Musikerehrung

Große Gefühle im Ratssaal

Zwei Männer, einer mit Saxophon, lächeln in die Kamera
Preisträger Rupert Herrmann (links) spielte ein Duett mit Frieder Scheerer.

Zum achten Mal hat die Stadt Crailsheim verdiente Musikerinnen und Musiker ausgezeichnet. Im vollbesetzten Ratssaal feuten sich die zahlreichen Zuschauer nicht nur mit den Preisträgerinnen und Preisträgern über die ein oder andere auch überraschende Ehrung, sondern vor allem über wunderbare Musik.  

„Wir haben eine große Anzahl talentierter und leidenschaftlicher Musikerinnen sowie Musiker hier in Crailsheim“, stellte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer gleich zu Beginn der Verleihung fest. „Ihr Engagement und Ihre Hingabe zur Musik bereichern unser kulturelles Leben und schaffen unvergessliche Momente der Freude und Inspiration für uns alle.“ Damit spielte er nicht nur auf das Orchester der Bläserklasse der Eichendorffschule an, die den Abend mit dem Stück „You’ve never had chocolate like this“ eröffneten, sondern meinte die komplette Crailsheimer Musikszene.

In diesem Jahr wurden Ehrungen in zwei Kategorien vorgenommen – einerseits für „besondere musikalische Aktivitäten“, andererseits mit „Musiker des Jahres“, „Ensemble des Jahres“ sowie „Preis für das Lebenswerk“ gleich drei Sonderpreise. Für die Kategorie „Wettbewerbe“ gingen keine Vorschläge ein, die den Statuten entsprachen, daher wurde hier kein Preis verliehen.

Chor, Blasmusik und Initiativen
Dafür gab es gleich vier Ehrungen für besondere musikalische Aktivitäten: Die Harmonia Swingers Crailsheim, erklärte Moderatorin Susanne Kröper-Vogt, zeige seit vielen Jahren, dass Chormusik „alles andere als verstaubt“ sei. Geehrt wurden sie für das Projekt „Magische Chöre“, für das 2024 ein viel beachtetes Konzert im Hangar Event Airport stattfand. Und überhaupt verzaubere der Pop- und Showchor, der 1992 gegründet wurde, in seinen Konzerten mit verschiedenen Stilen – von Jazz und Swing über Pop bis Rock – aber immer mit einer ganz persönlichen Note.

Eine Gruppe Menschen lächelt auf einer Bühne in die Kamera
FMCR bringt Musiker aller Altersklassen zusammen.

Der Fokus der Initiative „FMCR – Finde Musiker Crailsheim“ ist zwar ein anderer, aber dafür nicht weniger preisverdächtig: Sie bringt Musikerinnen und Musiker zusammen – egal, ob alt, jung, erfahren oder unerfahren. „Wichtig ist nur die Freude an der Musik“, erklärte Kröper-Vogt. Zusammen mit dem Team des Ratskellers hat sie mit den rund 30 bislang durchgeführten FMCR-Abenden „für die Crailsheimer Musikszene einen Ort geschaffen, an dem Begegnung, Kreativität und Live-Musik zusammenkommen“.

Freudige und überraschte Gesichter gab es zudem bei den Machern des „Backyard-Festivals“ in Triensbach, das erstmals 2023 offiziell veranstaltet wurde. Doch trotz (oder gerade wegen?) seines jungen Alters hat sich das Event zu einem festen Termin für Fans elektronischer Musik entwickelt. Das Besondere dabei: die Atmosphäre zwischen Natur, Gemeinschaft und treibenden Beats. Zwar ist für dieses Jahr aufgrund von Personalwechseln kein eigenes Festival geplant, das Team arbeitet jedoch weiter und konzentriert sich derzeit auf Kooperationen.

Erneut im Mittelpunkt standen danach die Bläserklassen der Eichendorffschule, die sich den vierten Preis in der Kategorie „besondere musikalische Aktivitäten“ schnappten. Denn diese hatten beim Bürgerempfang des Landkreises Schwäbisch Hall in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann einen viel umjubelten Auftritt, bei dem sie ihr umfangreiches Können unter Beweis stellen konnten.

Eine klerine Gruppe lächelt in die Kamera
Die Macher des Backyard-Festivals schaffen in Triensbach eine besondere Atmosphäre.

Musikalisches Multitalent
Nachdem die Formation „The Cockroach“ mit einer Unplugged-Version von Bon Jovis „It’s my life“ zu überzeugen wusste, kündigte Susanne Kröper-Vogt die Verleihung von Sonderpreisen für den „Musiker des Jahres“, das „Ensemble des Jahres“ sowie für das „Musikalische Lebenswerk“ an.

Zunächst durfte Laudator Frieder Scheerer mit Rupert Herrmann einen seiner engsten Freunde als Musiker des Jahres vorstellen – eine „pianistische Allzweckwaffe und musikalisches Multitalent“, wie er augenzwinkernd betonte. Zwar habe er gleich mehrere Instrumente gelernt, „fast das gesamte Sortiment an Blockflöten, Gitarre, Posaune und Klavier“, seine große Erfüllung habe er bei der Königin der Instrumente, der Kirchenorgel, gefunden. Die spielt er heute unter anderem mit großer Freude in der Friedenskirche oder der Peter- und Paul-Kirche in Altenmünster, leitet aber auch den dortigen Posaunenchor, spielt dieses Instrument zudem in der Stadtkapelle und ist nicht zuletzt ein Drittel des Ensembles „Die Blechpfeifen“. Herrmann sei jemand, der Brücken baut und immer wieder versucht, Ensembles zusammenzuführen, die sonst nicht zusammengekommen wären.

„Das kommt schon überraschend, ich weiß nicht, womit ich das verdient habe“, meinte ein sichtlich bewegter Rupert Hermann, bevor er augenzwinkernd hinterherschob: „Schließlich kann ich doch gar nichts so besonders gut.“ Die Ehrung sehe er als Ansporn, seinen Weg so weiterzugehen. Und dass das mit dem Können so ja auch nicht ganz stimmen kann, bewies er im Anschluss mit einer ergreifenden Version der „Pastorale“ von Francis Poulanc sowie dem Duett „A smooth one“ mit Frieder Scheerer am Saxophon.

Eine Gruppe Menschen lächelt in die Kamera
Die Musikerinnen von Klarissimo stehen seit 25 Jahren auf der Bühne und starten bald auf ihre erste Konzertreise.

Quartett zu fünft
Ebenfalls große Freude herrschte im Anschluss bei „Klarissimo“, die den Sonderpreis für das „Ensemble des Jahres“ erhielten. Das Klarinettenensemble feierte 2025 sein 25-jähriges Bestehen und ist aus der kulturellen Szene der Stadt nicht mehr wegzudenken. Ein „Quartett zu fünft“, nachdem 2008 eine Schwangerschaftsvertretung eingesprungen und nicht mehr gegangen sei, wie die drei Laudatoren vom Vorjahrespreisträger, dem Crailsheimer Trompetenquartett, zu berichten wussten.

Das nahmen die fünf Musikerinnen gerne auf: „Wir betrachten uns als unsere kleine private Therapiegruppe“, sagte eine der Damen schmunzelnd. 151 Auftritte in 25 Jahren seien es mittlerweile, dazu eine geplante allererste Konzertreise im nächsten Jahr in die Partnerstadt Jurbarkas. Ihr Motto: Im Wesen der Musik liege es, Freude zu bereiten: sich selbst und anderen. Das funktionierte bei ihrer folgenden Interpretation von „Little Brown Jug“ wieder einmal ganz hervorragend, wie an der Reaktion des Publikums zu erkennen war.

Künstler der Improvisation
Einen Preis für das Lebenswerk zu verleihen, das wusste auch Moderatorin Susanne Kröper-Vogt, ist „etwas ganz Besonderes“. Daran ließ Frieder Scheerer, der auch hier die Laudatio übernehmen durfte, keinen Zweifel. Preisträger Albrecht Raddatz sei „ein Tastenkünstler par excellence“ und in allen Stilrichtungen und Genres zuhause.

Eine große Gruppe Menschen, jung und alt, steht für ein Foto parat
Die Musikerinnen und Musiker sorgten im Ratssaal für einen mitreißenden Abend. 

Bekannt sei er nicht nur für hervorragende Improvisationen, sondern war auch kompositorisch tätig, wirkte in verschiedenen Jazzformationen mit und war Mitgründer des Crailsheimer Kaffeehaustrios und der Salonkapelle Sternenglanz. „Heimathafen“ war aber über Jahrzehnte auch hier die evangelische Kirche Altenmünster. Lange leitete er den dortigen Kirchenchor, noch heute sei er eine Stütze des Männerregisters. Auch er zeigte sich überwältigt: „Damit hätte ich nicht gerechnet“, meinte er – nur um dann mit einer beeindruckenden Jazz-Improvisation von „You look so good to me“ von Clement Wells zu zeigen, wie gut der Preis bei ihm aufgehoben ist.

„Das Schönste an der Musikerehrung ist ja, dass der Abend fast wie ein kleines Konzert daherkommt und allen Beteiligten und Gästen große Freude bereitet“, fasste Oberbürgermeister Dr. Grimmer den Abend zusammen. Dass die Zuhörer das Stück „Crazy Train“ von Ozzy Osbourne, das das Orchester der Bläserklasse der Eichendorffschule zum Abschluss des Abends zum Besten gab, gleich zweimal hören wollten, war der beste Beweis dafür.

Info: Zur diesjährigen Musikerehrung sind insgesamt 23 Vorschläge eingegangen. Ein zehnköpfiges Gremium, bestehend aus Musik-, Schul- und Kirchenvertretern sowie Vertretern der Stadtverwaltung und der einzelnen Gemeinderatsfraktionen, entscheidet im Rahmen einer Jurysitzung, wer eine Auszeichnung erhält. Die Musikerehrung findet seit 2024 alle zwei Jahre statt.

(Erstellt am 24. März 2026)