzept, die zwar als giftig gelten, aber deren Teile nur in hohen Mengen wirklich gesundheitsschädlich sind.
Nachhaltigkeit als Priorität
„Wir haben insgesamt sehr auf Nachhaltigkeit geachtet“, erklärt Zumpfe, „und haben Pflanzen verwendet, die wir übrig hatten oder günstig kaufen konnten.“ Verwendet wurden unter anderem Pflanzen aus dem Bestand des städtischen Baubetriebshofs, etwa Dahlien aus früheren Schmuckbeeten. Auch Gräser, die von der Sanierung des Volksfestplatzes übrig waren, wurden eingepflanzt. Hinzu kamen Bäume und Sträucher aus Baumschulen, die dort bereits länger gestanden hatten und deshalb günstiger eingekauft werden konnten.
Das Klimawäldchen ist als „Smart Forest“ angelegt – ein dicht bepflanztes Pop-up-Wäldchen auf kleiner Fläche. Vorbild dafür war ein ähnliches Projekt in Heilbronn. Dort habe man allerdings teils andere Materialien verwendet, berichtet Zumpfe: „In Heilbronn haben sie als Begrenzung ein Substrat in so eine Art Jute-Plane eingewickelt und das geht schneller kaputt. Daraus haben wir gelernt und deshalb vom Baubetriebshof bereits gefällte Baumstämme verwendet.“
Auf zehn Jahre ausgelegt
Aufgebaut wurde das Wäldchen mit einem Baustahlgitter, darüber einem Pflanzenvlies und zertifiziertem Baumsubstrat. Abgedeckt wird alles mit Hackschnitzeln. Die Bäume sind zunächst am Gitter fixiert, damit sie stabil anwachsen können. Einige bestehende Bäume auf dem Platz wurden in das Konzept integriert. Das Projekt ist auf etwa zehn Jahre ausgelegt – so lange sollen auch die verwendeten Baumstämme halten. „Wie es danach weitergeht, wird dann entschieden“, so Zumpfe.
Ein Bewässerungssystem wurde installiert, das mithilfe von Sensoren die Feuchtigkeit misst und automatisch reagiert. Gerade in Hitzeperioden soll das für die notwendige Versorgung der Pflanzen sorgen. „Das Wasser verdunstet dann ja auch und sorgt so für angenehme Kühle auf dem Platz“, erklärt Zumpfe.
Auch die Samariterstiftung ist eng in das Projekt eingebunden. Dort entstehen in eigener Werkstatt derzeit Sitzgelegenheiten, die in den kommenden Wochen auf den Baumstämmen von den Klienten der Wohngruppen und Tagesstätten angebracht werden. Geplant sind Sitzauflagen mit und ohne Rückenlehne. Zudem werden bestehende Bänke erneuert. Die Samariterstiftung wird sich auch bei der Pflege des Platzes engagieren, beispielsweise regelmäßig Müll sammeln und vielleicht noch kleine Pflanzaktionen durchführen.
Projekt mit Herausforderungen
Die Umsetzung des Projekts verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Wegen anderer Verpflichtungen der ausführenden Firma bei der Landesgartenschau in Ellwangen haben die Arbeiten später begonnen als ursprünglich geplant. Hinzu kamen die hohen Temperaturen während der Pflanzphase. „Insgesamt war es ein herausforderndes Projekt. Aber es sieht jetzt sehr gut aus“, sagt Zumpfe.
Auch finanziell hatte das Klimawäldchen zuletzt für Diskussionen gesorgt. Zwischenzeitlich waren Kosten von rund 230.000 Euro geplant. Nach aktuellem Stand wird das Projekt jedoch deutlich günstiger. Mit Blick auf die ursprünglich eingeplanten 150.000 Euro sagt Zumpfe: „Damit kommen wir gut hin und bleiben voraussichtlich darunter.“
Vor Ort habe sie selbst vor allem positive Reaktionen erlebt, erzählt die Landschaftsplanerin. Viele Menschen hätten sich interessiert gezeigt und eigene Hinweise eingebracht. Besonders schmunzeln musste sie über den Rat einer älteren Dame: „Wir sollten uns als planer überlegen, dass Hackschnitzel den Brunnen nicht verstopfen, wenn Kinder dort spielen. Aber wir statten den Ablauf natürlich mit einem Sieb aus.“ Es ist nicht jeder vom Projekt begeistert. Da es jetzt geöffnet ist, kann man sich vor Ort selbst ein Bild machen.
Die Stadt hofft, dass Anwohnende und Besucher sorgsam mit den neu bepflanzten Flächen umgehen – damit das kleine Wäldchen im Herzen des Kreuzbergs in den kommenden Jahren wachsen und gedeihen kann, als kühle Oase im sozialen Mittelpunkt des Kreuzbergs.