Stadtmuseum
Auf dem Weg zum perfekten Streichbogen
Auf der Suche nach historischen Vorbildern besuchten zwei Studierende des Studiengangs Musikinstrumentenbau aus Markneukirchen kürzlich die Saiteninstrumentensammlung Stüber im Stadtmuseum Crailsheim. Maren Wieding und Lauritz Aigner beschäftigen sich im Rahmen ihres Studiums mit dem Nachbau eines sogenannten Klassikbogens – eines Streichbogentyps aus der Zeit um 1780 bis 1830.
Fündig wurden die beiden Studierenden in der Sammlung des Crailsheimer Geigenbauers Johann Stüber (1888-1976). Das Stadtmuseum bewahrt mehrere historische Bögen aus dem gesuchten Zeitraum auf, darunter ein besonders herausragendes Exemplar der berühmten Pariser Bogenbauerfamilie Tourte. François Tourte gilt als Schöpfer des vollendeten Streichbogenmodells. Seine Bögen sind perfekt ausbalanciert und eröffnen Musikerinnen und Musikern eine Vielfalt an Spieltechniken.
Der Bogen in der Crailsheimer Sammlung trägt den Brandstempel seines älteren Bruders Léonard Tourte, der zunächst die Werkstatt des Vaters übernommen hatte. Da die Brüder wohl eng zusammenarbeiteten, ist es gut möglich, dass François an der Herstellung des um 1778 entstandenen Bogens beteiligt war. Für die beiden angehenden Bogenmacher war sofort erkennbar, dass es sich um ein außergewöhnliches Stück handelt.
Bis ins letzte Detail
Um den historischen Streichbogen als Vorbild nutzen zu können, nahmen Wieding und Aigner das Objekt genau unter die Lupe: Sie vermaßen den Bogen sorgfältig und bestimmten sein Gewicht bis ins Detail. Zwar ist der Tourte-Bogen aus dem Stadtmuseum über die Plattform „Museum Digital“ bereits weltweit online zu sehen – doch erst die unmittelbare Beschäftigung mit dem Original offenbart seine ganze handwerkliche Qualität und die Feinheit seiner Proportionen.
Die Studierenden zeigten sich begeistert von der seltenen Möglichkeit, ein solches historisches Objekt aus nächster Nähe untersuchen zu dürfen. Ebenso beeindruckt waren sie von der Ausstellung zur Sammlung des Crailsheimer Geigenbauers Johann Stüber, der seinerzeit selbst im vogtländischen Markneukirchen das Geigenbauerhandwerk erlernt hatte.
Der Besuch machte deutlich, wie lebendig Museumssammlungen sind: Sie bewahren nicht nur kulturhistorische Zeugnisse, sondern dienen auch der nächsten Generation von Instrumentenbauerinnen und -bauern als wertvolle Inspirationsquelle.