Schule trifft Rathaus
Ein Austausch auf Augenhöhe
Den kommunalpolitischen Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ gibt es in Crailsheim bereits seit 2020. Und auch dieses Jahr durften wieder Schülerinnen und Schüler einerseits viel über die Abläufe in der Kommunalpolitik lernen, andererseits aber auch eigene Ideen entwickeln und diese im Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und Sozial- & Baubürgermeister Jörg Steuler vorstellen und erörtern. In diesem Jahr waren 24 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8b des Lise-Meitner-Gymnasiums im Ratssaal zu Gast. Organisiert wurde der Aktionstag von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) Baden-Württemberg.
„Ich mag das Format sehr und freue mich auf Eure Ideen und den Austausch“, begrüßte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer die Schülerinnen und Schüler, bevor er kurz seinen Aufgabenbereich vorstellte: die Leitung der Verwaltung, den Vorsitz im Gemeinderat, dazu kommen repräsentative Aufgaben. Bei Jörg Steuler sind es vor allem Soziales, Kultur und Bauvorhaben, was dazu führe, dass bei ihm „die Themen auflaufen, die öfter mal kontrovers diskutiert werden“, wie er schmunzelnd verriet.
Quasi zum „Warm-up“ durfte jeder der beiden zwei Fragen beantworten: Grimmer fiel sofort der Jugendgemeinderat ein, als es um die Frage der Beteiligung der Jugendlichen in der Stadt ging. Auf die Frage „Beim Zusammenleben der verschiedenen Generationen ist mir wichtig…“ nannte er vor allem den Respekt füreinander, der zu einer besseren Verständigung führe. Bürgermeister Jörg Steuler findet Crailsheim lebenswert, weil „die Stadt eine gute Infrastruktur hat, trotzdem naturnah liegt und insbesondere Wohnraum noch bezahlbar ist.“ Angesprochen auf seine eigene Schulzeit, musste er zugeben, dass er damals „wohl nicht der Zielstrebigste war“. Dass das nicht immer viel heißt, zeige die Tatsache, dass er trotzdem Bürgermeister geworden sei.
Als erste Idee präsentierten die Schülerinnen und Schüler ein Outdoor-Gym mit Geräten ähnlich eines für Jugendliche nur selten erschwinglichen Fitness-Studios. Aber es solle auch als Treffpunkt dienen. Da er Sportwissenschaft studiert habe, lägen ihm diese Themen natürlich am Herzen und er wisse um die Wichtigkeit solcher Angebote, erklärte der Oberbürgermeister. Daher konnte er darauf verweisen, dass die Stadt in diesem Bereich bereits einiges umgesetzt hat und noch umsetzen wird: Die erst kürzlich eröffnete Calisthenics-Anlage am Kreuzberg wird bald durch einen Pumptrack ergänzt. Einen Outdoor-Activity-Bereich gebe es auch im Lammgarten, für eine Außenanlage am Albert-Schweitzer-Gymnasium nimmt die Stadt nun ebenfalls Geld in die Hand. Außerdem sei auf dem neuen Volksfestplatz eine Sportfläche geplant. Es zeigte sich, dass nicht allen Jugendlichen im Ratssaal diese Angebote bekannt waren. Dies zu ändern, nahmen die Vertreterinnen des Jugendgemeinderates, Derya Janneh und Hannah Brenner, als Aufgabe mit.
Interessante Ideen
Als nächstes wurde die Idee eines Jugend-Cafés erörtert, das einerseits Ort des Austauschs sein soll, andererseits auch Veranstaltungsort für Freizeitangebote wie Töpfern oder Open-Air-Kino. Außerdem könnten Jugendliche dort arbeiten, im Rahmen eines Ferienjobs. An einem Schwarzen Brett könnten dort auch Angebote der Firmen für Ferienjobs hängen. Als Hürden sahen die Schülerinnen und Schüler, dass es ein hohes Interesse an einem solchen Angebot geben müsse, damit es sich trage, und dass es grundsätzlich wohl recht teuer sei, so etwas umzusetzen. Dem stimmte Grimmer grundsätzlich zu, verwies aber auch auf das Jugendbüro, das vieles davon anbiete. Beim Thema Ferienjob erinnerte er sich, dass auch er sich früher eher schwergetan habe, etwas zu finden. Daher könne er der Idee, die Jugendlichen und Firmen auf diese Art zusammenzubringen, viel abgewinnen, und er werde prüfen lassen, ob das umsetzbar sei.
Ein drittes Projekt drehte sich um die Partyangebote in der Stadt, mit einem besonderen Hintergrund: Es gehe nicht nur ums Feiern, sondern darum, Dinge zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben. „Mehr Freude, mehr Erinnerungen – und letztlich auch weniger Handy-Zeit“, trugen die Schülerinnen und Schüler vor. Einnahmen könne man teilweise spenden, um gleichzeitig auch noch etwas für den guten Zweck zu tun. „Es ist schon so, dass es heute weniger solcher Party-Locations gibt“, erklärte Bürgermeister Steuler. „Aber das liegt auch daran, dass sich das Freizeitverhalten der Jugendlichen geändert hat.“ Das Jugendbüro biete einerseits solche Aktionen wie Jugenddiscos an.
Aber auch der Ratskeller – übrigens betrieben vom Stadtjugendring – könne ein geeigneter und kostengünstiger Ort für solche Events sein. Auf den Einwand, dass dort auch viele ältere Jugendliche seien und die jüngere Altersgruppe dann eventuell nicht wie gewollt zum Zuge käme, äußerte sich Derya Janneh vom Jugendgemeinderat: „Wir müssen uns noch etwas finden, da es gerade eine Neuwahl gab. Aber wir wissen schon, dass wir gerade eurer Altersgruppe mehr Angebote machen wollen. Wir wollen euch nicht ausschließen, ganz im Gegenteil.“ Auch was das Jugendbüro angeht, könne Janneh aus eigener Erfahrung nur Gutes berichten: „Da wird gute Arbeit geleistet und viel angeboten. Traut euch, ihr trefft dort coole Leute.“
Spontane Fragerunde
Zum Abschluss gab es noch eine Fragerunde, bei der Grimmer und Steuler jeweils abwechselnd Fragen aus einem Säckchen zogen und sie spontan beantworteten. So erfuhren die Jugendlichen auch allerlei Privates von den Stadtoberhäuptern: Beispielsweise, dass Steuler eher deftiger als süß esse und daher nur gelegentlich „mal eine Schokolade“ nasche, während Grimmer bei Rocher-Kugeln schon eher mal schwach wird. Steulers Lieblingswasser kommt vor allem aus seiner Heimatgegend im Westerwald, bei Grimmer aus dem Wasserhahn. Unter Applaus erriet eine Schülerin den Abiturschnitt des Oberbürgermeisters (1,4). Bei der Frage „Hund oder Katze“ kam Steuler eher auf den Hund, während Grimmer weder mit Hund („Ein Hund hat mir mal meinen Fußball zerbissen.“) noch Katze viel anfangen könne, sondern er in der Natur eher Rehe oder Eichhörnchen interessant finde.
Auf die Frage, ob er schon immer Oberbürgermeister werden wollte, musste Grimmer etwas ausholen: Nachdem er darauf angesprochen wurde, ob er sich das nicht vorstellen könne, ließ ihn der Gedanke nicht mehr los, für seine Heimatstadt Verantwortung zu übernehmen. Die Arbeit für eine Stadt erklärt er wie in einem Computerspiel: „Ich habe nie Kampfspiele gespielt, sondern eher solche Manager-Spiele, bei denen es darum ging, beispielsweise einen Fußballverein nach oben zu bringen. So ähnlich kann man sich die Arbeit jetzt auch vorstellen, wenn viele Rädchen ineinandergreifen müssen, damit es vorwärts geht.“ Klar sei aber auch: Eine Stadt ist nie fertig. „Das ist eine Daueraufgabe, und man muss immer weitermachen.“
Verantwortung verteilt
Und wie sei es, der mächtigste Mann der Stadt zu sein? Da musste Grimmer lächeln: „Das sehe ich nicht so. Mir geht es auch nicht um Macht. Natürlich kann man gestalten, aber am Ende darf man den Einfluss des Oberbürgermeisters auch nicht überschätzen.“ Schließlich entscheide er nicht alleine, sondern zusammen mit dem Gemeinderat, so dass sich diesbezüglich die Verantwortung derzeit auf 41 Köpfe verteile.
Ob er immer einen Anzug tragen müsse? „Nein, das gehört bei einigen Anlässen zwar dazu, ansonsten mag ich aber gerne sportliche Kleidung. Ich versuche auch zu variieren.“ Auf die Frage, wie viel Freizeit man als Bürgermeister habe, gibt es keine klare Antwort: „In diesem Beruf gehen Arbeit und Freizeit oft ineinander über“, erklärte Jörg Steuler. Wer versuche, das komplett zu trennen, sei seiner Meinung nach für den Job weniger geeignet. „Man ist durch die vielen Termine schon teils fremdbestimmt“, fügte Grimmer hinzu. Am Ende sei es eine Frage, wie man sich selbst organisiert.
Einen Lacher erntete Jörg Steuler am Ende noch bei der Frage, als welches Tier er sich identifizieren könne. „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht“, meinte er, um dann mit einem ironischen Blick zu seinem Bürgermeisterkollegen hinzuzufügen: „Aber auf keinen Fall als Reh.“