Eichenprozessionsspinner
Vorgehen hat sich längst eingespielt
Immer wieder gehen Anrufe beim Baubetriebshof oder der Stadtverwaltung ein, wenn Eichenprozessionsspinner entdeckt werden. Doch die Hauptbekämpfung erfolgt nicht jetzt im Sommer, sondern bereits im Frühjahr, wenn Nematoden per Drohne angebracht werden und den Larven zu Leibe rücken.
Kleine Raupen mit dunklem Kopf und langen, hellen Haaren: Die Eichenprozessionsspinner gibt es hierzulande nun schon so lange, dass bei einem Aufeinandertreffen eigentlich jeder weiß, wen er da vor sich hat. Und dann auch den nötigen Sicherheitsabstand einhält, denn die kleinen Tiere können bei Kontakt durchaus juckende Pusteln, Atemwegsbeschwerden und andere gesundheitliche Auswirkungen haben. Jetzt, Ende Juli, ist die gefährlichste Zeit des Eichenprozessionsspinners aber eigentlich schon fast vorüber, denn die Raupen bilden bereits zwischen Mai und Juni, also ab dem dritten Larvenstadium, die nesselnden Brennhaare aus. Wenn sie dann von Ende Juli bis Anfang September als Falter fliegen, sind sie für den Menschen ungefährlich. Lediglich die alten Nester können bei Kontakt zu Beschwerden führen, da dort oft viele Brennhaare zurückbleiben.
„Für dieses Jahr ist es eigentlich schon durch“, weiß auch Horst Kettemann, der beim städtischen Baubetriebshof für die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner zuständig ist und sich grundsätzlich dafür ausspricht, den Leuten die Angst vor den kleinen Raupen zu nehmen. „Wir leben hier im Stadtgebiet schon seit etwa 20 Jahren mit dem Eichenprozessionsspinner. Ich persönlich kenne viele Menschen, die bei Kontakt lediglich ein paar juckende Pusteln hatten – ähnlich wie bei Schnakenstichen oder Grasmilben“, sagt Kettemann. Für Allergiker allerdings kann durchaus ein größeres Gesundheitsrisiko bestehen.
Gezielte Bekämpfung
Nichtsdestotrotz bekämpfen die Mitarbeiter des Baubetriebshofes die Raupen – gezielt und mit Schwerpunkt auf Spielplätzen, an Schulen, in öffentlichen Parks und an Sportplätzen, Gehwegen, Parkplätzen und innerstädtischen Straßen. „Wir haben 799 Eichen im städtischen Baumkataster und unzählige im Stadtwald oder anderen Gehölzsteifen. Eine Bekämpfung auf Wanderwegen, Feld- und Waldwegen ist nicht leistbar“, so Kettemann.
Im Frühling werden dazu rund 300 Bäume ein bis zwei Mal auf biologische Art und Weise gespritzt. Per Drohne werden sogenannte Nematoden, also Nützlinge, ausgebracht, die den Larven zu Leibe rücken. Diese Methode ist völlig ungefährlich für Mensch und Tier, weshalb die behandelten Bereiche auch nicht gesperrt werden müssen. Zudem ist die biologische Besprühung per Drohne deutlich günstiger und schneller als die herkömmliche Methode, die Nester abzusaugen. „Die Wirkung ist sehr gut, aber auch witterungsabhängig“, erklärt Kettemann.
Auch Absaugung möglich
Etwa 200 Bäume werden jedoch trotzdem bei Bedarf mit einem Spezialsauger von der Hubarbeitsbühne aus abgesaugt; im Schutzanzug und mit Atemschutz gehen die Baubetriebshofmitarbeiter gegen die Eichenprozessionsspinner vor. Dies geschieht vorsorglich und vor allem dort, wo Straßen und Plätze nicht kurzfristig gesperrt werden können. Gerade im Sommer, wenn die Raupen dann unterwegs sind und gut beobachtet werden können, gehen immer wieder Anrufe aus der Bevölkerung beim Baubetriebshof ein. Doch die Mitarbeitenden haben das meist selbst schon auf dem Radar, denn der Baubetriebshof führt ein regelmäßiges Monitoring durch und fährt die gefährdeten Stellen ab, um die Tiere gegebenenfalls gleich absaugen zu können.
„Ein grundsätzliches Problem im Wald ist, dass die Brennhaare auch durch den Wind verweht werden. Aber auch an einzelnstehenden, behandelten Bäumen kann es keine 100-prozentige Sicherheit geben“, sagt Kettemann.
Info: Ein Video zur Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung ist auf dem YouTube-Kanal der Stadt Crailsheim zu finden: www.youtube.com/stadtverwaltungcrailsheim
